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07/03/2016 10:09 CET | Aktualisiert 08/03/2017 06:12 CET

Was mir mein Hund über Menschlichkeit beibrachte

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Dieser Hund.

Meine Stiefmutter starb am 1. August 2012. Ich flog für die Beisetzung ihrer Asche am 19. Oktober nach Florida und mein 84-jähriger Vater sagte mir, dass er noch einmal heiraten wolle.

Ich riet ihm vorsichtig, er solle vielleicht noch etwas abwarten und unter diesen Umständen keine folgenschweren Entscheidungen treffen.

"Gott verdammt, Scotty, ich will eine Frau an meinem Arm!" Aus irgendeinem Grund dachte ich in diesem Moment an eine Uhr.

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Ich riet ihm, es mit einem Hund zu versuchen. Er hatte schon seit längerem davon gesprochen, einen zu adoptieren. Tatsächlich ging er auch öfters zu einem Petco in seiner Nähe, ohne den Hauch einer Ahnung, dass der einzige Grund, warum es dort Tiere gibt, darin liegt, mehr Tierfutter zu verkaufen.

"Ein Hund ist eine große Verantwortung."

Eine Ehefrau schien er im Vergleich für weniger anspruchsvoll zu halten. Wir ließen die Hochzeit-oder-Hund-Debatte für einen Moment gut sein und trugen Joan zu Grabe. Ich flog wieder nach Hause.

***

Ein paar Monate später kam ich über Weihnachten wieder nach Florida. Dad hatte es geschafft, Single zu bleiben - unfreiwillig. Ständige Versuche, mit "IrishRN53" auf Christianmingle.com in Kontakt zu treten füllten sein Email-Postfach. Es gab noch anzüglichere Spitznamen. Ich war gleichermaßen verstört als auch erleichtert zu sehen, dass eine Libido länger lebt als ich dachte.

"Ich brauche eine Schwester mit Zaster," scherzte er halb. Wenn er aber spät abends alleine war und Löcher in seinen Computer-Bildschirm starrte, meinte er es wohl wirklich ernst.

Wir sprachen mehr über die Idee mit dem Hund und schließlich konnte ich ihn überreden, wenigstens mal zu schauen. Wir beschlossen, bei Petco anzufangen. Es war ein kleiner Schritt.

***

Wir gingen rein und atmeten diesen einzigartigen Duft von Holzspäne und Trockenfutter ein. Eine kleine, gut gebräunte, dickliche Frau mit voluminös toupierten Haaren kam auf uns zu, sich ihre blaue Mitarbeiter- Schürze umbindend.

Es war später Nachmittag und sie begann gerade ihre Schicht. Ihr zahniges Lächeln war unvollständig, aber das war ihr eindeutig egal. Sie trug eine Kette aus auf einer Schnur aufgefädelten Muscheln. Ihre Hand auf ihrer gekippten linken Hüfte war tätowiert und das Motiv zeigte auf den großen silber-türkisen Ring an ihrem Zeigefinger.

"Kann ich Ihnen helfen?" Eine warme, Bernstein-und-Honig-Stimme, ein ländlicher Akzent und ein direkter Blick.

"Mein Vater sucht nach einem Hund."

Sie grinste wieder. "Oh, hier werden sie keinen finden. Zumindest nicht, dass ich ..." sie verstummte langam.

"Er war seit drei Monaten dort. Zwei Monate länger als normalerweise. Die Angestellten brachten es einfach nicht übers Herz, ihn einzuschläfern."

Sie fokussierte meinen Vater. Er stand neben mir, ehrlich und hoffnungsvoll, mit den Händen in den Taschen seiner Kahkihosen. Mit 84 Jahren sah er aus wie ein kleiner Junge, der einen Hund haben will. Ich fühlte mich wie sein Vater.

"Es gibt ein Tierheim, ungefähr acht Kilometer von hier. Es ist Sonntag, aber ich glaube, sie könnten noch offen haben."

Seltsamerweise wusste mein Vater genau, wo das war. Also machten wir uns auf den Weg.

"Rufen Sie an, falls Sie sich verfahren!" rief sie uns hinterher. Ihr Name war Joy.

***

Wir verließen The Villages und fuhren nach Marion County. Auch die Straßen veränderten sich drastisch. Nach kurzer Zeit rasten wir eine verkommene Landstraße entlang.

Die Fenster waren heruntergelassen und mein Vater sprach laut.

"Bevor der alte Schwartz hier alles vollgebaut hat, war das mal eine Wassermelonen-Plantage," sagte er und überholte einen gelbel Kleinlaster mit etwa 100 km/h.

Jetzt 120 km/h.

"Ist es nicht fantastisch, wie dieser Wagen einfach gleitet?" fragte er mich stolz. Mein Vater fuhr immer so. Ich hatte vor langer Zeit gelernt, die Augen nach vorne zu richten und weiterzuatmen.

Wir fuhren an einem riesigen Kiesberg vorbei, der sich wie eine Pyramide aus dem roten Lehmboden erhob. "Kauf dir ein Stück Land," sagte er bedeutungsschwer. "Gott macht nicht noch mehr davon."

***

Wir bogen links ab und überquerten Schienen. Dann hielten wir vor einem heruntergekommenen weißen Gebäude im Schatten der Kiespyramide. Wir parkten den Wagen und betraten das Marion County Tierheim.

"Können wir Ihre Hunde sehen?"

Es war 16.30 Uhr am Sonntag, den 30. Dezember 2012. Sie schlossen um 17 Uhr.

"Das ist alles, was wir haben. Hinten im Hof," sagte die Frau hinterm Tresen und sah auf ihre Uhr.

In Florida leben die Hunde überwiegend draußen, auch im Winter. Im ersten Zwinger lag ein halb verhungerter Beagle-Basset-Mix, der uns mit seinen zarten und menschlichen Augen ansah. Sein Blick war konzentriert und sehnsüchtig, sein Schwanz wedelte schwach von einer Seite zur anderen. Er war seit drei Monaten dort. Zwei Monate länger als normalerweise. Die Angestellten brachten es einfach nicht übers Herz, ihn einzuschläfern.

Danach kamen mindestens 20 Käfige mit Pit Bulls, 10 auf jeder Seite. Junge, muskulöse Tiere, voller Energie. Sie waren schön, aber nicht das richtige für einen 84-jährigen Mann, der langsam Schwierigkeiten bekam, sich auf den Beinen zu halten.

"Ich glaube, ich habe meinen Kerl gefunden," sagte mein Vater etwas verschwörerisch. Auf dem Schild an dem Käfig des Beagle-Bassets stand "Ford".

"Ford?" fragte mein Vater. "Was zur Hölle ist das bitte für ein Name?"

Mein Vater ging ein paar Mal die Zwinger auf und ab und dachte nach. Die Pit Bulls machten eine Show. Ich fand ihre breiten Schädel fantastisch. Eine der Pit Bull Damen hatte einen weißen Kreis um ein Auge und tanzte auf den Hinterbeinen. Ich sah sie in einem Tutu vor mir.

Ford lag stocksteif da, ohne auch nur einen Moment lang seine Augen von uns abzuwenden. Immer wenn wir näher kamen, wackelte er ein bisschen schneller mit seinem Schwanz. Er war ganz entspannt und nach 90 Tagen ein erfahrener Speed-Dater. Wir gingen wieder rein und sagten der Frau an der Rezeption, welchen Hund wir gewählt hatten. Es war 16.45 Uhr.

Eine Tür öffnete sich und ein anderer Mitarbeiter des Tierheims kam heraus. Weit hinter ihm tapste Ford an einer hellblauen Leine daher, auf der "ich wurde adoptiert!" stand.

"Weit hinter ihm tapste Ford an einer hellblauen Leine daher, auf der "ich wurde adoptiert!" stand."

"Das Gesetz verpflichtet mich, Ihnen mitzuteilen, dass er positiv auf Herzwürmer getestet wurde," sagte die Frau an der Rezeption.

Und nur Gott weiß, was sonst noch alles, dachte ich und bemerkte die Rippen, die unter seinem hübschen, dreifarbigen Fell hervorstanden. Die Herzwurm-Behandlung sei kompliziert und teuer und es gäbe keine Garantie, dass er dadurch geheilt und nicht sterben würde. Sie wartete. Sie erwartete eindeutig, dass wir abspringen würden.

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Mein Vater fragte nach seiner Vorgeschichte und nach allen Informationen, die sie über ihn hatten. Man hatte ihn alleine umherstreunen gefunden. Halb verhungert, aber freundlich. Er war gechippt und sein vierter Geburtstag war morgen. Seine alten Besitzer waren kontaktiert worden, als man ihn gefunden hatte. Sie wollten ihn nicht mehr zurück.

"Ich glaube, er hat eine Chance verdient," sagte mein Vater.

***

Null Minuten später saß er in unserem Auto. Man konnte fast sehen, wie er sich zwicken wollte. Wir fuhren wieder zu Petco, um seine neue Hütte mit ein bisschen Hunde-Schnickschnack zu pimpen: eine dicke, schwarz glänzende Nylon-Leine, silbern funkelnde Futter- und Wasser-Schälchen mit anti-rutsch-Gummiböden. IANS Nuggets und sündige Leckerlis.

"Riechen die nicht köstlich?" fragte mein Vater.

"Iss es," sagte ich.

Und oben drauf: Ein Teleskop-Häufchen-Aufsammler. High-End Zeug.

Joy freute sich riesig und gab Ford ein Leckerli, das aussah wie ein kleiner Cupcake. Der Hund wackelte mit seinem ganzen wurstigen Körper und rollte sich für sie auf den Rücken. Sie kraulte ihm den Bauch.

"Na, wenn du mal nicht gerade im Lotto gewonnen hast!" frohlockte sie. "Oh und diese Augen!"

Sie sah meinen Vater von der Seite an. "Ihnen ist hoffentlich klar, dass dieser Hund ein Frauenmagnet ist, oder?"

Sie zwinkerte mir zu. "Feuern Sie ihn nicht noch an," sagte ich.

***

Wir brachten ihn nach Hause und er rannte sofort auf die gekachelte Veranda und pinkelte, hüpfte auf den Leder-Fernsehsessel und sah mich an. Er war zu Hause und er wusste es. Ich griff nach seiner Schnauze, sah ihm direkt in die Augen, wischte seinen Urin weg und ging mit ihm Gassi.

Als wir durch die perfekte Nachbarschaft, in der mein Vater wohnte, spazierten, wurde klar, dass dieser Hund noch nie an einer Leine gegangen war. Er hörte, aber war nicht folgsam. Seine Nase bestimmte seinen Weg. Er war ein Zick-Zack-fliegender Schmetterling auf einer Wiese voller Gänseblümchen.

Ich sah, wie sich die Leine um die Beine eines älteren Herren wickeln und diesen zu Fall bringen würden und beschloss meinen Flug nach Hause zu verschieben. Ich wollte meinem Vater bei der Eingewöhnung helfen, den Tierarztbesuchen, dem Erstellen von Routinen und sicherstellen, dass er physisch dazu in der Lage war, die Verantwortung für einen Hund zu tragen.

Am nächsten Tag wurde Ford beim Tierarzt positiv auf einen Herzwurm und einen weiteren schädlichen Parasiten getestet. Eine seiner Vorderpfoten war von dem Reinigungsmittel, das in dem Tierheim verwendet wurde, verätzt worden und er war ernsthaft unterernährt. Aber seine Augen änderten sich nie.

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Er schien sich nicht für sein Futter zu interessieren, aber Gerüche faszinierten ihn. Das erste Mal, als wir ihn alleine im Haus ließen, verteilte er den gesamten Küchenabfall auf dem Boden. Überall. Warum konnte er nicht aus dem Mülleimer essen? Warum musste er das komplette Haus im Müll versenken?

Ich versuchte mich in den Kopf des Hundes zu versetzen und von dort aus das Maß der Zerstörung einzudämmen. Dieser Hund hatte eine Vision. Er war ein olfaktorischer Feinschmecker. Gerüche ließen ihn einfach durchdrehen. Wenn ein Grashalm interessante Düfte verströmte, dann musste er ihn ganz für sich aufspüren und inhalieren.

***

Ich flog zurück nach Ohio und hoffte das Beste. Etwa eine Woche später klingelte mein Telefon um 22 Uhr. Mein Vater war dran. Er erzählte mir, dass er mit dem Hund gegangen war. Als er sich nach einem Häufchen des Hundes bücken wollte, fiel er hin. Obwohl er es mit all seinen Kräften versuchte, schaffte er es nicht, aufzustehen. Er schaffte es, auf blutigen Knien zum Bordstein zu robben und saß dort im Dunkeln, nur etwa einen Block von seinem Haus entfernt.

Ford hatte meinen Vater dabei beobachtet, wie er Probleme hatte zu stehen und wie er krabbelte. Dann setzte er sich neben ihn und bleib bei ihm. Sie warteten zusammen in der Dunkelheit. Nach einer Weile näherte sich ein Auto. Der Fahrer bremste, als er Fords Augen im Scheinwerferlicht aufblitzen sah. Er hielt an, stieg aus und half ihm auf. Er fragte meinen Vater, ob alles in Ordnung war und fuhr dann weiter.

Ich stellte ihm dieselbe Frage.

"Es geht mir gut," sagte Dad am Telefon. "Nur verletzter Stolz."

Dann kam eine Pause. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie sich die beiden zunickten.

"Dieser verdammte Hund blieb genau da."

Sie waren offiziell beste Freunde. Jeden Tag für fast sechs Monate gab mein Vater dem Hund seine Medizin und schaffte es so schließlich, den Parasiten zu töten. Er half ihm durch die teure, gefährliche und schmerzhafte Herzwurm-Behandlung, zu der die Injektion eines chemotherapeuthischen Arsens tief in seine Lenden. Dad pflegte seine Pfote und trug täglich Wundsalbe auf.

Er brachte ihm bei, wo sein Territorium war und schaffte es langsam, ihn an sein richtiges Futter zu gewöhnen. Er taufte ihn um auf den Namen Seamus - nach unserem Hund aus Kindertagen. Das war eine große Ehre. Sie vertrauten einander.

"Er taufte ihn um auf den Namen Seamus - nach unserem Hund aus Kindertagen. Das war eine große Ehre. Sie vertrauten einander."

"Er ist der Liebling der ganzen Gegend!" So gab mein Vater am Telefon mit seinem Schatz an. Seamus hatte sich erfolgreich das höchste Gut eines einsamen alten Mannes erarbeitet: Aufmerksamkeit. Mein Vater hatte zwei Frauen und sein Erstgeborenes zu Grabe getragen. Er trug endlich wieder die Verantwortung für jemanden und dieses Mal hatte er ihn retten können.

Sechs Monate später wäre Dad beinahe gestorben.

***

Gerade als Seamus Gesundheitszustand besser wurde, fiel Dad immer häufiger hin. Eines Morgens im Juni rief mich seine Nachbarin an, nachem sie ihn auf dem Boden in seiner Garage gefunden hatte.

"Ich werde dir nicht sagen, was du tun sollst," sagte sie. "Das werde ich nicht. Ganz bestimmt nicht ... das geht mich ja nichts an, aber ..."

Wie sagt man dem Sohn des Nachbarn, dass man glaubt, der alte Mann sollte nicht mehr alleine wohnen? Ich buchte einen Flug.

Am nächsten Morgen fing Dad plötzlich an, heftig aus dem Mund zu bluten und brach in der Küche zusammen. Er wurde mit Multi-Organversagen ins Krankenhaus gebracht. Dort sagte man ihm, dass er sich entweder einen Schrittmacher einsetzen lassen müsste oder in ein Hospiz gehen. Er entschied sich für den Schrittmacher.

Der nächste Monat war aufregend. Mein Vater musste genesen. Er musste aber auch umziehen und dazu brauchte es Überzeugungskraft. Er zog in ein Herzentrum und meine Nichte - die Tochter seines ersten Sohnes - half mir dabei, seinen Haushalt aufzulösen. Ich verkaufte sein Haus und brachte ihn in einem Heim in meiner Nähe in Ohio unter. Ich suchte eines aus, das Seamus auch aufnahm. Solange sich mein Vater selbst und den Hund kümmern könne, sei das kein Problem.

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Mein Vater wurde langsam gesund, aber es wurde deutlich, dass er wohl nie wieder mit seinem Hund würde Gassi gehen können. Seamus schien genau zu verstehen, wem er folgen musste und so wurde er der neue "Haushund" der Einrichtung. Die Mitarbeiter liebten ihn sehr und kümmerten sich um ihn.

Immer, wenn ich zu Besuch kam, erkannte er mich von Weitem. Er hüpfte von der Couch und tapste auf mich zu. Dabei wackelte sein ganzer langer Körper, wie der einer Robbe. Dann warf er sich vor mir auf den Rücken und zeigte mir seinen Bauch.

Bei diesen Besuchen fing er zum erstem Mal an, sich mit mir zu unterhalten und dafür seine Stimme einzusetzen. Sein Ton war dringend, und angestrengt. Ich hörte ihm zu und antwortete. Er sah mir in die Augen, um sicherzugehen, dass ich mich nicht über ihn lustig machte und sprach weiter. Er musste viel loswerden. Er erzählte mir alles über meinen Vater und sein Leben im Hospiz.

"Mein Vater hatte zwei Frauen und sein Erstgeborenes zu Grabe getragen. Er trug endlich wieder die Verantwortung für jemanden und dieses Mal hatte er ihn retten können."

In den darauf folgenden Monaten ließ die Vitalität meines Vaters nach und er verschwand mehr und mehr aus der Welt. Seamus fürchtete, bald wieder alleine zu sein und fing an, sich zu wehren. Er beschwerte sich laut und deutlich und oft.

"Es tut mir so Leid, Scott," sagte die Heimleiterin am Telefon. Sechs Monate lang hatte sie jede mögliche Vorschrift missachtet, um ihn dort behalten zu können. "Ich bekomme alle 20 Minuten eine neue Beschwerde."

Das Personal des Berea Lake Towers Altenheims verabschiedete sich tränenreich.

"Ich rate dir, ihn zu Besuch vorbeizubringen, denn ich weiß, wo du arbeitest," rief uns Irene, die Rezeptionistin, nach.

"Versprochen," sagte ich. Er zog bei uns ein.

***

Mein Vater starb neun Monate später, um 5.15 Uhr morgens am 12. Dezember 2014, am Tag, an dem Frank Sinatra 99 Jahre alt geworden wäre. Als wir auf das Bestattungsinstitut warteten, ließen wir Seamus rein, damit er sich von seinem alten Freund verabschieden konnte.

Seamus tapste mit dem Schwanz wedelnd auf den leblosen Körper meines Vaters zu. Das Wedeln verging langsam als er vor dem Bett stand. Er sah zu mir und legte sich dann neben das Bett auf den Boden.

Ich spule zwei Jahre vor und Seamus ist zum Zentrum unseres Lebens geworden. Er macht mich von Herzen glücklich. Ich fasse ihn noch immer gerne an. Unsere zwei Katzen haben sich an ihn gewöhnt. Unsere neun Hühner bleiben skeptisch, wenn auch interessiert, sobald er in der Nähe ist. Seamus entscheidet über unseren Tagesrhythmus. All unsere Pläne richten sich zuerst nach seinen Bedürfnissen. Das erscheint uns richtig. Er tut das ja auch für uns.

Er lebt jetzt mit mir in Arizona und schläft in der Sonne und im Dreck. Selbst im Schlaf entgeht ihm nichts.

Lasst euch von einem Tier daran erinnern, was es bedeutet, menschlich zu sein.

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Um mehr über die Cleveland Animal Protective League zu erfahren, besucht ClevelandAPL.org.

Scott Plate lebt in Cleveland, Ohio, und ist ein preisgekrönter Schauspieler, Regisseur und Autor, dessen Werke regelmäßig auf den Bühnen Ohios zu sehen sind. Folgt ihm auf Facebook.

Eine Version dieses Beitrags erschien ursprünglich auf Ripening Joy.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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