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27/12/2016 09:48 CET | Aktualisiert 28/12/2017 06:12 CET

5 Gründe, warum Mütter sich selber runtermachen - und wie man damit umgeht

Oliver Rossi via Getty Images

Als Therapeutin und Mutter höre ich von Freundinnen und weiblichen Patienten ständig Aussagen, in denen sie sich selbst runtermachen. Und leider versuchen wir viel zu oft, die Ernsthaftigkeit dieses Problems mit Humor zu überspielen.

Außerdem haben viele Frauen das Gefühl, keinen guten Job als Mutter oder Ehefrau zu machen. Sie fühlen sich wie Versager und beklagen, dass sie es nicht jedem Recht machen können.

Man verlangt Frauen sehr viel ab

Mir selbst geht es manchmal auch so. Unsere Kultur verlangt Frauen so einiges ab: In der Öffentlichkeit erwartet man, dass wir uns besonders damenhaft und weiblich verhalten, während wir im Bett echte Raubkatzen sein sollen. Oh, und viele Frauen sind auch noch dabei, sich beruflich zu verwirklichen, sich gesund zu ernähren and heiß auszusehen.

All das ist unmöglich umzusetzen und gleichzeitig der Grund, warum so viele Frauen an Stress und Unsicherheit leiden. Am Ende erklärt ihnen ihr Ehemann dann noch, sich zu beruhigen, was in ungefähr Null Prozent der Fälle funktioniert.

Hier sind also fünf Dinge, für die sich Mütter unnötigerweise selbst runtermachen und einige Vorschläge, wie man richtig mit ihnen umgeht.

1. "Ich unternehme nicht genügend 'bereichernde' Dinge mit meinem Kind"

Hier kannst du nachlesen, was Kinder wirklich brauchen - und dazu gehören nicht eine Million Projekte, wie backen oder ihnen 25 Bücher am Tag vorzulesen.

Vergiss nie: Die meisten Kinder gehen in den Kindergarten und alle Kinder besuchen die normale Schule (oder werden zu Hause unterrichtet). Was sie dort lernen, ist per Definition "bereichernd".

Mehr zum Thema: Jedes Mal, wenn du dich so verhältst, stirbt dein Kind innerlich ein wenig mehr

Die Zeit, die du mit deinen Kindern verbringst, kann für sie liebevoll und bedeutend sein, ohne dass du ihnen ständig etwas beibringen musst. In Wirklichkeit genießen es Kinder sogar mehr, wenn du mit ihnen "besondere Zeit" verbringst (kurze Zeitabschnitte, die bewirken sollen, dass die Beziehung zwischen euch verstärkt wird), ohne sie zu belehren. Kinder hängen lieber einfach mit dir rum, als ständig irgendetwas erklärt zu bekommen.

2. "Ich verbringe nicht jede Sekunde damit, mein Kind zu erziehen"

Die Vorstellung einer Vollzeitmutter ist in unserer Welt neu. Genauso wie das englische Verb "to parent", was so viel bedeutet wie "ein Kind erziehen". Es ist eine westliche Idee, über die unsere Großeltern gelacht hätten.

Ich rede hier nicht von einem Elternteil, das die ganze Zeit zu Hause bleibt, sondern von jemandem, der sich auf die Erziehung seiner Kinder so konzentriert als ob es sein Vollzeitjob wäre und dabei seine Hobbies, seine Gesundheit, die Hausarbeit oder den Schlaf vernachlässigt.

Wenn Menschen sich auf diese Art und Weise auf ihre Kinder fokussieren, dann fangen sie an, Erziehung als einen Beruf wie Schweißer oder Arzt zu verstehen.

Das ist gefährlich, denn wenn man ein Schweißer ist, dann kann man stolz sein, auf das Produkt, das man kreiert hat. Wenn man ein Arzt ist, dann ist man erfolgreich, wenn man die Krankheit eines Menschen geheilt hat. Aber als Vater oder als Mutter, wie misst man da seinen Erfolg?

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An einem glückliches Kind? An einem erfolgreichen? Ein Kind ist auf keinen Fall ein Produkt und egal, wie viel Zeit man damit verbringt, sein Kind "richtig" zu erziehen, es gibt kein sicheres Ergebnis!

Lieber sollte man versuchen, sein Kind zu lieben und ein eigenes Privatleben aufrecht zu erhalten. Das führt zu weniger Schuldempfinden seinem Kind gegenüber und zu weniger Feindseligkeit gegen sich selbst.

3. "Ich habe nicht genügend Sex mit meinem Ehemann"

Ich bin ein großer Gegner davon, Sex als reinen Liebesaustausch zu verstehen. Ich ermutige Frauen sogar dazu, in Stimmung zu kommen, wenn sie es nicht sind, allein schon ihrer Ehe zuliebe.

Aber es gibt Phasen im Leben einer Frau, in denen man von Stress, Schlafmangel und Hausarbeit so überwältigt ist, dass man sich schlicht und einfach nicht sexy fühlt. Die Kinder wollen umsorgt und das Haus in Schuss gehalten werden.

Doch der Sex kann nach solchen Phasen auch wieder hervorragend werden. Man muss sich nur auch die Zeit geben, wieder auf die Beine zu kommen.

Mach dich nicht selbst fertig, nur weil dein Körper stressbedingt gerade nicht das nötige Cortisol produziert, um Lust zu bekommen. Allerdings kann ein minimaler Sexualtrieb auch ein Anzeichen dafür sein, dass dein Leben zu hektisch ist und du darüber nachdenken solltest, den Stress etwas zu drosseln. (Ein Therapeut kann dir dabei helfen.)

4. "Ich wohne nicht im perfekten Zuhause"

Weißt du, was die meisten Frauen denken, wenn sie das unaufgeräumte Haus einer potentiellen neuen Freundin sehen? "Gott sei Dank, sie wird mich nicht verurteilen."

Obwohl es natürlich Grenzen gibt und sich Kinder schämen, wenn ihr Haus verdreckt und unordentlich ist, gibt es eine riesiges Spektrum zwischen "dem perfekten Haus" und einem "Schweinestall".

Solltest du in einem schwierigen Elternhaus aufgewachsen sein und nicht wissen, wie man sich ein gemütliches Zuhause einrichtet, kann es sehr förderlich sein, wenn man anfängt zu lernen, wie genau das funktioniert.

Solltest du generell zu Unsicherheit neigen, wenn es um dein Zuhause geht, dann frag einen Freud, dem du vertraust, ob es bei dir "normal" aussieht. Dann musst du keine wertvollen Stunden deines Tages damit verschwenden, darüber nachzugrübeln.

5. "Ich habe keinen perfekten Körper"

Irgendwann in deinem Leben wird der Zeitpunkt kommen, an dem du dir keine Sorgen mehr machst, was für ein Gewicht du hast und du einfach versuchst, gesund und glücklich zu sein.

Der Großteil deines Körpers ist nun mal nicht perfekt und nach einer Geburt kannst du entweder versuchen, 20 verschiedene Spinning-Kurse pro Woche zu machen, oder du lässt dir selbst einfach mal wieder etwas Spielraum in Form von Entspannung (außer du liebst Spinning über alles).

Wenn du versuchst, deinen Körper für deinen Ehemann perfekt in Schuss zu halten, lass dir eine Sache gesagt sein: Ich kenne keinen Mann, der über den Körper seiner Frau so kritisch urteilt, wie die Frau selbst.

Mehr zum Thema: Nicht alle von uns bleiben mit der Liebe ihres Lebens zusammen - und das ist besser so

Fragen wie diese zeigen, dass Männer eine weniger strenge Auffassung davon haben, was es bedeutet "fett" oder "unattraktiv" zu sein.

Und weißt du was? Sollte dein Mann wirklich so penibel sein, wenn es um zwei oder drei Kilo geht, dann braucht er einen eigenen Therapeuten.

Uns Frauen wird immer gesagt, dass wir perfekt sein müssen, doch Perfektion ist nicht menschlich. Du kannst selber herausfinden, was mit dir passiert, wenn du dir in nur einen von den hier angesprochenen Bereichen etwas mehr Freiraum gönnst.

So wirst du eine bessere, glücklichere und selbstbewusstere Mutter und kannst deinen Kindern außerdem zeigen, dass ein gesundes Selbstbewusstsein essentiell und umsetzbar ist.

Bis wir uns wiedersehen, bleibe ich die Therapeutin, die sagt: Perfektion ist eine Illusion!

Dieser Beitrag erschien zuerst bei "DrPsychMom.com" und wurde von Julius Zimmer aus dem Englischen übersetzt.

Hier könnt ihr Samantha Rodman auf Twitter folgen.

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(lm)