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29/03/2016 12:58 CEST | Aktualisiert 30/03/2017 07:12 CEST

Der Mythos Trump - Wer sind seine Unterstützer?

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Sommer 2015 - Einer der schönsten Vorteile, Präsident der College Republicans auf meinem Campus zu sein, sind neben der großartigen Menschen vor allem die zahlreichen Einladungen zu Abendgalas und anderen politischen Events.

Die Möglichkeit, sich für einen Abend mal etwas feiner anzuziehen, gutes Essen zu genießen und interessante Persönlichkeiten kennenzulernen ist eine nette Abwechslung zu dem magischen Dreieck aus Netflix, Bibliothek und Hauspartys.

Im Sommer 2015 häuften sich diese Einladungen zusehends, da immer mehr Republikaner sich entschlossen, ins Rennen um die Kandidatur einzusteigen. Eines Abends entdeckte ich eine weitere Einladung in meinem E-Mail-Postfach.

Es handelte sich um ein VIP-Ticket für eine "wichtige politische Ankündigung" im Trump Tower - es sollte Donald Trumps Einstieg in diesen Wahlkampf werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, was in den folgenden Monaten geschehen würde.

Selbst am Abend vor der Veranstaltung bezweifelten viele, dass sich "the Donald" um das mächtigste Amt der Welt bewerben würde. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt in Deutschland befand, musste ich leider absagen, konnte aber stattdessen meinen Kommilitonen Tickets für dieses Event verschaffen.

Niemand rechnete mit seinem Erfolg

Am 16. Juni 2015 verkündete Donald Trump dann seinen Einstieg ins Rennen, der genaue Inhalt seiner Rede inklusive seiner Kommentare über mexikanische Einwanderer standen erst Tage später im Fokus der medialen Aufmerksamkeit.

Auf der Stelle jedoch wurde Trump zum Main Act in allen Talk-Shows und in den sozialen Medien. Niemand rechnete mit einem Erfolg seiner Kandidatur und viele waren der Meinung, dass Mr. Trump als erster das Handtuch werfen würde.

Als ich am Abend im Auto durch meine Heimatstadt fuhr und im Radio von Donald Trumps Rede hörte, fragte mich meine Mutter, was dies bedeuten würde, worauf ich ihr entgegnete, "dass er gar keine Chancen hätte".

Doch es kam anders. Über Monate hinweg führt er nun das Feld der republikanischen Präsidentschaftskandidaten an und hat währenddessen andere Favoriten aus dem Weg geräumt. Mit simpler Rhetorik und dem beständigen Willen, Grenzen zu überschreiten, hat er Scott Walker, Jeb Bush und Marco Rubio in das Aus gedrückt.

Mittlerweile hat er 18 von 30 Vorwahlen gewonnen und die beiden übrig gebliebenen Konkurrenten scheinen kein Mittel zu haben, um ihn aufhalten zu können. In wenigen Monaten hat es der New Yorker Geschäftsmann geschafft, die Welt zu empören, das Land zu polarisieren und die Republikanische Partei zu spalten.

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Selbst wenn er am Ende nicht die nötigen Delegierten am Parteitag in Cleveland hat, wird es schwer sein, ihm die Kandidatur noch aus den Händen zu reißen.

Doch Trumps Unterstützer stehen fest hinter ihm

Analysten haben klar gemacht, dass ein solches Manöver der Partei-Eliten verheerende Auswirkungen auf die Republikanische Partei haben würde und nicht nur Trump zu einer Kandidatur als sogenannter "Independent" zwingen und damit Hillary Clinton das Weiße Haus überlassen, sondern auch die Partei in einen langfristigen Bürgerkrieg treiben würde.

Denn Trumps Unterstützer stehen fest hinter ihm und sogar er selbst scherzte darüber, dass er "auf offener Straße jemanden erschießen könnte und sie ihn trotzdem unterstützen würden".

Doch wer sind diese Trump-Unterstützer überhaupt? Für die meisten deutschen Medien scheinen sie aus Rassisten und Ungebildeten zu bestehen und ja es gibt viele dieser, die in Donald Trump ihr Idol gefunden zu haben scheinen.

Donald Trump ist nur das Symptom einer amerikanischen Bevölkerung, die unzufrieden mit der Lage der Nation ist.

Aber Trumps Popularität nur auf solche Randgruppen zu beschränken, ist zu simpel. Es sind vor allem vier Gründe, weshalb derartig viele Amerikaner Donald Trump unterstützen:

1. Globalisierung

Man könnte sagen, dass Donald Trump wie kaum ein anderer für einen internationalen Lebensstil steht. Schließlich hat er Hotels und Golfplätze in allen Teilen der Welt gebaut.

Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass dieser New Yorker Geschäftsmann einmal der Frontmann derjenigen sein würde, die ihren Job durch die Globalisierung verloren haben. Es sind vor allem Arbeiterfamilien aus den ehemaligen Industriegebieten, die ihren Arbeitsplatz durch das Auslagern in die Schwellenländer verloren haben.

Und durch die Struktur des internationalen Handels werden diese Jobs voraussichtlich auch nicht mehr wiederkommen. Zudem halten andere den von illegalen Immigranten geschaffenen Niedriglohnsektor für einen Hauptgrund ihrer stagnierenden Löhne und des allmählichen Absinkens ihres Lebensstandards.

2. Der, der sagt was Sache ist.

Ja, Donald Trump überschreitet manchmal Grenzen. Ehrlich gesagt sogar ziemlich oft. Seine Reden sind nicht von rhetorischer Brillianz geprägt. Meistens sind sie nicht einmal vorbereitet, er wiederholt sich ständig und hat keinen beständigen Redefluss.

Urplötzlich wechselt er das Thema und ich habe jetzt schon Mitleid mit den Dolmetschern, die später einmal seine Reden bei internationalen Pressekonferenzen übersetzen müssen. Dennoch hat sein Redestil für viele Menschen etwas Erfrischendes.

Er ist kein klassischer Politiker und er sagt "was Sache ist", er scheut keinen Konflikt, zeigt klare Kante und entschuldigt sich niemals für seine Überzeugungen.

3. "Er meint es nicht so"

Diese Kategorie scheint auf den ersten Blick etwas verwirrend. Wie können manche Leute seine Kommentare über Einwanderer und seine Hetze gegenüber Andersdenkenden so ignorieren?

Doch die meisten Anhänger dieser Kategorie verweisen auf Trumps Lebenslauf. Wie kann dieser Mann, der bis vor wenigen Jahren noch Mitglied der Demokratischen Partei war und sein ganzes Leben in seinem New Yorker Elfenbeinturm verbracht hat, wirklich von diesen Dingen überzeugt sein?

Viele gehen davon aus, dass er nur das Spiel mitspielt und als Präsident deutlich moderater auftreten würde. Bereits in den vergangenen Wochen scheint Trump seine Strategie langsam zu ändern und spricht etwas präsidentieller.

So sprach er sich gegen den Irak-Krieg aus, verteidigte als Republikaner die von seiner Partei verhassten Organisation Planned Parenthood und sagte vor Kurzem, dass er sich " um alle kümmern will und dass kein Amerikaner auf den Straßen von New York sterben sollte".

4. Der von Spenden Unabhängige

Donald Trump verweist gerne auf seinen Reichtum und seinen Erfolg im Aufbau eines multinationalen Konzerns. Auch wenn der Großteil seines Erfolgs auf dem Wirken seines Vaters beruht, so kann man ihm dennoch seine finanzielle Unabhängigkeit nicht absprechen.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den USA keine staatliche Parteienfinanzierung und die beiden Parteien fungieren mehr als Wahlvereine anstatt als politisches Organ. Dies hat zur Folge, dass Experten davon ausgehen, dass beide Präsidentschaftskandidaten eine Milliarde Dollar in ihren Wahlkampf stecken müssen.

Zwar gibt es Kandidaten, die auf Graswurzelbewegungen setzen, aber im Allgemeinen sind die Wahlkämpfe auf große Spenden angewiesen. Millionenhohe Wahlkampfspenden sind aber nicht immer nur ein Geschenk guten Willens. Für ihre Unterstützung erhoffen sich Unternehmen Einfluss in den politischen Entscheidungen, in der Personalpolitik und in der Gesetzgebung.

Lobbyisten schreiben die Gesetze und in den USA oft auch Schlupflöcher für ihre Unternehmen. Dadurch sind große Konzerne im wirtschaftlichen Vorteil gegenüber kleineren, da sie sich die Anwaltskosten im Falle von Gerichtsverhandlungen leisten können und bestimme Schlupflöcher diese sogar bevorzugen.

In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von „crony capitalism" und die amerikanische Bevölkerung verbindet sie vor allem mit der sogenannten "Washington Elite". Ein Kandidat wie Trump, reich genug um seine Kampagne selbst zu finanzieren, verspricht Unabhängigkeit und die Idee, dass seine Politik nur dem Allgemeinwohl dient.

Die Anziehungskraft des Donald Trump

Alle vier Argumente beruhen auf zwei grundlegenden Gedanken. Beide liegen in der Anziehungskraft Donald Trumps.

Seit den 80er Jahren ist er eine Berühmtheit und man konnte in den Klatschzeitschriften sein Leben und seine Scheidungskriege mitverfolgen. In den 90ern hatte er Gastauftritte in den erfolgreichsten amerikanischen Sitcoms wie "The Prince of Bel Air".

Nach der Jahrtausendwende erhielt er sogar seine eigene Show "The Apprentice", eine auf die Geschäftswelt ausgelegte Version von DSDS. Viele sind mit Donald Trump praktisch aufgewachsen und seine Persona gilt schon seit langem als "bigger than life".

Hinzu kommt die Marke Trump. Kaum ein anderer Name steht so sehr für wirtschaftlichen Erfolg und mittlerweile verziert dieser nicht nur Hotels, sondern auch Golfressorts und andere Produkte.

Wählen ist immer eine rationale und eine emotionale Entscheidung. Wir unterstützen einen Kandidaten nicht nur, weil er oder sie unseren Ideen am nächsten kommen, sondern weil wir sie mögen oder nicht mögen. Nicht immer wiegen beide Aspekte gleich.

Die Stärke Donald Trumps resultiert nicht nur aus seiner Person, sondern auch aus der Schwäche der Kandidaten in den beiden politischen Lagern.

Im Fall von Donald Trump überwiegen vor allem die emotionalen und die Anziehungskraft seiner Marke. Außerhalb der Vereinigten Staaten stößt diese Haltung auf Unverständnis, aber ich frage mich manchmal selbst, wie wir reagieren würden, wenn ein Entertainmentgröße wie Stefan Raab, Til Schweiger oder Günther Jauch plötzlich in die Politik gehen und im Wahlkampf kontroverse Parolen von sich geben würde.

Aus der Distanz ist dieser amerikanische Wahlkampf manchmal schwer nachzuvollziehen. Man sieht nur die extremen Momente und nicht die alltäglichen Kommentare und Interviews. Die Stärke Donald Trumps resultiert nicht nur aus seiner Person, sondern auch aus der Schwäche der Kandidaten in den beiden politischen Lagern. Donald Trump ist nur das Symptom einer amerikanischen Bevölkerung, die unzufrieden mit der Lage der Nation ist.

Ich möchte mit diesem Beitrag Donald Trump weder kritisieren noch befürworten. Viele der Argumente seiner Unterstützer machen bei genauer Betrachtung wenig Sinn. Was ich mit diesem Text zu erreichen versuche ist, dass wir diesen Mann und die Idee, die andere auf ihn projizieren, besser verstehen.

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