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15/12/2016 10:55 CET | Aktualisiert 16/12/2017 06:12 CET

Vorsatz 2017: Im Notfall selbst bestimmen

Tetra Images via Getty Images

Mein Vorsatz für's neue Jahr: Endlich für den Fall der Fälle vorsorgen. Denn Vollmachten und Patientenverfügungen sind nicht nur etwas für alte Leute. Auch wir jungen Wilden sind nicht vor Krankheit und Unfall gefeit.

Ein guter Bekannter, nennen wir ihn Alexander, steigt freitagabends nach der Arbeit beschwingt ins Auto. Er freut sich auf ein Wochenende in der Heimat. Mit Freunden und Familie will er seinen neuen Job im Außendienst feiern. Doch 20 Kilometer vor der Autobahnausfahrt, stößt Alexander frontal mit einem Falschfahrer zusammen und wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sein Herz schlägt weiter, doch er wacht nicht auf.

Wer nichts regelt, hat kein Mitspracherecht

Seit vier Jahren liegt der junge Ingenieur inzwischen im Koma. Genauso lange schon kämpfen seine Eltern um das Betreuungsrecht. Denn es gibt weder eine Vorsorgevollmacht, noch eine Betreuungsverfügung.

„Anders als viele denken sind bei einem Unfall in jungen Jahren nicht automatisch Eltern oder Ehepartner betreuungs- und entscheidungsberechtigt", erklärt Generationenberater Markus Sobau. Stattdessen bestimmt das Gericht in vielen Fällen - auch in diesem - einen (fremden) Berufsbetreuer.

Vollmachten sind das A und O

Ein Szenario welches ich mir und meinen Lieben ersparen will. Der Finanzexperte rät mir daher zu einer Notfallakte. Dabei kann es sich sowohl um einen Ringordner im Wohnzimmerschrank handeln, als auch um eine digitale Sammlung wichtiger Dokumente.

Egal für welche Form ich mich entscheide, zu aller erst muss ich mich um Vollmachten kümmern. Diese bestimmen, wer im Ernstfall für mich - geschäftlich oder privat - entscheidet und wer über meine Vermögenswerte verfügt. „Denken Sie unbedingt an spezielle Kontovollmachten", warnt Sobau.

Denn viele Geldinstitute akzeptieren keine Generalvollmacht. „Banken haften für zu Unrecht ausgezahlte Beträge", erläutert er mir. Meist gibt es deshalb ein bankeigenes Dokument, das ich vor Ort unter Aufsicht eines Mitarbeiters unterschreiben muss. Ist dieses im Todesfall nicht vorhanden, sind meine Konten bis Erbfeststellung gesperrt.

Ich will entscheiden, wer mich pflegt

Weitere Must-Haves: Patienten- und Betreuungsverfügungen. In ersterer lege ich fest, unter welchen Umständen etwa lebensverlängernde Maßnahmen in Frage kommen. Während ich mithilfe der Betreuungsverfügung Wünsche äußern kann, wie ich im Fall einer kognitiven Einschränkung behandelt werden möchte.

Dazu gehören auch Vorschläge für mögliche Betreuungspersonen und deren Aufgabenspektrum. „Auch wenn Sie jemanden ausschließen möchten, kann das vermerkt werden", so Sobau.

Partner und Angehörige absichern

Bestenfalls liegt dann noch ein Testament im Notfallordner. Das kann entweder handgeschrieben oder notariell beurkundet sein. Die zweite Variante kostet Geld, ist dafür aber in Rechtssprache verfasst und lässt weniger Interpretationsspielraum.

„Die Bedeutung des Testaments wird oft unterschätzt", weiß Sobau. Und das obwohl heute drei Millionen deutsche Paare ohne Trauschein zusammenleben. Sollte ich morgen bei einem Skiunfall ums Leben kommen, geht mein Partner ohne Testament komplett leer aus.

Klarheit schlägt Bequemlichkeit

Vor lauter Horror-Szenarien brummt mir der Kopf. Noch nie habe ich mich so intensiv mit meiner eigenen Endlichkeit auseinandergesetzt. Kein Thema, das einem den Sonntagnachmittag versüßt. Es wundert mich nicht, dass die meisten Menschen Studien zufolge erst mit 67 Jahren Notfalldokumente sammeln.

Doch dann denke ich an Alexander und seine Familie. Mir wird klar, sollte mir etwas zustoßen, will ich meine Angehörigen nicht im Chaos zurücklassen. Ich will Klarheit schaffen und selbst entscheiden. Für mich ist das Freiheit. Die lass ich mir nicht nehmen, schon gar nicht vom Schicksal.

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