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05/04/2016 17:11 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Kofi Annan will Drogen regulieren, nicht verbieten

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Die Bilanz der Drogenverbote

Wer sich ein paar Statistiken vom Weltdrogenreport der Uno einmal ansehen möchte, klicke auf diesen Link. Dann auf „Presentation". Beim „Drug Use" zeigt sich deutlich, dass trotz dem Kampf gegen Drogen durchweg ca. 5% der Menschheit kriminalisierte Drogen konsumieren.

(All die legalen und teils auch getarnten Drogensubstanzen sind darin gar nicht enthalten.) Daran ändert selbst die Todesstrafe in einigen Ländern für Drogenherstellung, Drogenhandel oder Drogeneinfuhr nichts. Wenn die Menschen durch Drogen schaden nehmen und diese verboten werden, damit weniger Menschen Drogen nehmen, mag sich das als edles Ziel erklären lassen. Wenn über Jahrzehnte aber nicht weniger sondern gleichbleibend oder sogar mehr Menschen Drogen konsumieren, ist dieser Kampf gescheitert.

Da der War on Drugs nicht ein Kampf gegen ein Drogenpulver sondern gegen den Menschen ist, der es einnimmt, ist es ein Krieg gegen Zivilisten. Da müsste man in UN Kreisen doch aufschreien, wenn Zivilisten bekämpft werden, da diese daran massiv Schaden nehmen. Diese und auch die ganze Gesellschaft.

Deswegen möchte Kofi Annan als Ex UN Generalsekretär diese sinnlose und anmaßende Verfolgung von einfachen Bürgern beenden, um Drogen nicht mehr mit Repression sondern Prävention zu bekämpfen. Dabei soll ein problematischer Konsum nicht entstehen und ansonsten erkannt werden, damit den Betroffenen geholfen wird. Der War on Drugs hingegen schadet genau diesen Menschen und verhindert nicht, dass andere mit dem Konsum kriminalisierter Drogen beginnen.

Kofi Annans aussagen sind gerade jetzt sehr wichtig, da vom 19 - 21 April mit der UNGASS eine wichtige UN Konferenz stattfindet, in der möglicherweise einige Änderungen zur Auflockerung im Kampf gegen die Drogen beschlossen werden könnten. Möglicherweise wird die Single Convention on Narcotic Drugs im positiven Sinne angepasst. Sie ist das Gegenstück der UNO zum War on Drugs, der in den USA durch Richard Nixon im Jahr 1972 geprägt wurde.

Das wäre dann praktisch schon eine Kehrtwende der bisherigen Vorgehensweise, die tendenziell auf Repressionsverschärfung abzielt.

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Was soll sich laut Kofi Annan ändern?

Vorweg sei erklärt, dass Kofi Annan den Konsum oder vor allem den problematischen Konsum von Drogen weiterhin bekämpfen möchte. Er möchte das jedoch nicht mit dem Strafrecht machen, wodurch Drogenkonsum erheblich schädlicher und existenzvernichtender wird. Es soll der Eigenkonsum mit konsumverbundenen Handlungen reguliert werden. Die Drogenqualität soll kontrolliert werden, damit der Konsument weniger Schaden nimmt. Das ist jedoch nicht der Wunsch, dass alle Drogen konsumieren sollen sondern die Einsicht, dass die Bürger sich mit oder ohne Verboten selber entscheiden und deswegen ein Freiraum zu schaffen ist, der weniger schädlich für die Betroffenen ist.

Mit den Drogenverboten schadet man den Drogenopfern nur noch mehr ohne andere Personen vom Einstieg in den Drogenkonsum abzuhalten. Wenn der gute Wille noch mehr Schaden anrichtet, muss man es lassen und wenn das nicht geht, die Strategie grundlegend anpassen. Deswegen spricht sich Kofi Annan genau wie ganz viele andere Gegner vom War on Drugs dafür aus, Problemkonsumenten aus ihrem Schattendasein heraus zu lassen. Anstelle von Strafverfolgung für alle können im regulierten Markt diejenigen, die massive Drogenprobleme haben, besser gesehen und angesprochen werden. Kommt man an diese Problemkonsumenten heran, kann Hilfe erfolgen, sonst nicht.

In Portugal wird seit Jahren der Eigenkonsum aller Drogen toleriert und der Konsum harter Drogen sowie der Problemkonsum gingen in den Statistiken zurück. Deswegen beweist sich, dass der War on Drugs als Krieg gegen Menschen keines seiner genannten Ziele erreicht.

Was haben Drogenverbote mit der Weltsicherheit zu tun?

Die Bedeutung von Drogen ist enorm, vor allem, wenn sie wenig Raum einnehmen und sich zu horrenden Preisen vertreiben lassen. Das britische Empire hat vor den internationalen Drogenverboten in Indien Opium angebaut und es nach China geliefert. Dort machte man sehr viele Menschen abhängig und ließ sie arbeiten. Waren entstanden, ohne dafür Löhne zahlen zu müssen. Auch chinesische Rohstoffe waren praktisch kostenlos. In zwei Kriegen, den Opiumkriegen, zwangen die Briten die Chinesen dazu, weiterhin Opium zu nehmen, damit dieses Wirtschaftssystem funktioniert. Es versiegte durch die Drogenverbote und das Empire mit ihm. Das war natürlich lange vor der Zeit von Kofi Annan.

Wie ist es in der heutigen Zeit? Während des Vietnam Krieges stammte das Opium für die Heroinproduktion aus dem goldenen Dreieck. Aus Burma, Thailand, Laos und Vietnam. Wo wird derzeit Opium angebaut? Ein sehr großer Teil stammt aus Afghanistan. Es kann praktisch die Faustregel aufgestellt werden, dass dort, wo es die Vegetation zulässt und ein Krieg stattfindet, Drogen angebaut werden. Regime, Terrormilizen oder Bürgerkriegsstaaten haben eine sehr schlechte Kreditwürdigkeit, es werden sogar die Bankkonten mit Guthaben eingefroren. Wie gelangt man an Bargeld für Waffenkäufe und Soldzahlungen? Rauben, Erpressen, sich sponsern lassen, Ölfelder besetzen, Menschenhandel oder eben Drogenhandel. Genau dieser Drogenhandel ist ein Milliardengeschäft, eines der größten Geschäftsfelder weltweit.

Fast überall kann irgendeine Drogenpflanze angebaut werden und ansonsten lassen sich immer noch Drogen im Reagenzglas anrühren. Durch die Drogenverbote sind Drogen so teuer, dass der Anbau und die Produktion praktisch immer sehr lukrativ sind. Im Kriegsgebiet kann auch keiner kommen, und es einem verbieten, der nicht sowieso bekämpft werden würde. Wer einen menschenverachtenden Krieg mit todbringenden Waffen führt, wird kaum vor anderen Schandtaten zurück schrecken. Tobt der Krieg erst lang genug, lebt es sich ohne Gewissen weit angenehmer und für einige auch länger.

Wären Drogen nicht verboten, wären sie vielleicht nicht so teuer und der Handel wäre weniger interessant. Zumindest könnte viel leichter über die Anbauregionen und Anbaubedingungen verhandelt werden. Guerillakriege hätten weniger Geld für Waffen und könnten den Anwohnern weniger Schaden anrichten. Deswegen gefährden Drogenverbote die Weltsicherheit und nicht nur die persönliche Freiheit.

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Wie schlimm wäre der regulierte Drogenvertrieb?

Eine der harten Drogen ist alltäglich und überall erhältlich, es ist der Alkohol. Eine der weniger gefährlichen Drogen befindet sich in vielen Ländern in der Klasse der schädlichsten Drogen, der Hanf. Vielfach wird beim Dealer gekauft, was da ist. Das ist dann nicht nur verstrecktes Marihuana sondern auch Heroin, Kokain, Amphetamin oder anderes. Bei den chemischen Drogen wird immer wieder eine Substanz verboten und deswegen eine noch schlimmere verkauft, damit der Dealer vor Gericht besser weg kommt. Würde all das durch einen regulierten Markt aufhören, würden nicht mehr oder weniger Drogen genommen. Man würde aber andere und häufig weniger bedenkliche Drogen nehmen. Nur deswegen, weil man auch Heroin haben könnte, wird man es noch lange nicht nehmen. Man könnte Heroin immerhin auch heute schon haben und nimmt es dennoch nicht. Oder doch?

Aus genau diesen Gründen ist ein regulierter Drogenvertrieb besser als jeder Schwarzmarkt oder auch als ein unregulierter legaler Vertrieb: Es werden Regelungen erstellt und die Marktteilnehmer können geprüft und von Produktion und Handel ausgeschlossen werden, wenn sie sich nicht dran halten. Damit kann der sogenannte Jugendschutz erst geregelt und umgesetzt werden. Auch die Hilfe für Problemkonsumenten kann viel effektiver erfolgen.

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