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11/07/2015 16:32 CEST | Aktualisiert 11/07/2016 07:12 CEST

Griechenland - Krise: Wir schaffen es nur gemeinsam

Thinkstock

Die Griechenland-Krise macht deutlich, was die meisten Menschen auch auf der persönlichen Ebene durchleiden: Im Informations-Zeitalter fällt es immer schwerer, sich abzugrenzen.

Die biologische Entsprechung für die Fähigkeit sich abzugrenzen ist die Membran. Sie umhüllt die Zelle und sorgt über den Prozess der Osmose dafür, dass nur die Stoffe hindurch gelangen, die benötigt werden. Alles andere bleibt an der Membran hängen.

Das Organ, dass diese Prozesse am ehesten symbolisiert sind die Nieren. Sie sorgen mit Hilfe der Osmose dafür, dass Gift- und Fremdstoffe den Körper verlassen. Interessanterweise gelten die Nieren als das „Beziehungsorgan". Sie reagieren empfindlich auf Unfrieden und Stress aller Art.

Den meisten Menschen fällt es durch den zunehmenden Strom, von Eindrücken und Anforderungen schwerer, sich mental abzugrenzen. Sie fühlen sich einem permanenten Druck ausgesetzt, mit dem sie schlecht umgehen können. Ihre „mentale Membran" schützt sie nicht mehr im ausreichenden Maße.

Dies löst einen Prozess aus, den man auf körperlicher Ebene als Vergiftung bezeichnen würde. Bei einigen reagieren die Nieren sogar unmittelbar, und sind nicht mehr so leistungsfähig. Auf der mentalen Ebene drückt sich das, je nach individueller Ausrichtung, als permanente Erschöpfung oder durch ein ungesundes Überdreht sein aus.

Auch auf der Ebene der Weltwirtschaft können sich die Nationen immer weniger voneinander abgrenzen.

Der Prozess der zwangsweisen Vermengung schreitet voran. Aktuell ist z.B. Griechenland so eng mit dem Rest-Europa verbunden, dass es den anderen Staaten nicht möglich ist, ihre eigenen Volkswirtschaften vor den Ereignissen in Griechenland zu schützen. Sie haben sich gegenseitig ausgeliefert. Es gibt keine schützende Membran mehr zwischen den Euro-Staaten.

Dies wird nicht nur auf der finanziellen Ebene deutlich. Die Griechen fühlen sich zu recht als Voll-Europäer. Sie lassen sich nicht aus der Gemeinschaft heraus drängen. Eine Rückkehr zum nationalstaatlichen Klein-Klein kommt ihnen absurd vor und ist keine Option, die von ihnen in Erwägung gezogen wird.

In den anderen europäischen Ländern wächst die Zahl derer, die die Griechen wie ein Krebsgeschwür operativ entfernen wollen. Selbst wenn dies funktionieren würde, in welchem Zustand würde der Patient Europa zurück bleiben? Haben sich schon Metastasen in den anderen Euro-Staaten gebildet?

Der Prozess der Vereinigung lässt sich nicht mehr zurück drehen.

Dies gilt auf der wirtschaftlichen Ebene genau so wie auf der individuellen Ebene. Das Informationszeitalter fordert seinen Tribut ein und zwingt die Menschen zu einem neuen Umgang mit ihren mentalen Kapazitäten.

Aus diesem Grund ist Yoga und Meditation überall auf dem Vormarsch. Die Umstände der Überforderung lassen sich zumeist nicht abstellen. Aber durch die Vertiefung der eigenen Selbstwahrnehmung wird die Fähigkeit gestärkt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Yoga hilft dabei, sich von Stress und Negativität abzugrenzen.

Wir Europäer können die Vereinigungsprozesse vielleicht verlangsamen, aber nicht stoppen. Was in Griechenland passiert, hat direkte Auswirkungen auf uns in Deutschland. Vorwürfe an die Griechen helfen nicht weiter.

Es ist im Ergebnis nicht wichtig, wer was bezahlt oder ob Griechenland im Euro bleibt. Es wird sich die grundlegende Erkenntnis durchsetzen müssen, dass am Ende nur eine gemeinsame Zukunft möglich ist - ob nun mit einer gemeinsamen Währung oder ohne.

Der individuellen Abgrenzungsprozess im täglichen Miteinander ist nur möglich, wenn er aus einer neutralen Grundhaltung heraus geschieht. Sobald die Beziehung zu anderen Menschen emotional zwanghafte Tendenzen aufweisen, bricht die Abgrenzung zusammen.

Dies fühlt sich an wie eine mentale Vergiftung. Beim Yoga werden Techniken gelehrt, um immer dann, wenn es nötig ist, in einer neutralen Grundhaltung bleiben zu können.

Wir tun gut daran, uns dass zu gegenwärtigen wenn wir uns die gegenwärtigen europäischen Konflikte anschauen. Die Krise in Griechenland benötigt einen ruhigen Blickwinkel, ohne Vorwürfe und Selbstgerechtigkeit. Nur dann kann sie langfristig und solidarisch überwunden werden.


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