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09/09/2017 07:50 CEST | Aktualisiert 09/09/2017 07:51 CEST

Finanzielle Verantwortung muss man lernen - möglichst schon im Kindesalter

michellegibson via Getty Images

Kennen Sie das auch? Es ist ein Dauerthema in vielen Familien: die Frage um die Höhe des Taschengeldes. Auch wenn die Diskussion manchmal vielleicht nervt, so ist es doch wichtig, wenn die Kinder und Jugendlichen einen Teil ihrer Ausgaben selbst bestreiten können. Denn ob Klamotten, ein erstes Smartphone, der Kinobesuch oder Süßigkeiten - nur so lernt der Nachwuchs den Umgang mit dem eigenen Budget.

Viele Experten und Pädagogen betonen immer wieder, wie wichtig es ist, früh erste Erfahrungen im Umgang mit Geld zu machen. Dabei sollten sich Eltern - auch wenn es manchmal schwerfallen mag - zurückhalten. Denn es ist gerade die Idee des Taschengeldes, den Kindern Verantwortung zu übertragen - für die Frage, wie viel Geld sie ausgeben und für was sie es ausgeben oder ob sie es vielleicht besser für größere Anschaffungen ansparen. Denn es ist klar: Nur wenn die Kids selbst entscheiden, machen sie Fehler, aus denen sie lernen können.

Gerade das Taschengeld bedeutet eine gute Methode, sich Finanzwissen anzueignen, aber auch Alltagskompetenzen zu lernen, wie zum Beispiel Ausgaben zu planen, Entscheidungen zu treffen oder Prioritäten zu setzen. Ist beispielsweise das neue Smartphone wirklich unbedingt nötig, auch wenn man es sich dann nicht mehr leisten kann, für den Rest des Monats mit Freunden ins Kino oder zusammen Shoppen zu gehen?

Aus Kinder werden Kunden

Das Beispiel zeigt: Kinder und Jugendliche müssen eigene Erfahrungen sammeln - positive wie negative. Die Beschäftigung mit Geld und wirtschaftlichen Zusammenhängen kann man dabei nicht früh genug lernen. Aus Kindern werden Erwachsene, werden mündige Bürger, Arbeitnehmer, Unternehmer, Kunden, für die Kenntnisse von wirtschaftlichen Zusammenhängen immer mehr von Bedeutung werden.

Wichtiger als die genaue Summe des Taschengeldes ist es jedoch, wenn in der Familie selbstverständlich und offen über das Thema Geld gesprochen wird. Das Thema Finanzen sollte insgesamt im Elternhaus den Tabustatus verlieren. Gerade in diesen komplexen Zeiten ist ein erstes Verständnis beispielsweise über das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben, vom Zinseszinseffekt und vom Risiko bei der Geldanlage empfehlenswert.

Eltern sind die wichtigsten Vorbilder

Welche große Rolle die finanzielle Sozialisierung für das spätere Finanzverhalten spielt, hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) untersucht. Demnach haben die finanzielle Erziehung durch die Eltern sowie Kindheitserfahrungen mit Geld einen größeren Einfluss auf die finanzielle Bildung als beispielsweise die Schule. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass die Eltern ihren Kindern zeigen, wie der Umgang mit Geld funktioniert.

Finanzwissen hilft nicht nur später bei der Wahl der Geldanlage, es hilft auch die Folgen von Verschuldung zu verstehen, Verträge zu durchblicken und eine finanzielle Schieflage zu vermeiden. Und auch die immer komplexeren Finanzmärkte erfordern mehr Anlegerwissen - um Risiken einschätzen zu können, Fehler zu vermeiden und Renditechancen zu erhöhen.

Viele Menschen werden heute schon in jungen Jahren mit komplexen Finanzentscheidungen konfrontiert. Sie haben früh Zugang zu einem Bankkonto, nutzen einen Kredit und sind selbst zuständig für ihre Altersvorsorge. Nur Menschen mit ausreichendem Finanzwissen sind hier in der Lage, informierte Entscheidungen über ihr Spar- und Investitionsverhalten sowie eine Kreditaufnahme zu treffen.

OECD fordert mehr Finanzbildung

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, ruft immer wieder dazu auf, Finanzkenntnisse früh zu vermitteln. Die Finanzmärkte weltweit stünden Privatanlegern so offen wie noch nie, so die Begründung der Experten. Neue Produkte und Finanzdienstleistungen breiteten sich aus, zudem sei das Kredit- und Hypothekengeschäft mit Privatkunden, das bereits zur vergangenen Finanzkrise beigetragen habe, wieder auf dem Vormarsch. Gleichzeitig steigt aber die Verantwortung für die private Altersvorsorge.

Doch weil immer weniger Verbraucher sich in finanziellen Themen auskennen, begehen sie entsprechend große Fehler. Wer den Umgang mit Finanzangelegenheiten nicht gelernt hat, nimmt möglicherweise eher einen Kredit auf, legt weniger oder gar nichts fürs Alter zurück und bezahlt tendenziell höhere Gebühren für Finanzprodukte.

Wissen für die richtigen Fragen

Das Ziel muss es also sein, Finanzkenntnisse möglichst früh zu vermitteln. Es geht um Fragen, wie viel man sparen muss und in welchem Maße man - vor allem im Ruhestand - die Ersparnisse aufbrauchen kann. Gutes Finanzwissen hilft dabei, Entscheidungen zu allen Fragen rund um das Thema Geld selber zu treffen. Und nicht zuletzt ist die frühe und intensive Beschäftigung mit Finanzthemen eine wichtige Voraussetzung für Anleger, um später ihrem Finanzplaner die richtigen Fragen stellen zu können. Denn nur wer weiß, wie die Finanzmärkte funktionieren, was Inhaberschuldverschreibungen sind und wo versteckte Kosten bei Versicherungen lauern, der kann seinem Finanzplaner auf Augenhöhe begegnen.

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