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15/03/2016 11:55 CET | Aktualisiert 18/09/2017 18:19 CEST

Todeszonen im Meer - hier lebt nichts!

DEA / C. SAPPA via Getty Images

Sauerstoff als das Elixier des Lebens

Es dürfte allen bekannt sein, dass die Grundlage für unser Leben der Sauerstoff ist. Ohne diesen, können wir und die allermeisten Lebensformen nicht existieren. Es gibt jedoch beispielsweise anaerobe Bakterien, die ohne Sauerstoff überleben. Sie erschweren damit jedoch teils das aerobe Leben. Für Meereslebewesen gilt das ebenfalls. Und schon sind wir bei den sich ausbreitenden Todeszonen: Hier gibt es einfach keinen Sauerstoff im Wasser und demnach lebt hier auch nichts Aerobes mehr! Todeszonen sind wirklich die extremsten Wasserregionen in den Weltmeeren. Als normal gilt, dass es in einigen Regionen weniger oder deutlich mehr Sauerstoff im Wasser gibt. Dieses hat verschiedene Ursachen. - Meeresströmung - Natürlicher Eintrag durch Flüsse - Unnatürlicher Eintrag durch den Menschen - Biologische Abläufe im Wasser Das Leben greift immer ineinander. Deswegen sollten auch bei den Todeszonen verschiedene Ursachen erwogen werden, wenn eine Situation betrachtet wird.

Die Meeresströmung kann Todeszonen verursachen

Das Meer ist bis rund 11.000 Meter Tief. Bei ungefähr 100 Metern Tiefe findet sich die Dichtesprungschicht. Wasser wird durch seinen Salzgehalt und die Wärme maßgeblich beeinflusst und deswegen kann diese Dichtesprungschicht existieren, an der das darüberliegende Wasser sich kaum mit dem darunter liegenden mischt. An den Polen ist das jedoch anders. An der Arktis ist es aufgrund der Eismassen besonders stark ausgeprägt. Auch ohne den menschlichen Einfluss nimmt die Eismasse im Winter zu und taut im Sommer ab. Beim Frieren bleibt das Salz jedoch im Wasser zurück - Salzwasser friert nicht gut. Da salzhaltiges Wasser schwerer ist, sinkt es ab. Es bewegt sich zum Äquator und steigt an verschiedenen Stellen wieder auf. Auf dem langen Weg dorthin verliert es seinen Sauerstoff, der aufgrund bakterieller Arbeit und der Atmung von Tiefseelebewesen verbraucht wird. Hier verstreichen durchaus Jahrzehnte, bis das Wasser wieder an die Oberfläche gelangt. Wo dieses Wasser aufsteigt, ist wenig Sauerstoff an der Meeresoberfläche. Vom Äquator fließt es zurück zu den Polen. Sollte es an der Arktis kein Eis mehr geben, wird sich möglicherweise dieser Wasserkreislauf drastisch ändern.

Nährstoffeintrag von Flüssen und dem Menschen

Nährstoffe werden von Pflanzen für ihr Wachstum benötigt. Diese produzieren dabei Sauerstoff. Aus der oberen Wasserschicht wird dieser an die Atmosphäre abgegeben. Die Weltmeere setzen ungefähr soviel Sauerstoff wie die Landpflanzen frei. Wenn aufgrund der vielen Nährstoffe viel Pflanzenmasse entsteht und plötzlich abstirbt, wird zum Zersetzen allerdings viel Sauerstoff benötigt. Im Wasser ist nicht genügend enthalten und somit sinkt der Sauerstoffwert. Gartenteichbesitzer werden gewiss selber schon die ein oder andere Algenblüte erlebt haben. Wenn diese zu stark ausgeprägt einsetzen und nicht direkt Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, kippt der ganze Gartenteich um, wenn die Algen alle in eins absterben. Wenn das Meerwasser mit dem starken Nährstoffeintrag absinkt, bleibt zudem das Licht fort und die Algen oder Pflanzen sterben ab. Sie werden dann zwangsläufig zersetzt und der Sauerstoff wird aufgebraucht. Dort, wo dieses Wasser wieder auftaucht, wird es ebenfalls eine Todeszone geben. Aber bereits die Regionen mit dem starken Nährstoffeintrag haben zum Teil erheblich weniger Sauerstoff, obwohl dieser doch produziert wird. Aber die obersten Meter werden den aufgenommen Sauerstoff und den selber produzierten Sauerstoff zum allergrößten Teil an die Atmosphäre abgeben oder bereits selber verbrauchen. Es kommt nur noch wenig Sauerstoff weiter runter. Das Licht nimmt mit der Tiefe ab und hier gibt es kaum sauerstoffproduzierende Pflanzen. Wenn das absinkende Pflanzenmaterial zersetzt wird, geht der Sauerstoff aus. Der durchschnittlich intelligente Leser wird die geschilderten Zusammenhänge gut nachvollziehen können, ohne in den Fachbereichen ein Studium abgeschlossen zu haben. Die Weltmeere sind für die Ernährung und Zukunft der globalisierten Menschheit extrem wichtig aber durch diesen auch extrem gefährdet!

Warum werden die Todeszonen größer?

Seit über 100 Jahren wird der Sauerstoffgehalt der Meere beobachtet, der Umfang der Aufzeichnungen und die Tiefenmessungen nehmen dabei zu. Wenn das sinkende Wasser teils Jahrzehnte braucht, bis es wieder an die Oberfläche gelangt, dann werden sich heutige Ereignisse vielleicht erst in 40 Jahren bemerkbar machen. Die Einflüsse des Menschen der letzten 100 Jahre werden noch in 1000 Jahren ihre Auswirkungen zeigen. Das genaue Ausmaß lässt sich grob über den Daumen peilen aber nicht exakt vorhersagen. Bereits heute lässt sich feststellen, dass der Sauerstoffgehalt der Weltmeere tendenziell abnimmt. Ein Knackpunkt wäre in jedem Fall, wenn die Arktis abtaut und das salzhaltige Sinkwasser zum Großteil ausbliebe. Dieses ist der Motor für die Wasserströmungen in den Weltmeeren. Die Antarktis ist dabei viel weniger stark ausgeprägt. Das sind derzeit vermutlich nicht die Gründe für die anwachsenden Todeszonen. Hier wären überwiegend die Nährstoffeinträge durch den Menschen zu nennen, die es vor 100 Jahren noch nicht in diesem Umfang gab. Vielen älteren Semestern wird bekannt sein, dass wir einst ein großes Problem mit Algenblüten in der Nord- und Ostsee hatten. Beide Meere sind etwas von dem eigentlichen Meer, dem Atlantik, abgeschirmt. Diese Algenblüten gingen zurück, als plötzlich alle mit phosphathaltigem Waschmittel wuschen und das Abwasser dieses in die Meere trug. Deswegen wurden neue Waschmittel ohne Phosphat entwickelt sowie inzwischen erheblich besser geklärt wird. Der Mensch hat sich bereits etwas angepasst, um Schäden abzuwenden. Dennoch werden weiterhin große Nährstoffmengen in die Meere eingetragen und diese führen zu unnatürlich starken biologischen Reaktionen. Wenn dabei Sauerstoff frei gesetzt wird, geht er an der Wasseroberfläche in die Atmosphäre über. Wenn diese Nährstoffe oder die entstehende Biomasse abgebaut werden und Sauerstoff verbraucht wird, ist dieser im Wasser gerade in den tieferen Schichten schnell verbraucht. Vor allem unter der Dichtesprungschicht kommt der Sauerstoff aus der Luft gar nicht mehr an, da sich das Wasser nicht mischt. Wo dieses Tiefenwasser wieder aufsteigt, lebt nichts mehr und der aus der Luft aufgenommene Sauerstoff reicht nicht für die biologischen Abläufe in diesen Todeszonen. Selbst die Sauerstoff produzierenden Algen haben das Problem, dass sie in der Nacht selber Sauerstoff benötigen. Besonders wenig Sauerstoff befindet sich bereits jetzt an der Westküste zu Mexiko, der Ostsee auf Höhe von Stockholm, an der Küste von Angola, an der Küste zu Peru, im persischen Golf mit der Wasserregion zu diesem, sowie dem schwarzen Meer. Bei letzteren liegt dieses aber gewiss nicht an den Weltmeeresströmungen. Möglicherweise werden wichtige Fischereiregionen verloren gehen, wenn den Tieren die Luft zum Leben fehlt. Auch auf HuffPost:
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