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14/10/2013 09:09 CEST | Aktualisiert 14/12/2013 06:12 CET

Möbel für Entscheidungsfreudige und Unentschiedene

Ambivalenz? Das klingt, sagen wir: facettenreich. Unentschieden aber auch. Leicht psycho irgendwie, nach latenter Schizophrenie. Was sollte das mit Möbeln zu tun haben? Beim gleichnamigen Berliner Design-Label nimmt man das spontane Naserümpfen gerne in Kauf und kassiert dafür im Gegenzug viel Aufmerksamkeit.

„Ambivalenz" bietet mit seinen Klappstühlen, Regalen und Garderoben multifunktionale Wohnaccessoires, die Platz sparen und vielseitig einsetzbar sind. Damit reagiert das Berliner Design-Label auf den Zeitgeist: Wohnraum wird immer knapper, die Ansprüche an Design und Komfort jedoch immer höher

Ambivalenz? Das klingt, sagen wir: facettenreich. Unentschieden aber auch. Leicht psycho irgendwie, nach latenter Schizophrenie. Was sollte das mit Möbeln zu tun haben? Beim gleichnamigen Berliner Design-Label nimmt man das spontane Naserümpfen gerne in Kauf und kassiert dafür im Gegenzug viel Aufmerksamkeit. „Unsere Möbel erlauben Ambivalenz", erklärt Inhaber Malte Grieb die Namenswahl des 2011 gegründeten Labels. Und wenn man sich die Klappstühle, Regale und Garderoben namens "Fläpps" und „Streips" anschaut, macht das auch alles einen Sinn.

Fläpps etwa ist ein hochwertiger Klappstuhl, der mit einem Griff zum ästhetischen Wohnaccessoire wird. Das mobile Sitzmöbel aus Birkenholz spart mit seiner extrem niedrigen Tiefe von nur 20 mm nicht nur enorm viel Platz, sondern kann durch seine besondere grafische Gestaltung einfach als Bild an die Wand gehängt oder gestellt werden. So muss der Klappstuhl bei Raumbedarf nicht in der Abstellkammer verschwinden, sondern wird als dekoratives Element gezielt eingesetzt. Ebenso flexibel sind die Fläpps-Wandregale, die Brett für Brett nur dem entsprechenden Bücherbedarf ausgeklappt werden. Der Rest: dekoriert.

Das passt auch in die Kategorien des Micro Living, unter den Architekten und Stadtplaner heute die Maßgaben für flexibles und komfortables Wohnen im Angesicht der weltweiten Neo-Urbanisierungen entwerfen. 2030 werden nach Prognosen der UN allein in Deutschland 80 Prozent der Einwohnern in Städten leben. Von wegen Landlust. Zu dieser Entwicklung passen die Möbel von Ambivalenz wie die sprichwörtliche Faust.

Die verschiedenen motivischen Variationen reichen vom schwarzweißen Op-Art-Stil bis zu farbintensiven Abstraktionen und werden motivisch permanent erweitert. Das Fachpublikum konnte den Stuhl erstmals auf der Kölner „Designers Fair" 2012 in Augenschein nehmen. Die Reaktionen seien dabei alles andere als ambivalent, sondern durchweg positiv gewesen.

Label-Gründer Malte Grieb ist kein ausgebildeter Designer und versteht sich auch nicht als solcher. Lange Zeit war sein einziger Kontakt zur Gestalterbranche eine Diplomarbeit zum Thema Marktforschung. Sein Berliner Label "entwickelt, realisiert und vermarktet ungewöhnliche Einrichtungsideen", erklärt er. Und dafür kann mit jedem Künstler, Handwerker oder Innenarchitekten zusammengearbeitet werden. Das Thema Ambivalenz passe als Brandzeichen außerdem gut in eine Zeit der schier unendlich scheinenden Wahlmöglichkeiten, so Grieb. Womit er nicht ganz Unrecht haben dürfte. Seine Möbel sind in jedem Fall etwas für Entscheidungsfreudige wie Unentschiedene.