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11/12/2016 07:16 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Mehr Vertrauenskultur wagen

VladSt via Getty Images

Beim Begriff „Vertrauenskultur" schwingt für viele Beteiligte in Unternehmen eine gewisse Naivität mit. Vertrauen? Wem? Dem? Dabei ist Vertrauen eine der wertvollsten und emotionalsten Substanzen zur Motivation. Doch wie Vertrauen aufbauen?

In dem beide Seiten - Führungskraft und Mitarbeiter im Schützengraben verharren- wird wenig passieren. Beide Parteien nicht aufgefordert Signale zu setzen. Dabei muss der Vorgesetzte etwas mehr in Vorleistung treten. Nur er kann mehr Verantwortung und Freiheit ermöglichen. Dies ist zwingend nötig damit dem raschen Wandel mit Kreativität, Innovationsfähigkeit und Zusammenhalt getrotzt wird. Schließlich geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in einer disruptiven Welt.

Gerade hierarchisch strukturierte Unternehmen fällt der Prozess des Umsteuerns von top-down - Anordnungen zugunsten auf Augenhöhe gelebter Zusammenarbeit schwer. Daher ist es auch nicht sinnvoll mit einem Hauruck eine Unternehmenskultur auf vertrauensbasierter Basis einzuführen. Es wirkt ebenso wenig glaubwürdig wie die mittlerweile häufiger anzutreffende Duz-Kampagne in deutschen Unternehmen.

Mehr Vertrauenskultur wagen beginnt - passend zur Ausgangskultur - in kleinen Schritten. Jeder kann dazu etwas beitragen. Allerdings sollte - weil stilbildend - die Geschäftsleitung mit deutlichen Duftnoten vorangehen.

Wie lässt sich somit Vertrauenskultur stärken?

1. Kleine Veränderungen erhöhen die Glaubwürdigkeit mehr als radikale Brüche. Das Gewähren von zunächst kleinen Freiheiten (die dann systematisch ausgebaut werden müssen) führt zu mehr Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Diese Autonomie stärkt den Mut und das Vertrauen der Arbeitnehmer. So schreibt der Personalchef von Google zu Recht:

„Je weniger Vertrauen Sie bisher an den Tag gelegt haben, desto bedeutsamer werden schon die kleinsten Gesten bei Ihren Angestellten ankommen" (Laszlo Bock: Work Rules. 2016. S. 316).

2. Gelebte Werte fördern Vertrauen und Loyalität. Gelebt! Am Beispiel des VW- Skandals lässt sich gut illustrieren wie ein Vertrauensverlust durch fehlerhaftes Auftreten verursacht wird.

3. It's the communication, stupid. Die Kommunikation ist ein wichtiger Eckpfeiler vertrauensorientierter Führung. Kommunikation umfasst dabei mehr als nur das gesprochene Wort. Persönlicher Kontakt ist unverzichtbar. Unnahbarkeit, Abgeschlossenheit oder emotionale Kälte widersprechen vertrauensorientierter Führung.

4. Der Dialog motiviert und kann Sinn stiften. Sinn ist eine der größten Antreiber. Mithilfe von Empathie Sinn vermitteln schafft Motivation und Vertrauen.

„Arbeit, die als sinnvoll erlebt wird, ist immer Arbeit für andere. Ein Betrieb, dessen Mitarbeiter nur miteinander und nicht füreinander arbeiten, wird deshalb langfristig scheitern, unterstreicht Reinhard K. Sprenger (Vertrauen führt. 2007. S. 152).

Mehr Vertrauenskultur wagen ist weder ein ideologischer Weckruf noch moralischer Appell.

Die Arbeitswelt und die Zusammenarbeit ein Stück zu verbessern und menschlicher zumachen ist ein schöner Beitrag. . Doch letztendlich ist es auch ein wichtiger ökonomischer Baustein zur strategischen Weiterentwicklung eines Unternehmens.

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