BLOG
25/12/2015 03:29 CET | Aktualisiert 25/12/2016 06:12 CET

Mein Mann wollte ein Baby. Jetzt bin ich schwanger und er will doch keine Kinder

Thinkstock.com

Die Leserin WTF schreibt:

Ich bin in der vierten Woche schwanger und ich habe drei Monate lang versucht, schwanger zu werden, weshalb ich mich jetzt total freue, dass es so schnell geklappt hat. Wir wollen es erst nach dem ersten Ultraschall Familie und Freunden erzählen.

Als wir versuchten, schwanger zu werden, wirkte mein Mann noch enthusiastisch. Er stimmte mir zu, dass man Elternsein durch Ausprobieren lernt, er lachte und scherzte zusammen mit mir herum, weil ich plötzlich so versessen aufs Babymachen war.

Er machte Entrümpelungspläne mit mir, um Platz im Haus zu schaffen, er redete von Ersparnissen/Finanzen, Beförderungen etc.

Als ich dann den Test machte, umarmte er mich und gratulierte mir. Doch da sagte er zum letzten Mal etwas Nettes dazu.

Seither hat er schon drei Mal gesagt: „Ich will keine Kinder", was mir das Herz bricht. Ich habe gekämpft, geweint und ihn dazu gezwungen, sich dafür zu entschuldigen, dass er so etwas zu seiner schwangeren Frau sagt. Das hat er auch.

Und trotzdem tut es weh zu wissen, dass er nicht wirklich überzeugt ist. Ist das normal? Ist er einfach nur nervös? Hat er Angst vor der Verantwortung? (Er ist nämlich noch dazu ein introvertierter Mensch.)

Wie kann ich ihm richtig klar machen, dass diese Aussage das wahrscheinlich Verletzendste ist, was er zu einer Frau sagen kann, die gerade SEIN Kind bekommt? Wenn ich ihm das erkläre, sagt er: „Ich habe einfach nur meine Gefühle ausgesprochen."

Ich habe Angst, in diesem frühen Stadium eine Fehlgeburt zu bekommen, nur weil ich mir ständig den Kopf darüber zerbreche, ob er unser Baby später nie im Arm halten will. Was passiert, wenn er sich um nichts kümmert? Wenn ich wegen der Schwangerschaft nicht mehr viel im Haus machen kann?

Was passiert, wenn es Komplikationen gibt? Was passiert, wenn unsere Beziehung wegen eines Kindes, das ich mir so sehnlichst gewünscht habe, zerbricht?

Das alles soll sich nicht so anhören, als käme es von meinen Hormonen. Ich möchte wirklich wissen, ob Männer irgendwann zur Vernunft kommen oder ob Frauen ihre Schwangerschaft oft allein durchmachen?

Natürlich gibt es auch in meinem Freundes- und Familienkreis perfekte Väter, die zum ersten Arzttermin mitgehen, doch mein Mann bot nicht an, mitzugehen, obwohl ich ihm den Termin genannt hatte.

Andere Väter ließen sich zur Ankündigung der Geburt etwas Kreatives einfallen, doch mein Mann stimmte meiner Idee ohne wirkliche Begeisterung einfach zu. Und er war sauer, als ich es meiner besten Freundin erzählte.

Erwarte ich zu viel? Ich finde, ein Kind zu bekommen ist eine gemeinsame Entscheidung ... und wir haben vorher darüber geredet und ich dachte, dass er es auch will, warum bekommt er dann plötzlich kalte Füße?

Ich meine, warum hast er kein Kondom verwendet, wenn er sowieso kein Kind mit mir zeugen wollte? Es ist, als hätte er es damals gewollt und jetzt, da Gott uns ein Baby schenkt, will er einen Rückzieher machen.

pregnant-193850_960_720

Liebe WTF,

ich verstehe dich total. Dein Mann verhält sich wirklich unmöglich. Doch lassen wir mal den Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten" gelten. Ich nehme an, dein Mann ist Ende 20 oder Anfang 30.

Die meisten seiner Freunde haben noch keine Kinder, und diejenigen, die schon welche haben, wirken erschöpft und eingesperrt. Sie feiern nicht mehr wie Rockstars die Nächte durch. Stattdessen müssen sie babysitten.

Als ihr aufgehört habt, zu verhüten, hat dein Mann seine Zweifel beiseite gelegt und sich von deinem Enthusiasmus mitreißen lassen. Doch jetzt bist du schwanger und all seine Unsicherheiten und Zweifel tauchen wieder auf.

Pech für deinen Ehemann, aber es ist zu spät, um eine Entscheidung zu treffen. Eure Entscheidung ist gefallen und das Baby wächst rasend schnell. Bald ist es so groß wie eine Kiwi, dann wie eine Honigmelone, oder mit welcher Frucht auch immer BabyCenter euren Fötus in den regelmäßigen Emailbenachrichtigungen vergleicht.

Er kann nicht ständig sagen, dass er keine Kinder will, obwohl du schon schwanger bist.

Manche sagen, dass eine Mutter zur Mutter wird, sobald sie erfährt, dass sie schwanger ist, doch dass ein Mann erst dann zum Vater wird, wenn er das Baby zum ersten Mal sieht. Meiner Meinung nach trifft das im Allgemeinen sehr häufig zu.

Es fühlt sich für ihn nicht so real an wie für dich. Doch sobald er das Baby sieht, liebt er es normalerweise auch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann, der dich bisher immer gut und liebevoll behandelt hat, ein abweisender und kalter Vater wird, ist gering.

Doch offensichtlich muss er sich erst mit dem Gedanken anfreunden, dass er ein Kind bekommt, dass er in Zukunft nicht mehr sorg- und kinderlos durchs Leben gehen kann und dass du zunehmen und ständig weinen wirst und dass du danach ein Jahr lang stillen musst und du in dieser Zeit überhaupt keine Lust auf Sex haben wirst. Das solltest du ihm jetzt besser noch nicht erzählen.

Du könntest deinem Mann zum Beispiel Folgendes sagen:

„Ich bin ziemlich verwirrt und fühle mich einsam. Ich dachte, wir wollten beide ein Baby, wir hatten tollen Sex, wir waren glücklich, freuten uns und scherzten miteinander, doch sobald ich schwanger wurde, sagtest du auf einmal Dinge wie: „Ich will keine Kinder." Das macht mir Angst und trifft mich völlig unvorbereitet."

„Willst du, dass ich dieses Baby nicht bekomme? Wenn du mich und unser Kind wirklich verlassen willst, oder wenn du zwar bleibst, aber unserem Kind einen Vorwurf daraus machst, dass es geboren wurde, dann will ich, dass du mir das jetzt ehrlich sagst, damit ich mir überlegen kann, was ich mache.

Andernfalls vertraue ich darauf, dass du ein toller Vater sein wirst, sobald du unser Baby siehst, doch ich brauche dich jetzt an meiner Seite und du musst mich in der Schwangerschaft unterstützen. Kannst du bitte deine Termine umplanen und mich zu ein paar Arztbesuchen begleiten, einschließlich dem, bei dem wir den Herzschlag hören?"

Natürlich nicht alles auf einmal, doch das sind die wichtigsten Aussagen, die du ihm übermitteln solltest.

Versuche auch seine Gefühle zu verstehen, und auch wenn du es nicht willst, solltest du dir klarmachen, dass ein Baby zu bekommen nicht immer nur toll ist. Dass es dein und sein Leben komplett auf den Kopf stellen wird und nicht nur im positiven Sinn und dass die Veränderungen, die ein Baby in euer Leben bringt, auch dich unsicher und ängstlich machen.

In solchen Situationen polarisieren Paare sich manchmal, was bedeutet, dass beide in unterschiedliche Richtungen hin extremer werden, als sie es eigentlich wollen. Er sagt zum Beispiel Dinge wie: „Ich will dieses Baby gar nicht, es zerstört unser Leben" und du sagst Dinge wie: „Ich freue mich voll und ganz auf das Baby und unser Leben wird durch die Geburt eines wundervollen Babys nur noch besser werden und wer zwiespältige Gefühle hat, wenn er ein Kind bekommt, ist ein Monster."

Das ist jetzt übertrieben aber du verstehst bestimmt, was ich meine. Wenn du auch deine eigenen Ängste und sogar Zweifel hinsichtlich der Schwangerschaft zum Ausdruck bringst, fühlt er sich vielleicht besser verstanden und wird dich auch mehr unterstützen.

Viel Glück und halte mich auf dem Laufenden. Bis bald und liebe Grüße,

Deine "The Blogapist", die sagt: „Mein Mann war sich gar nicht sicher, ob er noch ein drittes Kind will und jetzt liebt er ihn."

20151206_075124

Dieser Blog erschien ursprünglich bei Dr. Psych Mom. Folgen Sie Dr. Samantha Rodman bei Facebook und Twitter @DrPsychMom.

Er erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.