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14/12/2016 18:30 CET | Aktualisiert 15/12/2017 06:12 CET

Marihuana auf BtM Rezept kommt

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Wenn erwachsene Patienten nicht selber entscheiden dürfen

Marihuana als der Begriff für potentes - berauschendes Cannabis, würde in vielen Gärten wachsen, wäre es nicht verboten. Es ist immerhin eine Droge, deren Unbedenklichkeit nicht erwiesen werden kann. Das reicht in der Begründung, um Patienten leiden zu lassen, die es derzeit nicht erhalten oder nicht selber bezahlen können. Das geht soweit, dass viele Menschen deswegen nicht nur leiden sondern auch um Jahre früher sterben.

Kaum jemand, der sich objektiv mit der Materie auseinander gesetzt hat, wird noch leugnen, dass Marihuana eine medizinische Wirkung hat. Deswegen wurde in Deutschland ab 2015 beschlossen, eine neue gesetzliche Regelung zu schaffen. Bereits im Jahr 2016 sollte es Marihuana auf BtM Rezept geben. Bislang wurde die Regelung noch nicht umgesetzt sowie Frank Tempel, MdB, sich sogar öffentlich beschwerte, dass sozusagen der vorletzte formale Schritt im Bundestag vertagt wurde. Dennoch wird es möglich sein, den letzten Schritt der Ratifizierung am 26.02.2017 Februar erfolgen zu lassen, wenn in der nächsten Bundestagssitzung die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden.

Jetzt hoffen wir, dass es möglichst früh im Jahr 2017 endlich so sein wird, viele Patienten können immerhin nicht mehr lange darauf warten.

Kurzfassung der Erleuchtung:

- Im Sommer 2014 erhalten drei von fünf klagenden Patienten in Köln wegen Notstand durch richterlichen Entscheid die Zusage, dass die BfArM ihren Eigenanbau genehmigen muss

- Im Herbst 2014 geht die BfArM in Berufung

- Es ist jetzt offensichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis erste Patienten wegen ihrem Notstand ihr eigenes Marihuana anbauen dürfen

- Die Regierung und das Gesundheitssystem wollen in keinem Fall, dass Patienten selber Marihuana anbauen dürfen und es bald tausende oder zehntausende machen

- Es werden Gesetzesentwürfe auf dem Weg gebracht, die sicher kommen werden, um diesen Eigenanbau zu verhindern, wir dürfen uns ein wenig überraschen lassen

- Am 06.04.2016 gelang es dem ersten Patienten in Deutschland in letzter Instanz seinen Prozess um Eigenanbau zu gewinnen, er erhielt bereits 2016 vom Monatswechsel September zum Oktober seine Genehmigung.

- Es werden nur befriste Eigenanbaugenehmigungen erteilt, die vermutlich nicht verlängert werden, wenn bis zu deren Auslaufen bereits die Versorgung über die Apotheken und die Zahlung vom BtM Rezept über die Kassen ermöglicht werden

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Meinungen

Es gibt Patienten und andere Personen, die sehr fest davon ausgehen, dass es sich um eine hübsche Geschenkverpackung handelt, die sich medial gut verkaufen lässt, für die Patienten beim Öffnen jedoch leer sein wird: Es wird sich nichts ändern, es wird sich nichts bessern.

Wieso denken einige Patienten das? Weil sie es seit Jahren oder Jahrzehnten so wahr nehmen, dass unsere Regierenden etwas verabschieden, was für den Zeitungsleser einen sehr humanen und sinnvollen Eindruck macht, für die Betroffenen aber nichts verbessert sondern teils auch verschlechtert. Warum sollte das jetzt anders sein?

Der führende deutsche Fachmediziner für Cannabis und cannabinoidhaltige Auszüge oder Arzneimittel sieht das ganz anders und verweist auf Israel: Dort gab es in den ersten Jahren nur einige hundert Patienten, die Cannabisarznei nutzten. Dann wurden es schneller werdend mehr und im Jahr 2016 sind es bereits 25.000. In Deutschland wird es ähnlich sein, dass erst einmal einige Patienten ihre Ärzte zum Ausstellen von Marihuana auf BtM Rezept ermutigen. Deren Zahl wird jedes Jahr wachsen. Dr. Grotenhermen geht davon aus, dass es eine gewisse Zeit benötigt, bis es hunderttausende Patienten sind, die in Deutschland Marihuana aus der Apotheke per BtM Rezept erhalten und häufig auch über die Kassen erstattet bekommen. Das wäre genügend Zeit, um die Importe auszuweiten und mit dem Anbau in Deutschland zu beginnen. Die dazu nötige Deutsche Cannabisagentur wurde bereits gegründet und die Investoren warten nur noch auf ihre Zuschläge.

Die deutsche Politik steht nicht immer über dem Gesetz

Enttäuschte Patienten hin oder her, mit dem BtM Rezept wird das Verschreiben vom Marihuana weit einfacher sowie unser Politiksystem mitspielen muss: Wenn der Patient in der Apotheke kein Marihuana erhält oder dieses nicht bezahlen kann, befindet er sich im Notstand, wenn der Arzt die Notwendigkeit von Marihuana bescheinigt. Diese Patienten werden dann alle sehr erfolgreich ihr Recht auf Eigenanbau einklagen. Aber genau das will diese Regierung nicht und nur deswegen kommt es zu diesen Neuregelungen. Wenn in der Drogenpolitik für die Betroffenen etwas besser wurde, dann geht das fast immer auf die Restintelligenz deutscher Richter und nicht auf unsere „Volksvertreter" am politischen Ruder zurück.

Wer sich brennend für diese Themen interessiert, kann sich in diesen Artikel einlesen und diese beiden Videos ansehen:

Wie ist es, wenn Patienten sich aus Verzweiflung kriminalisieren lassen. (Entschuldigt bitte den schlechten Ton.)

Wie wird es hoffentlich bald sein.

Wer Cannabis oder dessen Cannabinoide als Medikament verwenden möchte, kann bereits bei dem ersten Arztgespräch vieles falsch machen. Wer sich informiert, hat in jedem Fall bessere Aussichten, dass ihm Marihuana legal verschrieben wird.

https://s-i.huffpost.com/gen/4106360/images/s-MARIHUANA-small.jpg