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26/03/2017 09:10 CEST | Aktualisiert 27/03/2018 07:12 CEST

Poco a poco.

Jorga Tanit Rodrguez Malacara / EyeEm via Getty Images

Zehn Pesos sind 50 Cent. Also sind dann zwanzig Pesos ein Euro. Circa. Die Preise, so hatte mir Susanne erzählt, würden für mich, den weißen Nicht-Mexikaner wohl erst mal höher ausfallen. Das sei aber normal und habe auch keineswegs mit Rassismus zu tun.

Letzte Woche stieg ich nun also erstmals ganz allein in einen Bus. Ein Büschen. So groß wie ein Flughafen-Shuttle zum Hotel mit Sitzen hinten, vorne und an den Seiten, sodass in der Mitte eine freie Fläche blieb. Ich stieg zu den vier bereits vorhandenen Fahrgästen und setzte mich, nachdem ich 6 Pesos (nach unserer Rechnung von eben dann also 30 Cent) an den Fahrer gegeben hatte, auf die rückwärts stehenden Sitze vorne. Zwei Stationen später war ich aufgestanden und stand in stark gebückter Haltung in der Mitte des Busses, während auf meinem ehemaligen Platz nun eine schwangere Frau mit kleinem Kind und ebenfalls kleinem Mann (wenigstens hätte er nicht gebückt im Bus gestanden) Platz genommen hatte. Der Bus fährt immer geradeaus, was aber keineswegs weniger Gefahr bedeutet. Hier sollten Verbote an sämtliche Verkehrsteilnehmer - seien es Autofahrer oder wild über die Straße rennende Kinder - verteilt werden. Aber hey, ich komme an. Bisher bin ich jedes Mal heil an meinem Ziel angekommen.

Und ansonsten? Santiagos freier Tag - richtig, im Singular - ist leider auch nicht wirklich entspannend. Letzte Woche gab es wenigstens noch haufenweise Arbeit und noch sehr viele Ämter, die wegen mir zu besuchen waren.

Und so begann unser Tag bei der Krankenkasse, wo man uns nach zehn Minuten mitteilte, dass mir eine Registrierungsnummer fehle. Dann weiter zu einem anderen Büro, bei dem uns wohl auch etwas fehlte. Zumindest verließen wir es wütend wieder, was mich darauf schließen ließ. Danach verbrachte ich fünfzig Minuten allein auf einem Parkplatz vor Santiagos Arbeit, wo er wie jeden Dienstag Geld abholte und später am Abend schafften wir es dann "mal ins Kino".

Auch hier, in der Karibik - daran sollte ich mich vielleicht häufiger erinnern, denn andere beneiden mich um diesen Wohnort - sieht Freizeit überraschend simpel aus. Kino, Tacos, Shopping Mall. Tut mir leid. Ich gehe nicht nachmittags Kitesurfen oder verbringe meine Abende am Lagerfeuer. Exotisch ist höchstens die Ameisenstraße durch unsere Küche. Ich möchte nicht wissen, wie viele schon in meinem Magen gelandet sind.

Nicht alles ist perfekt hier. Der Verkehr ist die Hölle. Aber ich habe bereits mein persönliches Nicht-Starbucks gefunden, wo ich mich mit Besitzerin Gabriela über das Reisen austausche. Ich habe meine Hausarbeit bis auf einige Feinschliffe beendet. Und ich habe vielleicht eventuell Arbeit. Poco a poco. Anders geht es nicht. Man kann ja nicht in einer Woche Mexikaner werden.

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