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04/01/2017 12:28 CET | Aktualisiert 05/01/2018 06:12 CET

Namibias Naturschützer sind empört: "China ist verantwortlich für die Elefantenwilderei"

joSon via Getty Images

40 NATURSCHUTZORGANISATIONEN SCHREIBEN EINEN OFFENEN BRIEF AN DEN CHINESISCHEN BOTSCHAFTER IN NAMIBIA.

Niemand wagte bisher laut zu sagen, dass vor allem China für die Wildereikrise in Afrika verantwortlich ist. Doch 40 Naturschutzorganisationen in Namibia trauen sich. In einem offenen Brief schreiben sie, was jeder Wildereifachmann in Afrika weiß: Chinesen sind die schlimmsten Elfenbein- und Nashornschmuggler und ihre Regierung trägt ein gerütteltes Maß an Mitschuld.

In einem offenen Brief vom 21. Dezember 2016 an den chinesischen Botschafter Xin Shunkang in Namibias Hauptstadt Windhoek geht die „Namibian Chamber of Environment" (NEC) im Namen von 40 namibischen Umweltorganisationen hart mit dem Reich der Mitte ins Gericht. 

Die Umweltkammer ist ein neu gegründeter Zusammenschluss von Naturschutzorganisationen in Namibia, einem Land, das Naturschutz und nachhaltige Nutzung seiner natürlichen Ressourcen sogar in der Verfassung verankert hat. Geschäftsführer der Kammer ist ein früherer Abteilungsleiter des namibischen Umweltministeriums.

Seitdem sich Chinesen in allen Teilen des Landes und allen Wirtschaftszweigen niedergelassen haben, sei die Wilderei in die Höhe geschossen, stellt der NEC fest. 

Sie seien die Hauptverantwortlichen für das Abschlachten von Nashörnern und Elefanten im Lande und für die illegale Ausfuhr des Horns und Elfenbeins. Überall dort, wo sie Straßen und andere Infrastruktur bauten, würden Wildtiere aller Art in den Kochtöpfen landen, darunter seltene und gefährdete.

Der verbotene Export von Schuppentieren gehe genauso auf ihre Rechnung wie der Vogelfang mit Netzen an den Brutplätzen und andere Formen der Wilderei. „Wir sind besorgt, dass einige chinesische Staatsbürger ganz offensichtlich Namibias Wildtiere, die Naturschutz- und Tierschutzgesetze und unsere Wertvorstellung völlig missachten", heißt es im Brief. „Namibias Management seiner Wildtiere gilt international als Beispiel für guten Naturschutz und nachhaltige Nutzung des Wildes. Wir machen das nicht, damit ein paar chinesische Staatsbürger oder sonst irgendjemand unsere Wildbestände plündert."

Man sei nicht fremdenfeindlich und behaupte auch nicht, dass jeder Chinese in Namibia schuldig sei. Ihre Beteiligung am Handel mit Elfenbein und Nashorn sei aber viel ernster und umfassender, als die chinesischen Behörden zugäben. Zwar kenne man in Namibia nicht alle Feinheiten des chinesischen politischen Systems, es sei aber ganz offensichtlich, dass dort der Staat die Auslandsaktivitäten seiner Bürger genauestens kontrolliere.

Ohne staatliches Mitwissen und vielleicht sogar Mitwirkung sei die Wildtier-Kriminalität nicht möglich. Behutsame Diplomatie hinter geschlossenen Türen habe keinerlei Wirkung gezeigt. Jetzt müsse die Empörung öffentlich werden, so der NEC auf seiner Website.

Die namibische Umweltkammer fordert auch Wiedergutmachung. Eine konservative Schätzung der durch Chinesen im Lande verursachten Schäden an der Natur liege bei 55 Millionen Euro.

Dabei sei noch nicht einmal die Hilfe aus dem Ausland zur Eindämmung der Wilderei mit eingerechnet. Eine Spende der chinesischen Geschäftswelt von 2.000 Euro unlängst zur Bekämpfung der Nashornwilderei in Namibia sei deshalb „nichts anderes als eine Beleidigung".

Seit Jahren ist Afrika Ziel einer chinesischen Export- und Wirtschaftsoffensive. Dabei richtet sich das Interesse vor allem auf die Ausbeutung von Bodenschätzen, neuerdings auch auf großflächige Landwirtschaft.

Auf die Umwelt wird dabei keinerlei Rücksicht genommen. Aus Tansania wurden beispielsweise in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast die gesamten Hartholzbestände des Landes illegal nach China exportiert. Die Zahl der Chinesen in Afrika wird inzwischen auf über eine Million geschätzt. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder aus vielen Teilen Afrikas berichtet, dass die Wilderei explodiert, sobald Chinesen sich niedergelassen haben.

In vielen Fällen sind chinesische Staatsbürger als Haupttäter hinter dem Schmuggel von Elfenbein und Nashornprodukten entlarvt und in seltenen Fällen auch verurteilt worden. In Tansania wurde eine Chinesin sogar als „Elfenbeinkönigin" bekannt, nachdem sie offenbar viele Jahre lang wertvolle Stoßzähne geschmuggelt hat.

AUCH EINHEIMISCHE TRAGEN VERANTWORTUNG

Natürlich ist die Verantwortung nicht allein bei den Staatsbürgern eines einzigen Landes zu suchen. Länder wie Vietnam oder Kambodscha spielen ebenfalls eine wichtige Rolle als Abnehmer- und Transitländer. Vor allem aber wäre die Wilderei ohne die vielen zehntausend einheimischen Helfer nicht möglich.

Das sind nicht nur die kleinen Wilderer in den Dörfern, die die Elefanten und Nashörner im Busch abschießen. Viele afrikanische Geschäftsleute, Beamte, Wildhüter und selbst führende Politiker sind in die Wilderei und den Schmuggel verwickelt.

Als zum Beispiel die Elefanten des Selous-Wildreservats in Tansania in wenigen Jahren von über 70.000 auf nur noch 13.000 Tiere heruntergewildert wurden, da wäre dies ohne ein kriminelles Komplott von führenden Beamten und Politikern nicht möglich gewesen. Für sie hat es sich gelohnt: Sie bekamen ihren Teil ab von den schätzungsweise 100 Millionen Euro Profit.

Erstaunlicherweise traut sich kaum jemand, die Beteiligung Chinas öffentlich zu machen. Stattdessen wird jede unbedeutende Absichtserklärung der chinesischen Regierung in Sachen Artenschutz wie ein großartiger Sieg für die Elefanten und Nashörner gefeiert. 

Ein Experte einer Anti-Korruptionsbehörde in einer afrikanischen Hauptstadt bringt die Wahrheit auf den Punkt: „Eine Parteidiktatur, die das Surfen ihrer Bürger im Internet kontrolliert, die könnte auch die Einfuhr von Elfenbein und Rhino-Horn unterbinden, wenn sie nur wollte."

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Outfox World.

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