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23/11/2015 07:06 CET | Aktualisiert 23/11/2016 06:12 CET

Warum es so wichtig ist, Komplimente zu machen

Markus Bernhard via Getty Images

"Ich finde es einfach albern, mit Komplimenten zu knausern. Wenn du jemanden siehst, den du irgendwie schön findest, warum sagst du es ihm dann nicht?"

Jill Scott

Mindestens dreimal die Woche spreche ich eine Wildfremde an und sage ihr, dass sie fantastisch aussieht. Egal, ob mich ihre Haarfarbe oder ihr Make-up begeistert, ihr Teint oder ihre Schuhe - ich meine es stets aufrichtig (ansonsten kann man sich das sparen!). Ich übertreibe nicht und trete auch niemandem zu nahe.

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Mir fällt etwas Positives auf, ich fasse es kurz in Worte und setze meinen Weg anschließend fort. Ich habe allen Ernstes darüber nachgedacht, kleine Kärtchen drucken zu lassen, auf denen steht: "Sie sehen fantastisch aus" oder: "Ich finde Ihren Look wirklich großartig" - einfach, um Zeit zu sparen.

Auch wenn mich manche sicherlich für verrückt halten (einige reagieren belustigt oder drehen sich suchend nach jemandem um, der das Kompliment eigentlich verdient hat), scheint sich die überwältigende Mehrheit doch sehr darüber zu freuen. Nur um mir nach einem kurzen Moment des Geschmeicheltseins zu sagen, dass ich mich täusche, dass der Ansatz dringend nachgefärbt werden muss, die Nacht wirklich sehr kurz war oder dass sie einen Pickel oder ein Herpesbläschen haben.

Damit wollen sie anscheinend sagen: "Nein, hören Sie, Sie irren sich, und zwar gewaltig: Ich bin alles andere als makellos!" Ich finde es traurig, dass Frauen so sehr darauf bestehen, Lob abzubiegen, oder glauben, es gar nicht erst zu verdienen. Komplimente sind wie Medizin: Gut möglich, dass Sie sie nicht (an)nehmen wollen, aber letzten Endes tun Sie Ihnen gut!

Natürlich verteile ich auch deshalb so gern Komplimente, weil ich selbst gern welche bekomme. Ich weiß, wie sehr es meine Laune hebt, wenn ein Wildfremder etwas sagt wie: "Cooles Tattoo!" oder: "Ihr Lippenstift sieht toll aus!"- vor allem, wenn es sich dabei um eine Frau handelt.

Einerseits, weil Geschlechtsgenossinnen sich mit Frisur oder Makeup in der Regel besser auskennen. Andererseits, weil sie es eher nicht tun, um an meine Telefonnummer zu kommen oder mich ins Bett zu kriegen. Sie haben keinen Grund, mir zu schmeicheln, sondern sind einfach nur aufrichtig.

In erster Linie mache ich jedoch deshalb Komplimente, weil es auch mir guttut, anderen ein gutes Gefühl zu geben. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie wirklich ehrlich gemeint sind. Die Leute wittern Schleimer meilenweit gegen den Wind, und genau aus diesem Grund werfe ich auch nicht mit Komplimenten um mich.

Sagen Sie Ihrer Freundin nicht, sie hätte abgenommen, wenn das nicht stimmt. (Eine Frau weiß nämlich genau, wann sie fett aussieht und wann nicht.) Und sagen Sie ihr auch nicht, wie toll ihre Frisur ist, wenn sie so aussieht wie Monica auf Barbados in "Friends". Jeder hat schöne und positive Seiten, also warten Sie, bis Sie wirklich ein echtes Kompliment machen können. Das tun

Sie am besten ganz direkt.

Sagt man dagegen Ihnen etwas Nettes, sollten Sie nicht gleich abwiegeln. Es ist unhöflich, ein Kompliment abzulehnen. Außerdem scheut sich derjenige, der es macht, anschließend vermutlich davor, weitere Komplimente zu machen. Lächeln Sie einfach, und bedanken Sie sich, nehmen Sie sich die Zeit, das Kompliment wirklich zu genießen. Und das nächste Mal, wenn Sie das Bedürfnis haben, jemandem ein Kompliment zu machen, geben Sie es weiter!

Unverzichtbares Feedback

Genauso wichtig wie Komplimente sind die Bemerkungen, die andere Frauen davon abhalten, scheiße auszusehen. Das bedeutet nicht, ihnen zu sagen, dass sie abnehmen müssen oder eine grauenvolle Frisur haben. Sondern ihnen freundlich, diskret und möglichst rasch die Möglichkeit zu geben, etwas in Ordnung zu bringen, bevor diejenige sich selbst im Spiegel sieht und am liebsten in Tränen ausbrechen würde. Dazu gehört:

"Sie haben Lippenstift an den Zähnen."

Das sieht doof aus und ist niemals Absicht. Hat eine Frau rote Zähne, bitten Sie sie, einen kurzen Blick in den Spiegel zu werfen. Sollte Ihnen so etwas auch öfter passieren, spiegeln Sie sich nach dem Essen am besten kurz in der Klinge Ihres Messers. Auf diese Weise sehen Sie sofort, wenn irgendwas nicht stimmt, und können unbemerkt Abhilfe schaffen.

"Sie haben da was zwischen den Zähnen."

Sie sollten andere stets darauf hinweisen, wenn sie Spinat oder Fleischfasern zwischen den Zähnen haben. Niemand will aussehen wie ein Höhlenmensch. Niemand will, dass die Umsitzenden einem nur noch wie hypnotisiert auf den Mund starren. Seien Sie solidarisch, und geben Sie Bescheid!

"Sie haben da Klopapier am Schuh."

Nach dem Besuch von grässlichen öffentlichen Toiletten kommt das durchaus vor. Bitte gehören Sie nicht zu den Frauen, die zulassen, dass andere einen Kometenschweif aus Klopapier hinter sich herziehen. Nehmen Sie die Betreffende diskret beiseite, und weisen Sie sie daraufhin. Oder aber Sie treten auf die unerwünschte Schleppe, damit seine unfreiwillige Trägerin entkommen kann.

"Ihre Wimperntusche ist verlaufen."

Am Ende einer langen Nacht passiert das den meisten Frauen. Wenn man sich mit Waschbäraugen auf der Damentoilette wiederfindet, ohne zu wissen, wie lange man so bereits herumgelaufen war, ist das einfach nur schrecklich. Es ist ein Gebot der Höflichkeit, darauf hinzuweisen, bevor es so weit kommen kann.

"Sie haben da einen Blutfleck am Rock."

Auch wenn Sie sonst nichts für Ihre Geschlechtsgenossinnen tun - das hier ist Pflicht! Die Natur kann manchmal extrem grausam sein, und manchmal schlägt die Periode unbemerkt zu. Sagen Sie der Betreffenden um Himmels willen Bescheid, und ersparen Sie es ihr, sich monatelang in Grund und Boden zu schämen. Wenn Sie besonders viele Karmapunkte sammeln wollen (und dafür gibt es wirklich einige), bieten Sie ihr Ihre Strickjacke an. Die kann sie sich dann um die Taille binden.

Dieser Beitrag basiert auf dem Buch "Echt schön", das am 9. November 2015 erschienen ist.

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Gebundenes Buch, Pappband, 416 Seiten, 15,0 x 20,5 cm

4-farbig, 45 Farb- und s/w-Fotos, Pappband veredelt, Lesebändchen

ISBN: 978-3-442-39292-6

Preis: € 19,99

Video: Netzvideoschau: Diese Komplimente für Brüste sind nicht das, was sie zu sein scheinen

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