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14/01/2016 10:33 CET | Aktualisiert 14/01/2017 06:12 CET

Wir werden gesteuert und ahnen nichts

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Der Mensch ist ein seltsames Wesen. Einst kroch er aus dem Urzeit-Schlamm, ein nacktes Geschöpf, das vollkommen hilflos wäre. Hätte es nicht seinen Verstand.

Das Geschöpf richtete sich auf, schuf den Buchdruck, die Medizin, den elektrischen Strom. Es kämpfte in Kriegen. Es baute die Trümmer danach wieder auf.

Und trotzdem macht es immer wieder den gleichen Fehler. Man kann ihm dabei zusehen, wie es mit dem Kopf gegen die Mauer prallt. Sich schüttelt, aufsteht und erneut losläuft.

Würde man die Jahrhunderte des Leids und der Zerstörung hintereinander abspielen, wäre es ein deprimierender Zeitraffer.

Es ist, als hätte der Mensch aus seiner Geschichte nichts gelernt. Denn jetzt, da unser Land vor einer historischen Bewährungsprobe steht, kennen wir nur eine Antwort: Hass.

Dabei sollten wir längst begriffen haben, dass Hass nichts bewirkt, nichts löst, nicht hilft. Hass wird zu Hass wird zu Hass wird zu Hass.

"Die Liebe ist einäugig, der Hass gänzlich blind", heißt es. Und es stimmt. Denn wer sich davor fürchtet, zu naiv durchs Leben zu gehen, sieht durch Hass keineswegs klarer. Im Gegenteil.

Jetzt prügeln wir also wieder aufeinander ein. Mit vor Wut gekrümmten Fäusten und zitternden Lippen. Was wir übersehen: Das größte Problem ist nicht der Konflikt selbst, sondern die Art, wie wir damit umgehen.

Wenn Hass helfen würde, wäre der Nahe Osten nicht seit knapp 60 Jahren ein Krisenherd. Wenn Hass helfen würde, hätte es nicht zwei Weltkriege gegeben. Wenn Hass helfen würde, wären nicht acht Millionen Flüchtlinge auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Es ist aber ein menschlicher Reflex, jetzt Schuldige zu suchen und Vorkehrungen zu treffen. Und das wird wiederum Hass bei jenen auslösen, die das Misstrauen trifft. Bis die Wogen der Wut immer höher schaukeln und am Ende alles verschlingen, was gut ist.

Und während der Mensch sich von seinen Gefühlen steuern lässt, freuen sich die Großen über seine Ahnungslosigkeit: Die Finanzmärkte, Parteien und Terror-Organisationen müssen nichts tun. Ihr Plan erfüllt sich von allein. Jeder Krieg, jede Schlacht, jeder Tote bringt Geld. Oder Macht. Oder beides.

Am Ende profitiert kein Mensch davon, jedenfalls keiner allein. Es ist das System, das sich vom Hass ernährt. Es frisst sich einen Wohlstandsbauch an und sitzt fett und bequem auf seinen Pfründen.

Wir haben eine Wahl. Wir können aufhören, uns herumschieben zu lassen wie Zinnfiguren in einem Strategiespiel. Wir können etwas anderes wählen als den Hass. Was das ist?

Das muss jeder für sich herausfinden. Für die einen ist es vielleicht die Vernunft: Logik, Fakten, Zahlen. Für die anderen sind es vielleicht Liebe, Glauben, Vertrauen. Alles bringt uns auf dem Weg weiter voran als der Hass.

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