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21/08/2015 15:18 CEST | Aktualisiert 21/08/2016 07:12 CEST

"Die Zeit" fordert Sachsen auf, aus Deutschland auszutreten - was für ein Schwachsinn!

Ein kluger Mann von der "Zeit" hat sich ein neues Wort ausgedacht. Wenn man bei der "Zeit" arbeitet, muss man doch sehr klug sein, denke ich mir.

Dieser Mann fordert den "Säxit". Soll heißen: Sachsen - raus aus Deutschland. Weil es dort soviel Hass und Extremismus gibt.

Als ich das gelesen habe, konnte ich es nicht glauben. Ausgerechnet "Die Zeit" will ein Bundesland ausschließen? Diese liberale, seriöse und intellektuelle Wochenzeitung, die für viele Deutsche eine moralische Instanz ist?

Der Autor Stefan Schirmer ist Mitarbeiter in der Dresdner Redaktion der "Zeit". Er schreibt in dem Artikel von Pegida, von Angriffen auf Flüchtlinge und vom wachsenden Rechtsextremismus. Sachsen sei das unsympathischste Bundesland. Er schreibt:

"Nun könnte man einwenden: Selbst in Freital oder Dresden leben hilfsbereite Menschen. Und politische Radikale und Herzenskälte gibt es überall. Ja, aber die Verhältnisse in Sachsen sind doch anders - greller, verrohter, gefährlicher."

Das ist die Stelle, an der ich mich fast an meiner Cola verschluckt hätte. Das kann doch nicht Ernst sein, liebe "Zeit"?

Natürlich ist Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland besonders groß, natürlich haben sich dort in den vergangenen Monaten ganz üble Dinge abgespielt. Unverzeihliche Dinge.

In Tröglitz brannte eine Asylunterkunft. In Freital brüllen Demonstranten rechte Parolen gegen Flüchtlinge.

Ich finde Ausländerhass ekelhaft. Man muss in aller Härte mit intoleranten Menschen abrechnen. Ich würde fremdenfeindliche Vollidioten niemals in Schutz nehmen.

Aber ich finde es auch falsch, alle Einwohner von Sachsen pauschal zu verurteilen. Alle Sachsen sollen für das bestraft werden, was eine Minderheit anrichtet? In Sachsen stimmt jeder Vierte ausländerfeindlichen Aussagen zu. Wer rechnen kann, weiß: Dreiviertel der Einwohner denken anders. Was ist mit diesen Menschen? Haben sie einfach Pech gehabt?

Der Schwachsinn geht noch weiter. Denn der Autor schreibt:

"Umgekehrt müssten die übrigen Deutschen sich nicht mehr dafür schämen, dass Sachsen so wenig Empathie zeigt, obwohl es selbst seit Jahren große Solidarität erfährt. Hätte es die Milliarden aus anderen Bundesländern nicht gegeben, wäre Sachsen nie auferstanden aus Ruinen."

Sorry, Herr Schirmer. Aber mit dieser Aussage bewegen Sie sich auf dem gleichen Niveau wie alle, die Flüchtlinge als undankbar beschimpfen. Oder mit den Idioten, die über Asylbewerber mit Smartphones und Markenkleidung lästern. "Die Zeit" meets "Netzplanet" sozusagen.

Sie rechnen vor, dass von 202 Angriffen auf Asylunterkünfte im ersten Halbjahr 2015 allein 42 in Sachsen passiert sind. Das ist ein hoher Anteil, das stimmt. Jeder einzelne ist einer zuviel.

Aber 42 Angriffe bedeuten nicht, dass unter den vier Millionen Sachsen plötzlich ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist.

Sachsen hat ein Problem, das wir nicht ignorieren sollten. Denn die Fremdenfeindlichkeit dort hat ihren Ursprung in der Perspektivlosigkeit, die viele Ostdeutsche quält. Aber es kann doch keine Lösung sein, diese Menschen zu isolieren. Das macht alles noch schlimmer.

Es ist ein verführerischer Gedanke, den Sie da hegen. Nichts ist einfacher, als das Problem der wachsenden Fremdenfeindlichkeit auf Sachsen abzuschieben. Das macht die Bedrohung kleiner, beherrschbarer. Schließlich sind es nur die da. Und nicht alle Deutschen.

Das ist ein Trugschluss. Denn auch in Bayern ist Ausländerhass weit verbreitet. Jeder Dritte unterstützt dort Thesen wie: "Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen."

Was ist mit Dortmund, einer der braunsten Städte Deutschlands? Was ist mit den starken Rechten in Aachen? Mit verfassungsfeindlichen Bewegungen wie Pro NRW?

Und wenn ich an die widerlichen E-Mails denke, die uns ein Neonazi aus Lübeck schickt, ahne ich, dass auch in Norddeutschland der Hass sitzt. Fremdenfeindlichkeit ist überall.

Denken Sie an all die Sachsen, die tolerant und weltoffen sind. Zum Beispiel die junge Dresdnerin, die bei Facebook einen Brief an die fremdenfeindlichen Menschen in Sachsen schrieb.

Es ist kein gutes Gefühl, verurteilt zu werden, nur weil man einer bestimmten Bevölkerungsgruppe angehört. Nicht für Flüchtlinge, nicht für Muslime und auch nicht für Sachsen.

Dieses Bundesland wird immer ein Teil von Deutschland bleiben. Und das ist genau richtig so.


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