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19/01/2016 11:45 CET | Aktualisiert 19/01/2017 06:12 CET

Der wahre Grund, warum manche Beziehungen funktionieren und andere nicht

by Andi Singer hexagonesun.tumblr.com via Getty Images

Diese Situation kennt ihr sicher alle: Ihr trefft jemanden, es macht klick, und dann ist es um euch geschehen.

Nach dieser Begegnung bekommst Du den Typen nicht mehr aus dem Kopf. Du versuchst, an etwas Anderes zu denken, aber nichts funktioniert. Jedes Detail des Treffens gehst Du im Kopf noch einmal durch. Was hat er gesagt, was hast Du gesagt, wie war seine Körpersprache? Du denkst an all das, was Du gerne gesagt hättest.

Ständig schaust Du auf dein Telefon. Hat er angerufen? Hat er eine SMS geschickt? Ist das der Fall, macht dein Magen einen Salto, dein Herz rast, Du möchtest aufspringen und vor Freude schreien. Und dann musst Du natürlich genau darüber nachdenken, was Du ihm antwortest. Die perfekte Antwort, die ihm beweist, dass ihr für einander bestimmt seid.

Der Höhenflug geht weiter, ihr geht eine Beziehung ein, alles wird intensiver. Du weißt nie genau, wo Du dich mit ihm befindest. Durch diese Unsicherheit bist Du ständig wachsam und angespannt, immer in Alarmbereitschaft, ob sich vielleicht irgendwo dunkle Wolken anbahnen.

Diese emotionale Achterbahn ist genauso anstrengend wie auch aufregend. Es hat dich gepackt. Das Schlimmste, das passieren könnte, wäre, dass er dich verlässt. Das ist eine Angst, die Du nicht vollkommen abschütteln kannst, ganz egal, wie vielversprechend alles scheint. Eine Angst, die dich und alles, was Du sagst und tust, steuert.

Und jetzt ein anderes Szenario.

Du lernst jemanden kennen. Du magst ihn, er ist charmant, ihr könnt euch gut unterhalten. Du gibst ihm deine Telefonnummer, und obwohl Du dich freust, willst Du nicht gleich übertreiben. Vielleicht schaust Du dir sein Facebook-Profil an, aber nur kurz.

Du freust dich, wenn er sich meldet, aber Du zählst nicht die Stunden, in denen Du nichts von ihm hörst. Ihr geht ein paar Mal aus, ohne Erwartungen, aber bald schon wächst dein Interesse, Du fühlst dich immer mehr zu ihm hingezogen. Es ist entspannt, kein Drama, kein Herzrasen, einfach schön.

Was meinst Du, welche Beziehung wird funktionieren?

Ganz instinktiv tippst Du auf das zweite Beispiel. Im wahren Leben aber wird es ablaufen wie im ersten Beispiel. Ganz einfach weil dieses Beispiel für alles steht, was uns jemals über die Liebe erzählt wurde.

In Filmen oder Liebesromanen ist die Liebe eine alles erschütternde Macht, die dich auf dramatische Art und Weise packt. Es gibt riesige Hindernisse, die überwunden werden müssen. Aber das ist in Ordnung, denn die Liebe überwindet jedes Hindernis!

Mal ehrlich, hätte sich irgendjemand für „Wie ein einziger Tag" begeistern können, wenn Ali und Noah den gleichen sozialen Status und ein paar ganz nette Dates gehabt hätten? Dann hätten sie sich nach und nach besser kennen gelernt und irgendwann wäre daraus eine feste Beziehung geworden. Wohl kaum.

Ungesunde Beziehungen beginnen mit einem Ruck.

Ich tue das nicht gerne, aber ich nehme den dramatischen Beziehungen, die dich in einen Strudel der Gefühle ziehen, jetzt alle Romantik. In den meisten Fällen fühlen wir uns zu jemandem hingezogen, weil wir einen Fehler aus der Vergangenheit wieder gutmachen wollen.

Wenn zum Beispiel deine Eltern dir immer das Gefühl gegeben haben, Du seist nicht gut genug, dann zieht es dich zu Männern, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, und die dich behandeln, als wärst Du ihre Liebe nicht wert. Es ist ein Versuch, die Gefühle aus der Vergangenheit wiedergutzumachen.

Wenn dein Vater stets sehr kritisch war, dann zieht es dich wahrscheinlich zu einem Mann, der ebenfalls sehr kritisch ist. Mit dem Versuch, seine Liebe zu gewinnen, versuchst Du, die verletzten Gefühle, entstanden durch die Zurückweisung deines Vaters, zu heilen.

Es sind keine bewussten Entscheidungen. Sie werden tief unter der Oberfläche getroffen, dort, wo wir keinen Zugriff haben. Lernen wir jemanden kennen, dann erfassen wir sofort jedes kleine Detail. Auch das geschieht unbewusst.

Bewusst nimmst Du die Dinge wahr, die er sagt. Unbewusst achtest Du auf seine Körpersprache, seinen Ton; darauf, wie er sich ausdrückt, ob er dir in die Augen schaut, seine Haltung. Wenn dein Unterbewusstsein in der Person etwas Bekanntes findet, etwas, das dich an eine nicht verheilte Wunde aus der Vergangenheit erinnert, dann lenkt es dich immer weiter in Richtung dieser Person (ein tolles Buch zu diesem Thema ist „So viel Liebe wie Du brauchst" von Harville Hendrix. Jeder sollte es lesen!).

Unbewusst suchst Du dir Partner, die über Eigenschaften verfügen, die bei dir selbst nicht sehr ausgeprägt sind. Wenn Du zum Beispiel ein Workaholic bist, der es eigentlich gerne ein bisschen ruhiger angehen lassen will, dann zieht es dich zu Partnern mit einer sehr entspannten Lebenseinstellung, die nicht so sehr auf Details achten. Dieses Beispiel spiegelt vielleicht nicht exakt deine Situation wider, aber sie beschreibt den Kern.

Ungesunde Beziehungen beginnen fast immer mit einem Ruck der Anziehung. Das Problem dabei ist, dass wir es nicht sofort als ungesund erkennen, weil uns stets eingetrichtert wurde, an Dinge wie die Liebe auf den ersten Blick zu glauben.

Wenn wir uns jetzt mal etwas von den psychologischen Faktoren wegbewegen, so möchte ich sagen, dass Verliebtheit allgemein etwas Gefährliches ist. Durch die Liebe stellst Du andere auf ein Podest, bist blind für ihre Fehler und Macken. Weil er so perfekt ist, hast Du Angst, Du selbst zu sein. Denn wie könnte dein wahres Ich jemals mit seiner Perfektion mithalten?

Du möchtest nichts Falsches sagen und ihn vertreiben, also bist Du in deinem Verhalten nicht ehrlich. Du verlässt Dich so verzweifelt auf seine Anerkennung, dass Du anhänglich wirst. Vielleicht verhältst Du dich nicht anhänglich, aber es lauert unter deiner Oberfläche und irgendwann springt er darauf an. So ist es immer.

Gesunde Beziehungen bauen sich langsam auf.

Eine gesunde Beziehung wiederum beginnt mit gegenseitigem Interesse und einer Anziehung, die mit der Zeit wächst. Wenn Du das verinnerlichst, wird sich dein Dating-Verhalten auf Dauer verändern.

Der beste Weg zu einer gesunden Beziehung ist es, die Dinge langsam angehen zu lassen. So wird eine Umgebung geschaffen, in der dein Interesse und deine Hingezogenheit mit der Zeit immer mehr wachsen können, und deine Gefühle dich nicht sofort wie ein Wirbelsturm mitreißen. Es ist schwer, in Beziehungen objektiv zu bleiben, grade für uns Frauen, wo wir doch von Natur aus dazu neigen, emotionaler zu sein.

Wenn Du deine ganze Zeit mit ihm verbringst, dann läufst Du Gefahr, besonders wichtige Informationen darüber, wer er wirklich ist und ob diese Beziehung eine Zukunft hat, zu übersehen. Nur weil Menschen viel für einander empfinden bedeutet das nicht, dass sie auch gut zusammen passen.

Es ist unerlässlich, dass man ein gemeinsames Fundament baut. Ziele und Interessen, die man teilt, gemeinsame Werte. Manche Dinge stehen einfach nicht zur Verhandlung. Es zahlt sich meistens aus, erst zu prüfen, ob ein gemeinsames Fundament entstehen kann, bevor man Gefühle investiert.

Und das tut man am besten, indem man es langsam angehen lässt. Wenn Du jemanden kennenlernst, dann möchtest Du jede Minute mit ihm verbringen. Ihr telefoniert stundenlang, schickt euch laufend Textnachrichten, ihr könnt einfach nicht genug von einander bekommen.

Das ist problematisch, denn so hängt dein ganzes Glück von deiner Beziehung ab. Außerdem gönnst Du dir so keine Pause von dem emotionalen Überschwang und der Aufregung. Wenn Du dann erkennst, dass der Typ vielleicht nicht der Richtige für dich ist, steckst Du schon zu tief drin, um dich aus eigener Kraft wieder aus dem Sumpf zu ziehen.

Stattdessen verlässt Du dich auf ein Klischee wie „die Liebe überwindet alles", nur um zu rechtfertigen, dass Du dich noch immer nicht von dem Kerl getrennt hast.

Die Lösung.

Ich will nicht sagen, dass Du dich von allen Männern, zu denen Du dich sofort stark hingezogen fühlst, fernhalten sollst und stattdessen nur jene datest, die auf den ersten Blick ziemlich langweilig erscheinen. Ich finde, Du solltest beide Arten von Männern daten. Der Heiße könnte sich als Niete entpuppen und der Langweiler ist plötzlich ein Hauptgewinn (so ist es schon tausendfach passiert!).

Wie auch immer, Du musst gewitzt und clever vorgehen. Und das ist bei dem Langweiler einfacher, als bei dem Mann, der dich um den Verstand bringt.

Wenn ihr noch ganz am Anfang steht, dann rate ich dazu, dass ihr euch ein-, zweimal die Woche seht, das reicht. Haltet auch eure Telefongespräche eher kurz, vielleicht eine Stunde, maximal eineinhalb Stunden. So lernst Du den Mann kennen und lässt dir gleichzeitig selber genug Raum um abzuwägen, ob er wirklich der Richtige ist.

So viele Frauen machen den Fehler, nur noch darüber nachzudenken, wie der Mann wohl über sie denkt, statt sich darüber Gedanken zu machen, wie es sich mit ihren eigenen Gefühle dem Mann gegenüber verhält.

Du kannst diese Falle vermeiden, indem Du regelmäßig einen Realitätstest durchführst. Achte darauf, dass Du ihn und die jeweilige Situation klar betrachtest. Das geht am besten, wenn Du auch auf seine Fehler achtest. Fallen Dir keine Fehler auf, steckst Du bereits zu tief in der Liebesfalle. Jeder Mensch hat Fehler.

Wenn es dich voll erwischt hat, dann glaubst Du vielleicht, dass es keine große Sache ist, dass Du lieber in der Stadt wohnen willst und es ihn aber aufs Land zieht. Jemand mit einem etwas objektiveren Blickwinkel erkennt aber, dass sie auf dem Land nicht glücklich wird und da er nicht bereit ist, einen Kompromiss einzugehen, zieht sie die Reißleine und trennt sich.

Ich habe viele Situationen beobachtet und auch selbst erlebt, in denen Paare sich nach langer Zeit trennen und das aus einem Grund, der von Anfang an offensichtlich war. Verschiedene Religionen, unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnort, der Kinderwunsch.

In jeder dieser Situationen waren die Paare davon überzeugt, dass sich die Probleme wie von Zauberhand schon irgendwann selbst lösen würden. Stell Dir nur mal vor, wie viel Zeit, Einsatz und Herzschmerz ihnen erspart geblieben wäre, wenn sie gleich zu Beginn schon auch ihren Kopf statt nur ihr Herz eingeschaltet hätten.

Ich sage es nochmal: Du kannst ihn nur dann ganz deutlich sehen und wahrnehmen, wenn Du dir selbst den Raum und die Zeit gibst, das verklärende Gefühlsgewirr zu durchkämmen, eine klare Sicht zu behalten und die Objektivität nicht zu verlieren.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Thought Catalog und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Sabrina Alexis ist Autorin von "10 Things Every Woman Needs to Know About Men". Ihr könnt es hier bei iBooks kaufen oder mehr ihrer Artikel bei Thought Catalog lesen.

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