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29/08/2015 19:20 CEST | Aktualisiert 29/08/2016 07:12 CEST

Googles Urknall: Vier mächtige, kleine Buchstaben

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Google bleibt Transformationsprimus!

"wwGd" (what would Google do) ist Schnee von gestern! Wir wissen es alle: vier verschiedene Buchstaben sind für den weltweit größten Internet-Konzern Google lange nicht mehr genug.

Ein Ur-Knall musste her! Das machten die beiden Gründer des Unternehmens, Larry Page und Sergey Brin, deutlich, als sie die laufende Umstrukturierung von Google konkretisierten:

Die Alphabet Inc. Holding- Gesellschaft soll die inzwischen immense Diversifikation der ehemaligen Suchmaschine mit Anzeigenhandel beheimaten, vermarkten und ein neues und frisches Bewusstsein der Firma transportieren. Der Gigant Google hat mittlerweile auch in vielen anderen Märkten Fahrt aufgenommen:

- Google Nest dient als Device der Smart Home Branche

- Google Plus als Soziales Netzwerk

- Google Wallet mischt die Finanzmärkte auf

- Und dann gibt es ja noch Google Glasses, Google Cars, Google Phones, Google NewsLab, Google Protect, Google Compare...den Rest könnte man Googeln.

Neue Marken, neue Märkte?

Und genau das ist der Grund für die Gründung der neuen Holding Alphabet Inc. Google ist und bleibt DIE SUCHMASCHINE in den Köpfen ihrer Konsumenten (und in ihrer Sprache). Jene eine Gemeinsamkeit, die alle genannten Produkte zu haben - das Google im Namen - ist in der Vergangenheit das ein oder andere Mal zum Verhängnis geworden.

Es scheint als hätte das Google vor dem Nest, Plus und Phone den Durchbruch gehemmt. Und so ist Alphabet nichts weiter als eine logische Konsequenz auf dem Weg zur erfolgreichen Rekonfiguration einer Mega-Marke.

Der Google-Kosmos bringt Chaos

Auch wenn sich jeder vorstellen kann wie schwierig es ist, das "Kill-Your-Darlings-Prinzip" anzuwenden, so besteht die Hoffnung, dass dieser Schritt nun frischen Wind und ein wenig notwendige Ordnung in den Google-Kosmos bringt.

Chaos, Nerds, Brillen und die bunte „Googliness" standen für die ersten Jahre des Konzerns. Finanzmärkte, Regulierung, Politik und harter Wettbewerb prägen die nächsten Jahrzehnte!

Saubere Trennlinie

Die saubere Trennlinie zwischen dem Suchmaschinenbetrieb, der unter der Leitung von Page´s Stellvertreter Sundar Pichai bestehen bleibt, und den Experimenten in Branchen wie Automotive, Versicherungen und Pharmaindustrie wird nicht nur der Bilanz des Konzerns zu einer klareren Struktur verhelfen.

Eine Abtrennung der Suchmaschine hilft insbesondere bei Verhandlungen mit der EU! Deshalb begrüßt auch die Wallstreet diese Ankündigung mit steigenden Aktienkursen als direkte nachbörsliche Reaktion von 6%, einer Geldspritze für weitere Revolutionen.

Denn Google ist in Zukunft einfach eine von vielen Marken. Zumal die Amerikaner ohnehin mehrheitlich dafür waren, dass Suchmaschinen getrennt von anderen Industrien anzuführen sind.

Google wird nicht in die "Microsoftfalle" geraten!

Hierzulande begegnen wir den Nachrichten der letzten Woche allerdings eher mit gesunder, europäischer Skepsis und dem unvermeidlichen Schuss „Deutscher Datenangst".

Wir finden noch immer, dass Macht Verantwortung mit sich bringt - und dass Monopole wie Microsoft und Google gefährlich sind, wenn sie sich mit all ihrem Wissen über die Nutzer immer mehr Macht verschaffen. Und dieser Skepsis verleihen wir immer wieder Ausdruck.

Bußgeldzahlungen

So kam es zum Beispiel, dass Microsoft inzwischen mehrmals von der Europäischen Union mit hohen Kartellstrafen belangt worden ist. Wegen Auflagenverstößen wanderten bereits rund 778 Millionen Euro Bußgeldzahlungen in die Europäische Kasse.

Auch Google ist schon lange unter Druck: Leistungsschutzrechtler spekulieren bereits jetzt darüber, wogegen die Töchter des neuen Mutterschiffs Alphabet in Zukunft als erste verstoßen werden. Doch wie das immer so ist bei Spekulationen: sie werden von der Realität übertroffen.

Genial an Google war bisher, dass der Gigant erst einen Markt aufgebaut hat, um ihn dann fast ganz zu beherrschen: Suche, Karten, Mobile, Preisvergleiche, Ad-Sales und Reisen. Jetzt kommen die weiter von der reinen Suche entfernten Märkte dran, die durch Technologie und einen sehr langen Atem leicht zu erobern sind, weil sie dem „Nokia-Schlaf" verfallen sind. Wehe dem, dem der glaubt sicher zu sein in seinem Business.......

Wie "googlefest" sind nun hergebrachte Geschäftsmodelle?

Aus unternehmerischer Perspektive wurde es dringend Zeit auf die Misserfolge zu reagieren und etwas zu tun. Deswegen hat Google mit Alphabet Inc. eine längst überfällige Strategieentscheidung getroffen.

Die Neuordnung des Konzerns ist mehr als eine Reaktion: sie ist Antizipation der Zukunft, die die Finanzmärkte bereits jetzt einpreisen; sie ist die Einführung einer neuen Denkweise eines ohnehin schon für disruptive Gedanken und Geschäftsmodelle bekannten Unternehmens.

Ob das Alphabet nun in Zukunft groß oder klein geschrieben wird, das gar nicht mehr die Frage! Die Frage ist: wer gibt künftig die Zeichen vor, denen wir folgen werden.........und sind die Branchen vorbereitet auf Big-A als künftigen Konkurrenten?

Recherche und Konzept: Anna Budich


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