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21/11/2015 06:44 CET | Aktualisiert 21/11/2016 06:12 CET

Darum macht es keinen Sinn, das Bargeld abzuschaffen

Annie Engel via Getty Images

Der Rubel muss rollen!

Aus Sowjet Zeiten ist vielen noch der Slogan bekannt: „Der Rubel muss rollen!" Aber warum ist das so, dass Geld fließen muss? Weil es ein Mittel zum Zweck ist! Mit 100 Euro können nicht Waren und Dienstleistungen für 100 sondern für tausende Euro gekauft werden: Gebe ich den Schein einem anderen, gibt dieser ihn dem nächsten und so geht es immer weiter.

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Das geht nicht, wenn das Geld unter dem Kopfkissen liegt. Liegt es jedoch auf der Bank, dann bleibt es dem Sparer vermutlich erhalten aber die Bank verleiht es und der nächste gibt es bereits wieder aus.

Ständig mehr Wachstum

In einer Wirtschaft, die nur durch stetiges Wachstum bestehen kann, muss ständig mit höherer Nachfrage eine höheres Bruttosozialprodukt erzeugt werden. Dabei ist es praktisch bereits egal, wie dieses Wachstum realisiert wird.

Durch die zwingend notwendige Inflation wird der bestehende Schuldenberg in seinem „Wert" kleiner und durch das Wirtschaftswachstum lassen sich neue Schulden aufnehmen, mit denen die Zinsen für die alten Schulden gezahlt werden können.

Woher das Geld kommt, ist völlig egal und muss man es wem nehmen, nimmt man es den Wehrlosen und gibt es den Mächtigen. Wer jetzt behauptet, wir würden nicht in einer Demokratie leben, lügt: Wir leben zwar nicht in einer Demokratie der Wähler aber immerhin des Geldes!

Zwanghaftes Wachstum

In unserem Wirtschaftssystem geht es um zwanghaftes Wachstum und nicht darum, dass man die realen Bedürfnisse der Bürger abdeckt und es dabei belässt. Dieses zwanghafte Wachstum in einer endlichen Welt ist jedoch irgendwann einmal zu Ende, dann folgen nicht mehr die gelegentlichen Einbrüche sondern der Zusammenbruch.

Man wird die Uhren auf 0 oder vielleicht auch nur etwas zurück stellen und alles geht von vorne los. Aber das möchte man möglichst lange hinaus zögern und bringt sich für die Zeit schon mal in gute Startpositionen!

Schlechte Finanznews

Ein riesiges Problem sind schlechte Finanznews, die einen Bankenrun auslösen können. Soviel Geld haben die Banken gar nicht als liquide Mittel, weil sie es selber verleihen und anlegen, womit das Geld gebunden ist.

Schon gar nicht haben die Banken diese Geldmengen als gedrucktes Scheingeld, um alle Sparer innerhalb von 48 Stunden auszahlen zu können! Eben ein solcher Bankenrun kann als Dominostein andere umreißen und diesen Zusammenbruch auslösen.

Alle anderen Gründe der Bargeldabschaffung mit Kriminalitätsbekämpfung, Drogenbekämpfung, Prostitutionsbekämpfung, Schwarzgeldbekämpfung, Schwarzarbeitsbekämpfung, Waffenschieberbekämpfung oder der besseren Übersicht über die Geldflüsse sind schlicht und ergreifend vorgeschoben.

Die wirklichen Gründe sind die Vermeidung des Bankenruns und der gläserne Mensch als willkommener Nebeneffekt. Möglicherweise möchte man mit der Bargeldabschaffung auch Negativzinsen auf Sparanlagen durchdrücken. Das ließe sich nicht bewerkstelligen, wenn die Anleger einfach die Konten räumen, um diesen Negativzinsen zu entgehen.

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Wieso eine Bargeldabschaffung Fiktion ist

Bargeld ist nur ein Mittel zum Zweck und sobald es nicht mehr da ist, wird ein anderes Mittel zum Zweck gesucht. Personen, die sich sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt haben, erklären, dass eben diese anderen Zweckmittel ebenfalls abgeschafft werden müssten, damit eine Bargeldabschaffung sich nicht umgehen ließe.

Wer für sein Digital- oder Giralgeld z.B. Edelmetalle kaufen kann, kauft diese und zahlt mit diesen. Werden Edelmetalle verboten, wählt man vielleicht Edelsteine, wertvolle Tiertrofähen, Kunstgegenstände oder irgend etwas, dass wertvoll, ungiftig und gut zu stückeln ist.

Zur Not würde man limitierte Sammelkarten mit einem Wert versehen und diese tauschen. Im Computerspiel „Fallout" wird mit Krondeckeln von Getränkeflaschen gezahlt!

Wenn Bargeld und mögliche Ersatzwährungen verboten sind, könnte man doch gleich mit Drogen bezahlen, die in diesen Zeiten gewiss nicht an innerem Wert verlieren. Wo wäre das zusätzliche Risiko?

Bargeldabschaffung nicht realisierbar

Eine Bargeldabschaffung ist schlicht und ergreifend nicht realisierbar. Wer wirklich reich ist, gründet ein Briefkastenunternehmen im fernen Land, bucht auf dieses Schließfächer und packt seine Werte dort hin, wo es noch legal ist und wo keine oder nur kleine Abgaben anfallen.

Treffen wird es höchstens uns gläsernen Menschen. Die derzeitigen Systemopfer zahlen für die Täter und Profiteure die Zeche, wie sollte es sonst anders kommen?

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Was sich alles noch nicht abschaffen ließ:

Kriminalisierte Drogen sind in vielen Ländern sogar unter Androhung von Todesstrafen verboten und dennoch auch in diesen Ländern präsent. Homosexualität wird ebenfalls in einigen Ländern mit dem Tod bestraft und dennoch gibt es dort Homosexuelle.

Pornografie oder Prostitution ist auch eine Definitionsfrage und als diese noch nie wirklich komplett durch Verbote verschwunden. Glücksspiel ist in einigen Ländern oder Regionen verboten und dennoch präsent.

Waffenhandel ist mit gewissen Ländern untersagt, man handelt die Waffen einfach über Drittländer. Menschenhandel ist im eigentlichen Sinne nicht überwunden sondern findet in diversen Formen statt. Rezeptpflichtige Medikamente sind auch ohne Rezept zu haben. Usw.

Regulieren statt verbieten

Man kann es nicht einfach verbieten, damit es dadurch zu 100% weg ist. Man kann es jedoch regulieren, um unerwünschte Entwicklungen abzuschwächen. Deswegen gibt es in vielen Ländern für Bargeld- oder Giralgeld ab einem gewissen Betrag eine Nachweispflicht.

Kann man nicht beweisen, dass dieses Geld legal verdient wurde oder man es auf legalem Wege erhielt, gilt es als Schwarzgeld und man kann schwerwiegende Probleme bekommen. Damit wird es nicht verboten, mit größeren Beträgen zu zahlen aber es werden Schwarzgeldflüsse gebremst. Diese werden dabei nicht komplett unterbunden!

Gelder aus dem illegalen Drogenhandel sind z.B. Schwarzgeld und die richtig großen Player schaffen es kaum, ihre Einnahmen in die Wirtschaftskreisläufe zu fluten. Es werden teils Bargeldberge gehortet.

Erstaunlicher Weise haben die legalen Produktions- und Abgabestrukturen für Marihuana in Colorado und Washington genau das gleiche Problem: Da Marihuana auf Bundesebene noch immer illegal ist, nehmen die Geldinstitute diese Gelder nicht an und die legalen Akteure wissen kaum, wie sie ihr Bargeld in die üblichen Zahlungssysteme einschleusen können.

Die schrittweise Legalisierung scheint jedoch für viele Geschäftszweige einen riesigen Wirtschaftsboom auszulösen, andere Zweige hingegen werden schrumpfen.

Die "gläsernen Menschen"

Mit der Bargeldabschaffung könnte man dem gläsernen Menschen über seine Kartenbuchungen im Übrigen genau belegen, wie viel Marihuana er gekauft hat und hätte bei einem erneuten Verbot direkte Verfolgungs- Anhaltspunkte.

Fehlt nur noch, dass wir gechipt und per Lesegerät überall und auch ohne unser Wissen ausgelesen werden und mit einem Daumenwisch unsere Rechnungen bezahlen. Möglich ist dieses nicht nur für Hunde und Katzen sondern auch für uns, da der Chip nur zur Identifizierung dient und die eigentlichen Daten irgendwo auf Serverfarmen liegen.

Die Dinger können derart klein sein, dass sie bei alltäglichen medizinischen Maßnahmen auch ohne unser Wissen verpflanzt werden können! Wenn das Häcken dieser Server nicht die künftige Angriffsfläche für Hacker und Geheimdienste ist, was dann?

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