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12/02/2017 09:12 CET | Aktualisiert 13/02/2018 06:12 CET

Wirtschaft - Im Leerlauf Vollgas geben

Der Nutzen digitaler Guthaben?

Unser Finanzsystem lässt sich nicht bis in das letzte Detail erklären, da es eine gewisse Eigendynamik entwickelt und ganz verschiedene Mechanismen einwirken. Vom Prinzip sieht es jedoch so aus, dass der eine die Geldmenge besitzt, die der andere Schulden hat. Würden alle ihre Schulden bezahlen, gäbe es kein Geld mehr. So ganz kann das eigentlich nicht stimmen, da jemand auf Kredit auch Fehlinvestitionen tätigen kann, womit der Wert weg ist, der Kredit jedoch nicht. Vom Grundprinzip ist es mit digitalen Werten wie unserem Giralgeld dennoch so, dass die einen das besitzen, was die anderen schulden.

Aufgrund der vorhandenen Schulden muss es ein Wachstum und eine Inflation geben, mit dem der Schuldenberg rechnerisch kleiner wird. Für das Wachstum werden die Steuern für Unternehmer gesenkt und Arbeitsrechte aufgelockert, damit die Unternehmen im eigenen Land investieren. Wenn andere Länder auf der Strecke bleiben, die das nicht so machen, wird ihnen gesagt: „Dann müsst ihr halt alle wettbewerbsfähiger werden, in dem ihr das auch so macht". Wenn es alle so machen, hebt sich der Vorteil wieder auf. Es machen sich also an diesem Punkt alle nur gegenseitig in der Abwärtsspirale kaputt.

Es entsteht in dieser neoliberalen „ich nehme den Armen und gebe den Reichen" Strategie deswegen ein Problem: Wenn die Arbeitnehmer oder auch diejenigen, die noch nicht, nicht mehr oder gerade nicht arbeiten, keine Kaufkraft haben, werden sie den Unternehmen keine Leistungen abkaufen. Es entsteht eine Überproduktion, mit der die Unternehmen nicht mehr investieren werden. Wozu auch, wenn bereits alles im Übermaß da ist und die Leute es nicht kaufen, da sie das Geld nicht haben?

Wieso befindet sich die Wirtschaft im Leerlauf?

Aufgrund der stagnierenden Nachfrage und der steigenden Produktivität muss die derzeitige Wirtschaft nicht investieren sondern nur alles instand halten. Damit lässt sich jedoch kein Wirtschaftswachstum generieren. Dennoch pumpt die EZB Vollgasgeldpolitik zeitlich verteilt Billionenbeträge in die Staatshaushalte und damit auch in die Banken, indem sie Anleihen aller Art aufkauft.

Die Leitzinsen werden gedrückt, es werden für Guthaben Strafzinsen berechnet, damit investiert wird. Aber wozu sollte man denn investieren und wer soll ohne Geld all die Waren und Leistungen kaufen? Wo bleibt das ganze Geld? Auf den digitalen Konten. Hier macht es jedoch keinen Unterschied, ob es 10 oder 100 Mrd. sind, solange es sich nur auf den digitalen Konten hin und her bewegt. Es passiert dabei doch nichts. Dennoch wird weiter den Reichen gegeben und den Armen, die ihr Geld direkt zur Ladenkasse tragen würden, wird es genommen.

Inflation entsteht an der Ladenkasse

Wenn diejenigen, die ihr Geld nicht auf digitale Konten oder unter das Kopfkissen legen, dieses Geld in die Hände kriegen, tragen sie es direkt zur Ladenkasse. Sie verzichten bereits und haben einen Bedarf. Sie werden ihre Kaufkraft direkt in Waren und Leistungen wandeln oder wenigstens offene Kredite tilgen.

Genau diese Personengruppen werden im neoliberalen System benachteiligt, um es denen zu geben, die nicht noch mehr Geld ausgeben. Wozu auch noch mehr konsumieren, wenn man bereits von allem zuviel hat? Das viele Geld der Reichen hat an der Ladenkasse eine so geringe Umlaufzeit, dass weit weniger Geld der Armen, welches als Rubel rollt, viel mehr bewegen wird.

Dieses ganze „Draghi Vollgasgeld" fließt also nicht zu den Ladenkassen. Die geringe Nachfrage drückt jedoch die Preise, es entsteht keine Inflation. Diese entsteht erst dann, wenn auf die materiellen Waren oder die Dienstleistungen, die sich nicht beliebig aus dem digitalen System schöpfen lassen, eine höhere Nachfrage greift. Wenn einfach nur 100 Bäume da sind, kann ich in dem Moment auch nur 100 verkaufen und muss warten, bis welche nachwachsen. Es handelt sich um endliche Produkte. Mit höherer Nachfrage wird die Inflation die Preise nach oben treiben.

Die kontrollierte Inflation

Wenn wir in der Eurozone jetzt vielleicht 0,5% bis 1% Inflation haben und einfach allen, die bereits verzichten, 6% mehr Geld geben, werden wir im nächsten Jahr vielleicht eine Inflation von 3,5% haben. Dann würde man bei dieser Gruppierung einfach eine Nullrunde einlegen und hätte darauf vielleicht nur 1,5% Inflation. Also werden die Einkommen dieser Gruppe im dritten Jahr wieder um 3% gesteigert. Es sind nicht auf das Jahr genau 2% Wunschinflation. Auf 20 Jahre kriegt man diesen Schnitt jedoch mit etwas Glück sehr genau hin. Nicht mit Billionenbeträgen für die Reichen, sondern mit Milliardenbeträgen für die Armen kann die Inflation gesteuert werden.

Was passiert, wenn dieses System funktioniert und die Reichen ihr Geld aufgrund der gefürchteten Geldentwertung zur Ladenkasse tragen? Dann wird es zu einer unkontrollierten Hyperinflation kommen, mit der für den Moment erst einmal alles zusammen brechen wird. Genau das könnte passieren, wenn die Reichen ihre digitalen Ersparnisse wegen einer Inflation von 2% gefährdet sehen.

Der Traum vom ewigen Wachstum

Mit einer Inflation von 2% wächst die Realwirtschaft vielleicht noch immer nicht. Aber die Zahlen in den Bilanzen wachsen, womit die Kreditlast sich leichter ertragen lässt. Wenn jedoch diejenigen zu Geld kommen, die es zur Ladenkasse tragen, werden der Verbrauch und damit auch die Wirtschaft anziehen. Es gibt aber nur „100 Bäume". Was dann, wenn wir auf dieser Welt einfach zu viele sind, die gut leben wollen? Sollen wir dann alle Hanf anbauen und könnte man davon überhaupt genug anbauen, damit die weltweit wachsende Bevölkerung sich einen guten Lebensstandard mit Zentralheizungswohnung und Elektroauto leisten kann?

Was dann, wenn wir einfach zu blöde sind, um den teuersten und dümmsten „Luxus" weg zu streichen - wenn wir zu doof sind, endlich auf Rüstung und Krieg zu verzichten? Dann kann uns zum jetzigen Zeitpunkt auch intelligente Volkswirtschaft in der endlichen Welt nicht mehr retten.

https://s-i.huffpost.com/gen/4014286/images/s-EZB-GERMANY-small.jpg