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11/06/2015 07:14 CEST | Aktualisiert 11/06/2016 07:12 CEST

Pro- und Contra Organspende - Das sollten Sie wissen! (Teil 1)

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„Ich will ja gar nicht, dass jeder 'Ja' sagt, sondern ich will nur, dass jeder überhaupt etwas sagt. Ich habe in all meinen Interviews immer betont, dass ich als Botschafter der DSO nicht erwarte, dass alle laut brüllen: 'Hurra, ich will!' - nur, dass sie einfach sagen, was sie wollen: 'Ja' oder 'Nein'. Und das ist doch wirklich nicht zuviel verlangt."

(Roland Kaiser, Botschafter der Deutschen Stiftung Organtransplantation, DSO im Interview mit der Autorin, 18.05.15)

Beim Thema Organspende scheiden sich die Geister. In den letzten Jahren wurde viel darüber diskutiert, ob der Hirntod wirklich das Leben beendet, und selbst die Mitglieder des Ethikrates sind sich darin uneins.

Hinzu kamen einige Skandale, die das Vertrauen in die Transplantationsmedizin nachhaltig erschüttert haben. Ob man sich nun für oder gegen eine Organspende entscheidet, bleibt wohl eine Gewissensfrage, die einem niemand abnehmen kann.

Einerseits ist uns bewusst, dass eine Organspende Leben retten kann, andererseits bleiben durchaus berechtigte Zweifel: Werden mich die Ärzte auch mit einem „Ja" auf dem Organspende-Ausweis im medizinischen Notfall optimal versorgen? Ist mit dem Hirntod wirklich das Leben beendet?

Wird man als Spender tatsächlich nichts von der Organentnahme mitbekommen und keine Schmerzen verspüren? Wird der natürliche Sterbeprozess möglicherweise durch die Organentnahme unterbrochen? Und welche Folgen hätte dies möglicherweise für den Spender?

Trotz der vielen Fragen, die eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende mit sich bringt, bleibt ein „Ja" oder „Nein" auf dem Organspende-Ausweis doch alternativlos, wollen wir nicht unsere Hinterbliebenen dazu zwingen, im Falle unseres Todes eine Entscheidung zu treffen, die für uns selbst zu Lebzeiten so kompliziert und unmöglich erschien, dass wir sie nicht treffen wollten oder nicht treffen konnten.

Denn Tatsache ist, dass sich kaum jemand vor seinem Tod mit dem Thema "Organspende" auseinandersetzt. In neun von zehn Fällen müssen Angehörige über ein „Ja" oder „Nein" entscheiden - und das in einer emotionalen Ausnahmesituation, die ihnen alles abverlangt; einer Situation, in der ihnen ganz gewiss nicht den Kopf danach steht, rational das Für und Wider abzuwägen.

Und so wird diese letzte Entscheidung zu einer emotionalen Bauch(weh)entscheidung - in der die meisten Angehörigen mutmaßen, was wohl der Wille ihres geliebten Menschen gewesen sein könnte.

Dabei sind ihre Gründe, eine Organspende abzulehnen, vielfältig: Sie reichen von einer angenommenen ablehnenden Einstellung des Verstorbenen gegenüber einer Organspende, einer nichterzielten Einigung unter den Angehörigen, religiösen Gründen bis hin zum befürchteten Missbrauch (Organhandel).

In dieser Infokampagne, die wir gemeinsam mit dem Verein „Herzenswünsche e. V." durchführen, geht es uns ganz und gar nicht darum, Menschen zu einer Entscheidung zu drängen, etwa damit sie bedingungslos "Ja" sagen. Das ist weder unsere Absicht noch Ziel der Kampagne.

Wir wollen vielmehr, dass Menschen in die Lage versetzt werden, nach Abwägung aller relevanten "Pros" und "Contras" eine eigene Entscheidung zu treffen. Deshalb werden ein Transplantationsmediziner und ein Theologe diese Punkte ausführlich beleuchten. Aber auch Angehörige werden zu Wort kommen, die mit eben einer solchen Entscheidung konfrontiert waren.

Doch ganz egal, wie viele Informationen wir auch haben: Letztendlich ist und bleibt es eine Gewissensentscheidung, die jeder - auf Basis seiner individuellen, auch ethischen, moralischen und religiösen Überzeugungen - treffen sollte und treffen muss.

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Foto: Sandra Maxeiner, Organspende-Ausweise Herzenswünsche e. V.

Unser Ziel ist es, zu erreichen, dass so viele Menschen wie möglich einen Organspende-Ausweis bei sich tragen - ganz egal, ob sie nun "Ja" oder "Nein" darauf ankreuzen.

Entscheidend ist, dass sie damit ihren Angehörigen die Bürde einer unmöglichen Entscheidung abnehmen, die sie nicht treffen wollen und - nach menschlichem Ermessen - gar nicht treffen können. Mit einem klaren "Ja" oder "Nein" des Betroffenen ist diese Entscheidung ein für alle Mal dokumentiert und lässt keinen Zweifel offen.

Mehr Infos auch unter: http://www.herzenswuensche.de/v2/Content-Organspendeausweis-item-8.html


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