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02/06/2015 08:05 CEST | Aktualisiert 02/06/2016 07:12 CEST

Mit gaaaanz viel Geduld: Mein erster Einkauf als Veganerin

Thinkstock

Wir wollen zum ersten Mal vegan einkaufen und fahren deshalb extra bis nach Nürnberg zum größten Supermarkt weit und breit. Hier gibt es bestimmt sehr viele Produkte für Veganer.

Etwas ziellos und von der Größe erschlagen schieben wir unseren Einkaufswagen durch die Gänge.

Cosmo ist bereits von der Autofahrt genervt und will aus seiner Babyschale raus. Ich nehme ihn auf den Arm und schaue weiter durch die Regale ohne genau zu wissen, wonach ich suche. Oli sagt plötzlich: »Perlgraupen sind bestimmt vegan!« Die Perlgraupen landen im Einkaufswagen, ebenso eine Schachtel Sonnenweizen (ein vorgegarter Hartweizen).

Endlich stoßen wir auf ein Regal mit einigen vegetarischen Produkten. Davon sind bestimmt die meisten vegan. Ich beginne, die Inhaltsstoffe durchzulesen. Gleich die fünfte Zutat der vegetarischen Frikadellen ist Hühnereiweißpulver. Die bleiben dann wohl im Regal.

Vegetarisches Schnitzel hört sich gut an. Fast am Ende der Inhaltsstoffe angelangt, entdecke ich Eiklar, und was um Himmels Willen ist Inulin oder Rauchmalz? Ich schaue alle Artikel in dem kleinen Abteil im Regal ganz unten durch. Alles enthält irgendeinen tierischen Inhaltsstoff. Das einzig Vegane ist eine Packung Gemüsefrikadellen und Tofu. Die kann ich woanders aber auch günstiger kaufen.

Völlig frustriert und entnervt gehen wir zur Kasse und bezahlen ganze 13,35 € für unseren ziemlich übersichtlichen »Großeinkauf«. Wir fragen uns: »Was können wir überhaupt noch essen?«

Zwei Tage später versuchen wir es beim Discounter im Nachbarort. Wir kaufen Nüsse, Reis, Nudeln ohne Ei, jede Menge Obst und Gemüse und zu unserer Überraschung sogar Sojamilch. Klingt schon besser. Ein kleiner Erfolg, obwohl ich noch nie so viel Zeit in einem Discounter verbracht habe. Es dauert ewig, bis wir alle Inhaltsstoffe des jeweiligen Artikels studiert haben.

Im Supermarkt gegenüber bekommen wir noch Tofu und Sojapudding. Was ist eigentlich Tofu? Ich lese in Wikipedia nach: »Tofu wird aus einem weißen Sojabohnenteig hergestellt, der bei der Denaturierung und Koagulation von Proteinen in der Sojamilch entsteht. Der Quark, der daraus hervorgeht, wird entwässert und anschließend zu Blöcken gepresst.«

Was ist denn nun wieder Koagulation? Lecker hört sich das nicht gerade an. Hört sich eher nach Käseherstellung an, und Käse mochte ich schon als »Omni«, also Allesesser, nicht. Aber Vegetarier essen den Tofu und Veganer eben auch. Vielleicht finde ich ja gute Rezepte, denn pur schmeckt Tofu fast nach nichts.

Abends gebe ich »Tofu zubereiten« in die Suchmaschine ein und erfahre, dass es drei Hauptsorten von Tofu gibt: Natur-, Räucher- und Seidentofu. Zusätzlich noch marinierten Tofu in vielen Geschmacksrichtungen. Zudem scheint Tofu ein optimaler Eiweißlieferant zu sein. Ich lese, dass es besonders wichtig ist, den Tofu richtig auszupressen. Das Wasser ist aus der Plastikfolie abzugießen, der Tofu abzutupfen und in ein Küchenpapier einzuwickeln.

Danach wird er beschwert, zum Beispiel zwischen zwei Teller gelegt, und auf den oberen wird so viel Druck ausgeübt, dass das restliche Wasser herausgedrückt und vom Küchenpapier aufgesaugt wird. Je gründlicher der Tofu ausgepresst ist, umso besser lässt er sich verarbeiten.

Naturtofu eignet sich durch seine Geschmacksneutralität besonders gut zum Marinieren; Seidentofu ist super, um zum Beispiel Käsekuchen herzustellen. Auch als Zutat für Pudding oder Smoothies kann er verwendet werden. Räuchertofu hat ein rauchiges Aroma, das an Speck erinnert. Gerade deswegen wird er auch oft als Speckersatz eingesetzt.

Eingekauft hatte ich nur den Naturtofu. Das reicht auch für den Anfang, dachte ich mir und beschloss, mich erst mal an Makkaroni mit Cashew-Ricotta-Soße zu versuchen.

Das Rezept hört sich wirklich lecker an, aber bei mir, da geht so einiges schief. Ich versuche, mit meinem Pürierstab die Cashews »staubfein« zu zerkleinern, dabei fliegen erst einmal einige Cashewnüsse durch die Gegend. Oli brummt: »ob es heute wohl noch was zu Essen gibt?«.

Beim Enthäuten der Tomaten verbrenne ich mich gefühlte hundertmal, und mein Basilikum sieht leider nicht besonders frisch aus. Trotz allem kommt ein Gericht zustande und es schmeckt erstaunlicherweise richtig gut.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:

"Vegan Familiy - Veganes Leben für die ganze Familie" von Saskia Rehäußer, CBX Verlag 2015, 304 Seiten, TB, ISBN: 978-394 5794 029, € 14,95 (D), € 15,40 (A), CHF 21,90 (CH)

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