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08/07/2015 12:07 CEST | Aktualisiert 08/07/2016 07:12 CEST

Griechenland rockt!

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Die Griechen haben dem Druck der Märkte standgehalten und sich trotz aller Drohungen für ein Leben in Würde entschieden: Arm aber Sexy.

Gemacht. Viele Jahre haben die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt. Aber sein wir mal ehrlich: Wer will es ihnen verdenken? Träumen wir Deutschen nicht auch insgeheim von unserer Europa-Party? Oder noch schlimmer, sind wir vielleicht schon mitten drin, und merken es nicht? Deutschland, das Griechenland von morgen? Wer weiß, wer weiß.

Viele Menschen in Griechenland haben die Möglichkeiten genutzt, die ihnen das Euro-System geboten hat. Diejenigen. Die das System durchschaut haben, sind sogar reich geworden dabei - so wie unsere Börsianer. Und da alle profitierten, gab es keinen Anreiz, dieses System zu verändern - bis zur Schuldenkrise 2009. Da hatte dann irgendjemand doch etwas übertrieben. Irgendwann ist der Borgen eben überspannt.

Pech nur, dass die Rechnung dann kollektiv beglichen werden soll. In Griechenland sind 99 Prozent der Menschen von den vergangenen und zukünftigen Kürzungen betroffen. Die obersten ein Prozent hatten den meisten Durchblick und damit die größte Verantwortung. Sie zahlen - nichts. Ganz im Gegenteil, das Geld der wohlhabenden Griechen liegt sicher im europäischen Ausland, abgesichert durch die Währungsunion. Und aus irgendwelchen dunklen Gründen hat es nicht mal die Links-Rechts-Regierung in Griechenland geschafft, an dieses Geld heran zu kommen.

200 Milliarden Euro sollen es sein. Genug um die Schuldenprobleme Griechenlands mit einem Schlag zu beseitigen. Es könnte alles so einfach sein, oder? Es könnte, ja es könnte...

Jetzt werfen wir mal einen Blick in die Zukunft. Die Griechen haben mit ihrem Referendum die Spielregeln verändert. Sie werden wohl einen hohen Preis dafür zahlen müssen, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass sie uns allen damit einen großen Dienst erweisen. Euro oder Grexit, das sind die Spielchen der Banker, die sich an ihren Algorithmen erfreuen. Es geht um etwas anderes: 60 Prozent der wählenden Griechen lassen sich nicht länger von der Macht der Märkte und des Geldes erpressen. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen für ein System, dass die Welt in Verlierer und Gewinner aufteilt, nur weil sie am falschen Ende der Welt oder im falschen Viertel geboren werden.

Feiern wir die Euro-Party also noch etwas weiter. Das Geld kommt aus der Druckmaschine. Aber die Macht liegt in den Händen derer, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen.

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