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12/02/2016 03:43 CET | Aktualisiert 12/02/2017 06:12 CET

Was wir nicht mehr zu Vätern sagen sollten

Thomas Barwick via Getty Images

Neulich kam ich in der Warteschlange im Supermarkt mit einer netten Frau ins Gespräch.

(Denn wenn das Highlight deines Freitagabends das Stöbern in der Tiefkühlabteilung des Supermarkts ist, redest du mit jedem.)

Als ich eine Riesentüte Windeln auf das Kassenband legte, lächelte mich die nette Frau an.

„Kinder?", fragte sie grinsend.

„Ja, ein kleiner Junge", antwortete ich.

„Bei wem ist er denn gerade?", fragte sie.

„Ähm, er ist zu Hause, bei seinem Dad."

Ihr Grinsen wurde noch breiter.

„Ohhh...", sagte sie und sah mich mit dem Blick an.

Der sieht so aus:

Ich hab versucht, mir den Blick beizubringen.

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Aber am Ende passiert mir immer das:

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Dann ließ sie die Bombe platzen:

„Na, hoffentlich ist alles in Ordnung, wenn Sie nach Hause kommen."

Grins grins. Zwinker zwinker.

Ich musste mich zusammennehmen, um ihr nicht mit der Zucchini eins überzubraten.

Stattdessen nickte ich und lächelte gezwungen.

Da dämmerte es mir auf einmal:

Wir müssen aufhören, über Väter zu reden, als wären sie nur unfähige Gehilfen bei der Kindererziehung.

Ich muss mir dieses Zeug ständig anhören, und mein Mann auch.

Wie zum Beispiel damals im Park, als unser Sohn zwei verschiedene Schuhe und ein abgetragenes altes T-Shirt mit Essensflecken anhatte.

„Na, da hat dein Daddy dich wohl heute angezogen!", kam der gut gemeinte Kommentar aus dem Off.

Nur so nebenbei: Ich hab ihn angezogen. Und hab mich dabei furchtbar dämlich angestellt, wie üblich. Wenn sein Daddy ihn anzieht, sieht er aus wie ein Kindermodel aus einem Versandkatalog.

Wir müssen aufhören, über Väter zu reden, als wären sie nur unfähige Gehilfen bei der Kindererziehung

„Na, muss Daddy heute babysitten?"

Nein, er ist kein Babysitter.

Er ist ein Vater.

Er ist draußen im Garten, drückt einen Kuss aus das aufgeschürfte Knie, schmiert Sonnencreme auf ein winziges Näschen und verhindert gekonnt einen weiteren „Ich will keine Sonnencreme"- Ausraster.

Er sitzt auf der Toilette, während eine kleine Person ihm durch einen Spalt in der Tür zusieht.

Er baut Festungen, Bahnstationen und Rennstrecken.

Später wird er noch angetrockneten Käse vom Boden kratzen, winzige T-Shirts auf die Wäscheleine hängen, mit einem Textilerfrischer den Pipigeruch auf den Sofakissen übersprühen und Kacke aus der Badewanne schaufeln.

Er wird einen roten Ausschlag hinter den Ohren unseres Sohnes entdecken und „Tod durch roten Ausschlag hinter Ohren" googeln, bevor er zu dem Entschluss kommt, dass es ein fleischfressender Virus sein muss.

Er wird sich um unseren Sohn Sorgen und Gedanken machen - die ganze Zeit.

Er wird alles falsch machen, dann richtig, dann wieder falsch, dann wieder richtig.

Er wird mit seiner Partnerin (mir) darüber streiten, wer mit dem Windelnkaufen dran ist und wir werden uns beide fragen, warum wir mit dieser Babysache angefangen haben - und dann wird etwas Großartiges passieren.

Freude.

Unsere Herzen werden wieder voller Glücksgefühle sein.

Er wird (ohne zu zucken) dieselbe Geschichte über den Hasen Peter sechsmal hintereinander vorlesen und vier sich sträubende und windende Gliedmaßen in einen sauberen Pyjama hineinbugsieren.

Er wird neben seinem Bett sitzen und die Worte sagen, von denen er weiß, dass sie unserem Sohn beim Einschlafen helfen:

„Daddy ist hier."

Er wird hinuntergehen, um die Spielsachen aufzuräumen, sich mit einem Bier auf das Sofa legen und zwei Minuten später, wenn unser Sohn aufwacht und schreit, wieder aufstehen.

Und er wird es wieder und wieder tun, bis er das Biertrinken ganz aufgibt.

Er wird nachschauen, ob die Türen sicher verschlossen sind, und sich in das Zimmer unseres Sohnes schleichen, um noch einmal gute Nacht zu sagen, in dem Wissen, dass er in dieser Nacht vielleicht vier Stunden schlafen wird.

Auf dem Weg nach draußen wird er ins Kinderbettchen schauen und denken:

„Verdammt, mein Sohn ist wunderschön."

Und dann bin da noch ich. Die genau das Gleiche tut, jeden Tag.

Natürlich gibt es viele miserable Väter. Da bin ich mir sicher. Genauso gibt es massenhaft Rabenmütter.

Doch wir müssen die guten Väter in unsere Erziehungskultur einbinden.

Wir müssen uns nur all die lächelnden Gesichter von Müttern mit ihren Kindern in Zeitschriften, Filmen, in der Werbung und im Internet ansehen, um herauszufinden, in wessen Richtung das Erziehungspendel laut den Medien ausschlägt.

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Jap.

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Jap.

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Jap.

Hört euch nur mal die Sprache an, in der wir über Eltern reden, dann wisst ihr, auf wessen Seite die Punkte sind.

Seht euch nur an, wie viel Druck wir auf Mütter ausüben, die, „die ja dazu geboren sind, ein Kind zu erziehen". Die mit den Instinkten. Die, die wissen, wie es geht.

Sogar auf der Flasche, in der das Waschgel für unseren Sohn drin ist, steht „Mütter lieben es".

Was ist mit den Vätern?

Es ist leicht zu verstehen, warum sie oft „Babysitter" genannt werden.

Es ist leicht zu verstehen, warum Väter in den Geburtsvorbereitungskursen kaum erwähnt werden.

Es ist leicht zu verstehen, warum die guten Väter - die liebenden, sich kümmernden, mutigen, fähigen, treuen, die es instinktiv richtig machen - als trottelige Versager dargestellt werden.

Es ist leicht zu verstehen, warum es ein beliebtes Instagram-Hashtag mit dem Namen #daddyistdoof gibt, aber keines für Mütter. Denn wir machen ja keine doofen Sachen, richtig? (*hust*)

Es ist leicht zu verstehen, warum Leute beim Anblick eines Typen mit einem Baby im Arm dahinschmelzen, als wäre er eine Art Messias.

Es ist leicht zu verstehen, warum die meisten Väter bei der Geburt eines Kindes ungefähr fünf Tage Erziehungsurlaub (wenn überhaupt) bekommen.

Es ist leicht zu verstehen, warum niemand den Ausdruck „berufstätiger Vater" verwendet.

Und es ist leicht zu verstehen, warum Facebook diese Woche einen Riesentrend gestartet hat, indem es Mütter aus der ganzen Welt bat, ihre „5 Gründe, warum ich froh bin, Mutter zu sein", zu teilen. #silentvom

Für die wundervollen Väter hat man nichts übrig.

Gar nichts.

Weil sie sich wahrscheinlich alle an ihren Eiern kratzen und Fußball glotzen, oder?

Falsch.

Sie kratzen sich an ihren Eiern und glotzen die Teletubbies.

So ist das.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Carina Obster aus dem Englischen übersetzt.


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