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03/03/2015 06:08 CET | Aktualisiert 03/05/2015 07:12 CEST

5 Dinge, die ich im Job für mein Leben als Mutter gelernt habe

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Muttersein ist auch nur ein Job. Auf den kann man sich vorbereiten, nicht nur im Geburtsvorbereitungskurs. Nein, auch durch ihre bisherigen beruflichen Aufgaben hat Sandra Ketterer einiges für die Zeit mit ihren Zwillingen gelernt. Ob es gereicht hat, verrät sie hier.

Wenn Mutti nach Jahren zurück in den Job will, gerät sie schnell in Versuchung, mit ihren Soft Skills anzugeben. Sie betont, was sie durch ihr Leben mit Sohnemann oder Töchterchen gelernt hat. Aber man kann das auch gut und gerne umdrehen. Ich habe bis zur Geburt meiner Kinder mehrere Jahre Vollzeit gearbeitet und manche meiner dort erworbenen Fähigkeiten haben mich durchaus aufs Muttersein vorbereitet. Ist ja schließlich auch ein Job.

1. Einsatzbereit nach drei Stunden Schlaf

Durchwachte Nächte? Immer auf Zack sein mit nur drei Stunden Schlaf? Kann ich. Jahrelang habe ich in mehreren Redaktionen mit wechselnden Arbeitszeiten gearbeitet, bin montags und dienstags um drei Uhr morgens aufgestanden, mittwochs und donnerstags erst um 22 Uhr nach Hause gekommen und habe meine Kondition in Nachtschichten trainiert. Prima Voraussetzung für Nächte, die von schrillen Schreien unterbrochen werden, weil ein kleiner Nimmersatt Kohldampf hat.

2. Immer erreichbar

Ich bin Freie, also hat meine Arbeitswoche sieben Tage. Über die Arbeitszeiten mancher festangestellter Kollegen kann ich nur müde lachen. Freitags um eins macht jeder seins? Sehr witzig. Morgen Abend ins Kino gehen? Höhö. Also gute Voraussetzungen für spielwütige Zwerge, die nach Mama rufen. Morgens, mittags, abends, nachts. Montags, dienstags, mittwochs... Euch ist klar, wo das hingeht.

3. Nie, nie aufgeben

Klar, unerlässliche Fähigkeit in jedem Job. In meinem beispielsweise, wenn ich eine bestimmte Info brauche und sich partout kein Experte finden will, der sie mir geben kann. Nicht selten sind viele Telefonate nötig, um genau das herauszufinden, was ich wissen will. Und nicht immer will die Technik so wie ich. Bei meinen ersten Radioreportagen habe ich Stunden nur fürs Zusammensetzen der Töne gebraucht. Aufgegeben habe ich nie. (Naja, so gut wie.)

Perfekte Voraussetzung fürs Stillen. Mutter und Kind sind ja beide Anfänger und selten weiß der eine sofort, was der andere will. Einer meiner Söhne ist anfangs immer eingeschlafen, der zweite hat sich den Bauch so vollgeschlagen, dass ihm alles gleich wieder hochkam. Da hilft nur eins: Tief durchatmen und noch einmal versuchen. Irgendwann klappt es.

4. Eine eigene Meinung bilden - und durchsetzen

Ein Klassiker für den Journalistenberuf. Welche Quelle ist vertrauenswürdig, welcher der vielen Tipps ist der richtige? Ein Segen, wer das schon mal geübt hat. Denn als Neu-Mutti wird man zugeschüttet mit Informationen und gut gemeinten Tipps: zum Stillen, zur Flaschennahrung, zu Breien. Zu warmer Kleidung und solcher für kalte Tage. Zu Sport-, Sing- und Massagekursen, Medikamenten, Matratzen, Kinderwagen, Wiegen, Schlafen, Schreien - buchstäblich zu allem.

Von Krankenschwestern, Frauenärzten, Kinderärzten, Großmüttern, Großvätern, Onkels, Tanten, Freunden, Nachbarn und Lieschen Müller auf der Straße. Wer alles befolgen wollen würde, ginge unter. Denn nicht selten widersprechen sich die Ratgebenden, vor allem, wenn sie aus unterschiedlichen Generationen stammen.

5. Von 0 auf 100 in Sekunden

Wenn es oben im Bildschirm rot blinkt, weiß ich: Eilmeldung. Im Zweifel muss ich jetzt ganz fix eine Meldung verfassen und ins Studio rennen, um die Nachrichtensendung der kommenden Stunde zu aktualisieren. Eine Übung, die nicht verkehrt ist fürs Muttersein. Die Dringlichkeit einer Meldung zu erkennen, schult die Reflexe für Schreiattacken in der Nacht. Bauchschmerzen, verstopfte Nase oder allgemeiner Weltschmerz? Das gilt es herauszufinden und zwar so schnell wie möglich. Mutti will schließlich auch noch schlafen.

Reicht das als Vorbereitung? Leider nein.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich diese Eigenschaften jahrelang in meinem Job trainiert habe. Genauso wie den Umgang mit verschiedenen, mitunter schwierigen Führungskräften, schnelles Essen zwischen zwei Sendungen und das Bedienen von mehreren Auftraggebern, die unterschiedliches wollen. Hält flexibel, das auf jeden Fall.

Bereitet es einen ausreichend vor aufs Muttersein? No, never ever. Nichts, aber auch gar nichts kann einen auf die Panik vorbereiten, die man verspürt, wenn das (erste) eigene Kind plötzlich in den höchsten Tönen anfängt zu brüllen und nicht mehr aufhören will. Wenn man es mit Futter, Windeln wechseln und Bauchmassage probiert hat und es immer noch schreit, dass die Fensterscheiben bedrohlich zittern.

Nichts kann einen auf dieses Gefühl vorbereiten, wenn da jemand ist, der einen 24 Stunden am Tag beansprucht, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Auch wenn ich als Freie ständig um Aufträge bemüht bin und sein muss, kann ich doch manches ablehnen. Ich kann abends den Computer und das Handy ausschalten, am Wochenende wegfahren. Ein Kind lässt sich aber nicht ausschalten und auch nicht einfach in eine Katzenpension geben.

Eine amerikanische Firma hat die Arbeit einer Mutter vergangenes Jahr einmal als den härtesten Job der Welt bezeichnet:

Die Firma hat recht.

Ich bewältige den Job trotzdem. Und bereue es nicht.

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2014-03-14-bizzmissquadrat2.jpgDieser Artikel erschien zuerst auf BizzMiss - dem Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance. Einmal wöchentlich erscheint der Newsletter mit den interessantesten Lesetipps der Woche.


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