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11/12/2016 10:52 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Strategisch Leben gestalten

Mitarbeiterbindung ist in aller Munde. Und es gibt unterschiedliche Konzepte dafür. Jedes Unternehmen ist unterschiedlich und so unterschiedlich sollten auch die Mitarbeiterbindungs-Programme sein. Ohne diese Programme, egal wie klein diese sind, wird es zukünftig nicht mehr gehen.

Die Demographie-Struktur lässt einerseits den Nachwuchs nicht mehr in der bisher gewohnten Anzahl einfach so aussuchen - die großen Player am Markt werden sich aber die Besten und die Talentiertesten immer holen. Wer auch im Kleinen mithalten mag, benötigt nicht große Programme, aber doch Themen, die junge Menschen, aber auch immer mehr ältere Mitarbeiter, ans Unternehmen binden.

Wenn meine Theorie eintreten wird, dass wir weit über das bisher gesetzte Renteneintrittsalter von 67 Jahren hinaus arbeiten werden, dann benötigt es smarte Ideen und Konzepte, die Lebenszeit = Lebens-Arbeits-Zeit gut gestalten lässt - jenseits einer Dauertretmühle.

Zuallererst ist Wert-Schätzung gegenüber den Mitarbeitern die richtige Haltung. Dann ist die Gesundheit von Mitarbeitern und deren Förderung wichtig - schon allein, weil nicht sicher ist, wie lange zukünftig Menschen arbeiten werden (müssen). Und als Wachstumspotenzial des Unternehmens sind die Potenziale der Mitarbeiter selbst Grundlage - das nenne ich Treasure Value.

Aus meinem Satellite-Core-Modell, das ich ursprünglich entwickelt habe, um Potenziale in ein Geschäftsmodell zu modellieren, kann genau diese Struktur auch auf Unternehmen übertragen werden - das Kernstück (Core) ist die Schatzkiste (Treasure), bestehend aus dem gesamten Potenzial (Satelliten) - in diesem Fall die Mitarbeiter.

Wollen also Unternehmen ihr Wachstum weiter ausbauen oder stark bleiben, können die unterschiedlichen Potenziale von Mitarbeitern zu einem großen Ganzen genutzt werden und somit auch ein über das übliche Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens hinausgehendes "Uniqueness Design" darstellen - eine Besonderheit, die Identifikation und Einzigartigkeit der Mitarbeiter des Unternehmens gleichermaßen bewirkt. Und Identifikation wird zunehmend wichtig - gerade auch bei Marketing-Maßnahmen: je weniger Mitarbeiter sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, umso weniger werden sie dies als "Markenbotschafter" nach Außen tragen.

Gefördertes Potenzial jedoch macht nicht nur dankbar, sondern auch wert-voller. Und stärkt die Einzigartigkeit des Unternehmens in seiner Gesamtheit. Das Kopiert-Werden durch Andere kann so viel besser vermieden werden.

  • Die Wertschätzung entsteht aus Haltung heraus.
  • Gesundheit muss strategisch ins Unternehmen eingebaut werden - ich plädiere für Bewegungsangebote und kreative Bereiche im Unternehmen - als kleine Pausen, die die normalen Handlungsfelder unterbrechen. Dieser Vorschlag ist für Büromitarbeiter gedacht - im Handwerk müssten ganz andere Denkansätze erfolgen. Und im Handwerk wird ohnehin das Szenario "Lebenslanges Arbeiten" nicht funktionieren oder zumindest mit einem vollkommen anderen Ansatz. Aber Gesundheitsförderung ist ohnehin, egal ob das Szenario Lebenslanges Arbeiten eintritt oder nicht, wichtig - die Überforderung vieler Mitarbeiter und das Arbeiten am Limit ist ohnehin kein Szenario, das einem Unternehmen wirklich zuträglich ist.
  • Potenziale
im Unternehmen zu fördern ist deshalb wichtig, weil viele Menschen unter- oder überfordert und an falschen Arbeitsplätzen tätig sind. Zugleich wäre Potenzialförderung im Unternehmen für das Unternehmen deshalb so wichtig, weil dann erst echte Leistung entsteht - und Identifikation. Oder aber, dass Mitarbeiter durch diese Potenzialförderung endlich gehen, weil sie ohnehin eine falsche Tätigkeit und das vielleicht sogar lustlos gemacht haben.

Für Gesundheit und Potenzialentfaltung gibt es einfache Lösungen, wenngleich diese nach wie vor nicht strategisch in vielen Unternehmen integriert sind: Bewegung und Kreativität als regelmäßige Pausen zwischendurch den Mitarbeitern anzubieten, die hauptsächlich am Computer arbeiten, wäre zwingend erforderlich.

Ständiges Arbeiten an Bildschirmen erschwert die sogenannte Neurogenese, das ist die Neubildung von Gehirnzellen. Die Neubildung von Gehirnzellen ist unter anderem gegen Stress sehr gut, insoweit also "entschleunigend" wirksam. Bewegung und Kreativität helfen dabei ganz besonders.

Sport also in das Unternehmen strategisch zu integrieren, hilft den Mitarbeitern in vielerlei Hinsicht: Bewegung hilft beim Lernen, für Konzentration, Depressionen lindernd, Demenz vorbeugend, einer schnelleren Informationsverarbeitung und Leitgeschwindigkeit im Gehirn, besseres Gedächtnis, Gemütsaufhellung, motivationsfördernd.

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Der Neurowissenschaftler Hans-Georg Kuhn von der Universität Göteborg hatte außerdem in einer Studie mit über 1 Million jungen Männern im Alter von 18 Jahren festgestellt, dass diejenigen, die in diesem Alter regelmäßig Sport und Bewegung hatten, im Alter weniger erkrankten, geistig fitter waren und weniger an Demenz erkrankten als diejenigen mit 18 Jahren, die keinen Sport machten.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bereits im jungen Alter geförderte Sportlichkeit die Fitness im Alter vorbereitet. Das Thema "Lebenslanges Arbeiten" und strategische Resilienz-Förderung durch Bewegung, Gesundheitsprävention im Unternehmen wird dadurch zu einem gut gestalteten Leben - es wird zu Lebens-Design. Was sich zunächst wie Luxus anhört, ist dringende Notwendigkeit.

Je länger wir arbeiten müssen oder wollen, umsomehr werden die Rahmenbedingungen von Arbeit neu gedacht und entsprechend gestaltet werden müssen. Ein reines Feelgood-Management oder das Training von Zeitmanagement wird alles andere als hilfreich sein, da es zukünftig vor allem darum gehen wird, Tätigkeiten rund um die Förderung der Neurogenese alltagstauglich in den Arbeitsalltag von Mitarbeitern zu integrieren.

So kann Stressbewältigung, aber auch höhere Kreativiäts- und Konzentrations-Leistung erhöht werden. Ich warne jedoch davor, ausschließlich in einem Optimierungs-Denken an die Sache heranzugehen: wer nicht die Haltung "Lebens-Design" und Fürsorge eingenommen hat, wird ein solches Konzept bei den Mitarbeitern nicht als positiv anerkannt bekommen.

Es geht hier vielmehr darum, aus der Dauer-Tretmühle des Dauer-Arbeitens herauszutreten, und durch regelmäßige Pausen, die einem vollkommen anderen Bereich (Bewegung, Kreativität) entsprechen, zu ergänzen.

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Sport & Bewegung, verbunden mit Kreativitätsförderung im Betrieb wird eine hervorragende Neurogenese gefördert - doch wie wirkt dies alles? Es entstehen laut Neurowissenschaften durch Bewegung, durch Tast-Sinn-Förderung (Hand-Werk, Be-Greifen) messbare biochemische Veränderungen im Gehirn: es entstehen neue Blutgefäße und im Hippocampus zusätzliche Nervenzellen. Neurotransmitter werden in größerer Zahl ausgeschüttet.

Nervenzellen stellen unterneinander neue Verbindungen her und dadurch entsteht schnellere Informationsverarbeitung, besseres Gedächtnis, höhere Konzentration und Gemütsaufhellung. Durch Abwechslung zwischen aktivem Tun und Pausen wird diese Wirkung erhöht (ora et labora ist nicht von ungefähr eine Methode, eingeführt durch den Gründer der Benediktiner-Klöster, dem Hl. Benedikt).

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Doch wir haben diese Wirkungen vergessen - anstatt diese positiven Wirkungen zu kennen, kennen wir nur noch Dauer-Hecheln. Andere Unternehmen haben dies längst in ihren Unternehmensprogrammen: Google, Facebook & Co. und viele Internetfirmen im Silicon Valley wissen seit langem um diese Wirkung einer höheren Effizienz und eines höheren Einfallreichtums bei den Mitarbeitern - sie haben einen hohen Anteil der Arbeitszeit für Bewegung, Pause und Kreativität angesetzt. D

araus entstehen offensichtlich die größten Innovationen im Unternehmen - aus jenen regenerativen Phasen, die der Neurogenese dienen. Wir sollten uns also langsam umstellen und umdenken. Ich habe nie anders gearbeitet. Für mich gehören seit jeher Pausen und kreatives Tun sowie Bewegung zu meiner Arbeitszeit. Deshalb bin ich Fan von Gestaltung von Lebensphasen - und eben nicht von Management von Lebensphasen. Sonst kommt der Mensch zu kurz.

Es geht meines Erachtens aber nur, wenn man diese "Module" Bewegung, Kreativität und Potenzialentfaltung strategisch in den Alltag und ins Unternehmen einbaut, also regelmäßig.

Auch aus diesem Grunde bin ich seit langem der Auffassung, dass Urlaub, Wellness-Wochenendend und Kurzseminare für Kreativität viel zu kurz greifen und nicht lang anhalten, wenn es um ein nachhaltiges Wohlbefinden gehen soll - schon allein aus dem Wissen der Neurowissenschaften heraus geht Wohlbefinden mit der Anregung für unsere Neurotransmitter vor allem durch regelmäßiges, alltagstaugliches Training und mit der richtigen Ernährung und Vitalstoffen.

Ich nenne das strategische Resilienz und strategische Innovation. Erneuerungsfähigkeit und Einfallsreichtum entstehen geradezu aus einem guten Zustand, nicht aus einem Stress-Zustand heraus, der durch monotones Arbeiten oder Dauer-Arbeiten dann auch zu Burnout führen kann.

Synonyme dafür sind mein "Glück ist Knäckebrot" - die Stressdiät - oder "Reduktion" und in dem Zusammenhang auch "Digital Detox" und "Natur" - alles hilfreiche Neurogenese-Stärker.

Dementsprechend ist es für Unternehmen wichtig, egal wie groß sie sind, Strategien zu entwickeln, anhand derer sie einerseits langfristig Mitarbeiter an ihr Unternehmen binden wollen, und anhand derer sie andererseits ihre Mitarbeiter in ihrer Resilienz stärken.

Beides wird das Szenario "Lebenslanges Arbeiten" möglich machen - denn einerseits wird der Demographie-Falle mit entsprechenden Nachwuchs-Sorgen entkommen und andererseits wird durch entsprechende Gesundheitsförderung es möglich gemacht, dass Mitarbeiter auch nach ihrem 67. Lebensjahr arbeiten können. Dass für ein solches Szenario selbstverständlich vollkommen neue Arbeitskonzepte entwickelt werden müssen, sei es eine 10 - 25-Stunden-Woche oder freies Mitarbeiten nach Bedarf oder wie auch immer, versteht sich von selbst.

Das heute immer noch übliche 9-to-5-Arbeiten würde dann ohnehin nicht mehr funktionieren, wenn Arbeits-Zeit zu Lebens-Zeit wird.

Die Fragen, die sich Unternehmen stellen sollten:

  • Zukunft als Chance: mit welcher Strategie entkommt man der Demographiefalle
  • Wie werden Sie sexy für die Zukunft: Wie heben Sie sich mit einzigartigen Konzepten der Arbeitswelt von Ihren Mitbewerbern ab, um IHRE Mitarbeiter zu finden und zu binden?
  • Schaffen Sie eine Wohlfühlatmosphäre: welche neue, innovativen Wege fördern das Wohlbefinden und die Kreativität Ihrer Mitarbeiter
  • Querdenken mit Gefühl: wie finden Sie Ihre Talente und Potenziale und gestalten damit Ihre Zukunft
  • Bewährtes bewahren - quergedacht Innovatives ergänzen: ist Ihr Geschäftsmodell fit für die Zukunft?
  • Natur als Quelle: Ressourcen der Natur als wertvolle Impulse für eine einzigartige Unternehmens- und Mitarbeiterkultur nutzen - und Digitalem Overflow durch Digital Detox in der Natur begegnen
  • Betriebliche Altersvorsorge: Wie kann ein Konzept für Strategische Resilienz Ihren Mitarbeitern und Ihrem Unternehmen als ergänzende Betriebliche Altersvorsorge dienen?

Ich bin der Meinung, dass jedes Unternehmen und jede Unternehmensgröße ein Konzept für strategische Resilienz integrieren kann. Hier bedarf es nur dem eindeutigen Willen und einer Entscheidung dafür, ein solches Konzept zu integrieren. Je nach Unternehmen können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden.

Das vordergründig Teuerste dabei ist sicherlich, dass es dafür Arbeitszeit benötigt - sozusagen bezahlte Pausen. Aber dies wird sich langfristig mehr als bezahlt machen, denn der Vorteil liegt auf der Hand: Mitarbeiter, die im Unternehmen bleiben wollen und länger arbeiten wollen oder müssen, werden auch dann bleiben, wenn aus heutiger Sicht schon das Renteneintrittsalter erreicht ist - durch eine entsprechende Präventionsarbeit im Unternehmen und durch entsprechend gestaltete gesunde, auch neue Rahmenbedingungen wird somit Arbeit weiterhin Spaß machen und vor allem die Möglichkeit gegeben, die Rentenlücke zu schließen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der War for Talents nicht so teuer wird - weil Mitarbeiter, deren Unternehmen fürsorglich mit ihnen umgehen, sowohl gerne in ein solches Unternehmen gehen werden als auch gerne dort bleiben wollen.

Ein Grund, sich hier wirklich als Unternehmen Gedanken zu machen. Noch lange, bevor das eigentliche Szenario Wirklichkeit wird - das Szenario von Lebenslangem Arbeiten.

(c) Bildnachweis: Fotografie & Grafik Sabine Hauswirth

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