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05/02/2017 11:47 CET | Aktualisiert 06/02/2018 06:12 CET

Der freie Geist benötigt Wohlstand

VisualCommunications via Getty Images

Der Ur-Konflikt zwischen Materie und Geist wird immer dann besonders deutlich, wenn versucht wird, das Geistige für materielle Bedürfnisse zu missbrauchen.

Eigentlich benötigt das Geistige das Materielle, um sich entwickeln zu können. So wie ein Kind bis zur Geburt den Mutterleib braucht, um sich entwickeln zu können, ist der Geist auf den Rahmen der materiellen Welt angewiesen. Beide wachsen im Idealfall geschützt und in Freiheit bis zu ihrer Reife heran. Der Geist sucht die Anbindung an das Materielle, bis er auf eigenen Beinen stehen kann.

Ist ein Wirtschaftssystem möglich, das auf der freien Entscheidung und Kooperation aller Beteiligten fußt, und damit die Entwicklung des individuellen Bewusstseins fördert?

Bis es soweit ist, wird der Konflikt zwischen den materiellen Zwang und der Freiheit des Geistes fortbestehen.

Hier spielen die wirtschaftlichen Bedingungen eine Schlüsselrolle. Sie sind so verfasst, dass die Menschen gezwungen werden, bestimmte Dinge zu tun. Aber jeglicher Zwang steht der geistigen Entwicklung im Wege.

Der freie Geist kann nur entstehen, wenn er sich von Manipulationen befreit. Aus diesem Grund hat die Entwicklung von Freiheit ihre Widersacher bei denjenigen, die vom System profitieren und nichts von ihrem Wohlstand teilen möchten. Sie bedienen sich bestimmter Konstrukte, um die Menschen, von denen sie profitieren, an Systeme zu binden.

Die Instrumentalisierung von Religionen ist eine Beispiel dafür. Die geistige Ausrichtung der Anhänger einer Religion wird dafür benutzt, um politische Ziele zu unterstützen, die letztendlich nur den materiellen Interessen einer bestimmten Gruppe dienen.

Das gleiche geschieht, wenn Weltanschauungen, oder kulturelle und nationale Konstrukte dazu benutzt werden, eine Gruppe zu formen, die allein aus dieser Gruppenzugehörigkeit heraus ein gemeinsame Interesse bekundet. Letztendlich dienen diese Zuschreibungen lediglich dem Zweck, subtile Machtverhältnisse und materielle Ungleichheit zu verschleiern.

Die betroffenen Menschen sollen sich zugehörig fühlen, ohne zu verstehen, dass sie damit ihre eigenen Entfaltungsmöglichkeiten beschränken. Sie werden Teil eines Systems, dass nicht in erster Linie ihren Interessen dient, sondern den Interessen anderer.

Um hier einen Ausgleich zu schaffen wurde die Demokratie eingeführt, die dazu dient, soziale Machtstrukturen durchlässiger zu machen. Das funktioniert, solange genug Menschen bereit sind, ihre eigene Einflussmöglichkeit zugunsten der Mehrheit einzuschränken.

Im Zuge der Entfaltung des Informationszeitalters und der individuellen Bewusstseinsentwicklung fühlen sich immer mehr Menschen immer weniger zugehörig. Viele hinterfragen die herrschende Ordnung. Dies provoziert Konflikte. Als Teil eines Kollektivs stellen diejenigen, die sich nicht ausreichend anpassen, eine Störung des geregelten Ablaufs dar.

Dabei wollen die Betroffenen oft gar keine grundlegende Veränderungen erreichen. Sie profitieren vielleicht selber von den wirtschaftlichen Bedingungen und stellen diese nicht in Frage. Alleine ihre innere Haltung der Unabhängigkeit und Freiheit ist aber ausreichend, um die bisherige Struktur in Frage zu stellen.

Genau dies ist der 68ger Generation passiert. Sie wollten sich innerlich befreien und mussten schließlich die Systemfrage stellen. Dies hat einen Konflikt provoziert, den die meisten gar nicht führen wollten. Aber sie hatten keine Wahl.

Dieser Konflikt wiederholt sich wieder und wieder, denn das Bedürfnis nach innerer Freiheit ist ein Wachstumsprozess, der sich nicht aufhalten lässt. Auf eine Generation der Wahrung der Besitzstände folgt eine Generation des Aufbruchs. Das passiert überall auf der Welt.

Um Bewusstsein zu unterdrücken, wird der Reichtum gehortet und Armut in kauf genommen. Personen werden aus dem Konstrukt der nationalen Identität ausgegrenzt. Flüchtlinge werden nicht mehr aufgenommen, und Personen das Bleiberecht (wie aktuell in den USA) oder gleich die Staatsbürgerschaft (wie aktuell in der Türkei) entzogen.

In Deutschland ist das nicht so ohne weiteres möglich. Staatsbürger können nicht ausgeschlossen werden. Flüchtlingen haben ein Recht aus Asyl. Aufgrund der Erfahrungen des 3. Reiches lässt das Grundgesetz in Deutschland hier keinen Spielraum.

Deutschland ist damit ein Land, dass auf der einen Seite eine Grundsicherheit gewährleistet, die Schutz bietet. Der freie Geist kann sich entwickeln, ohne dass die Gefahr besteht, ausgegrenzt zu werden. Also bleiben hier nur die Mechanismen des Kapitalismus, um einen Druck zu erzeugen, der oftmals die eigene Entwicklung deckelt.

Ein Beispiel für so einen Mechanismus ist die institutionelle Förderung von Bewusstseinstechniken wie Yoga. Solange Yoga der Effizienz der Arbeitsmaschine dient, ist es willkommen. Aber Yoga verbessert Symptome nur vorübergehend. Es ist eine Prävention-Methode. Seine Stärke liegt in dem kontinuierlichen Aufbau einer stabilen Gesundheit auf Basis des Energiesystems des Körpers. Es intensiviert das Körperbewusstsein, um Mechanismen zu erkennen.

Wenn krankmachende Gewohnheiten wie Arbeitssucht oder mangelnde Sensibilität Teil des Geldvermehrungssystems des Wirtschafts- und Finanzsystems sind, werden sie erbittert verteidigt, ohne Rücksicht auf die Probleme und Krankheiten derjenigen, die den Wohlstand erarbeiten müssen.

Dies wird auch in vielen anderen Bereichen der Gesundheitspolitik deutlich.

Eindeutig wirkungsvolle sanfte Medizin wie Homöopathie oder Akupunktur wird oftmals als „unwissenschaftlich" diffamiert. Zum Glück lässt sich der Vormarsch dieser Methoden trotzdem nicht aufhalten. Aber sie müssen sich ihren Platz im Gesundheitssystem mühevoll erkämpfen.

Demokratische Strukturen ebnen den Weg für den freien Geist. Sie weichen die Macht der unbeweglichen Profiteure auf und bringen Bewegung in verkrustete Strukturen, die krank machen und nicht mehr Zeitgemäß sind.

Durch entsprechende Anreize kann die Politik ein Wirtschaftssystem auf den Weg bringen, dass weiterhin Wettbewerb und Leistung gewährleistet, aber der Entfaltung der nahezu unbegrenzten mentalen Kapazität aller Menschen nicht im Wege steht.

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