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27/12/2016 10:14 CET | Aktualisiert 28/12/2017 06:12 CET

Kauft nicht bei Juden gestern, heute Hanfunternehmen?

Account gesperrt, Bankkonto gekündigt, Website platt

Es geht an den normalen Verbrauchern und Bürgern spurlos vorüber, denn das "Kauft nicht bei Juden" funktioniert in der Prohibitionswelt anders. Hier wird nicht mit Hassparolen zum Boykott der legalen Hanfunternehmen aufgefordert. Die Websites werden unangemeldet vom Netz genommen, die Bankkonten gekündigt oder gesperrt und das gleiche gilt auch für Accounts bei Amazon, eBay, PayPal oder in anderen Situationen. Den Hanfunternehmen wird einfach ihre Infrastruktur genommen, ohne die sie jedoch allerhöchstens noch überleben können, meist jedoch unter gehen.

Das geht eigentlich schon seit Jahrzehnten so und wird auch tendenziell schlimmer als besser. Das ist zumindest in den Verbotsregionen der Fall. Angemerkt wird hier der juristische Aspekt, dass diese legalen Hanfunternehmen eben legale Unternehmen sind, die sich an Recht und Ordnung halten und natürlich nur legale Waren veräußern. Kommt im Unternehmensname oder den Produkten einer der Begriffe „Hanf, Cannabis, Hemp, Hanfblüten" vor, dann wird jedoch logisch geschlussfolgert, dass Hanf oder Cannabis verboten sind und die Website oder der Unternehmer Verbotenes im Schilde führt. Genauso muss auch der Bäckermeister ein Krimineller sein, der Mohnkuchen und Mohnbrötchen selbst an Kinder verkauft? Klar, Hanfunternehmer sind so kriminell wie Bäcker - sie sind keine Kriminellen oder würden nicht beim Gewerbeamt ein Gewerbe anmelden. Das käme dann auch wirklich einer Selbstanzeige nahe.

Hanfpassion Crowdfunding gecrasht

Es ist eine kleine Verkettung, wie es zu diesem Artikel kommt. Auf dem Hanf Magazin wurde ein Artikel zum Hanfpassion Crowdfunding vorgefunden. Eigentlich wäre dieser überflogen worden, aber das Konzept war gewagt. In Österreich nach dortigen Gesetzen legal anbauen, in Deutschland Anbaulizenzen für Medizinblüten beantragen und Importgenehmigungen beantragen. Den Handel nur betreiben, um damit zu forschen und die Legalisierung voran zu treiben? Also wurde schnell das Video angeklickt und hier wird es jetzt echt abenteuerlich: „Ich bin ein Krimineller, warum ich ein Krimineller bin? ..." Dieses Videogeständnis machte noch neugieriger und es wurde das Impressum aufgerufen. Siehe da, der Sitz vom Unternehmen liegt in der Nachbarstadt. Da ich selber seit Jahren aktiv bin und derzeit die regionale Vernetzung fördere, schrieb ich schnell eine Mail mit einigen Tipps für das bewerben vom Hanfpassion Crowdfunding. Und damit wurden zugleich Treffen ausgemacht, mit denen ich vom Team bereits drei Leute kennen lernen und befragen durfte.

Es lief die ersten Tage mehr als nur mäßig an, und nach dem Kennenlernen wurde mir auch der Grund dafür genannt: Bereits Wochen vorher wurde die Facebook Kampagne abgesprochen und auch genehmigt. Ganz zufällig wurde diese vor dem Start Off gecancelt. Sprich: Die einzig relevante Werbung für das Hanfpassion Crowdfunding wurde direkt vor dem Start abgebrochen, womit es dann wirklich selbst nach 10 Tagen noch flau läuft. Wie sollte man jetzt auch noch ein brauchbares Ersatzkonzept über die Weihnachtstage aufsetzen?

Einige Tage nach dem Start wurde bereits ein Bankkonto gekündigt. Der Videobeweis reicht immerhin, es geht um Hanf und es ist ein Krimineller. ? - Nun, es handelt sich bei Oscar Kuhl um einen Niederländer, der es prüfen ließ, dass ihm keine Repression mehr treffen wird, da die „Verbrechen mit erheblicher Tragweite" doch immerhin schon Jahre zurück liegen. Was genau hier in der Story das Verbrechen ist, wäre dann noch eine andere Frage.

Sollte das Hanfpassion Crowdfunding noch gelingen, dann wird nach einem guten Start ein Hanfpassion Crowdinvest folgen. Auch ohne das erfolgreiche Hanfpassion Crowdfunding wollen die Macher weiter am Projekt arbeiten. Sie haben persönliche Gründe, wie auch die meisten anderen Aktiven innerhalb der legalen Hanf- Nischenmärkte.

Diskriminierung aus eigener Erfahrung

Es war eine einstige persönliche Website, in der es um den Hanf ging, die irgendwann von einem zum anderen Tag off ging. „Hanf ist doch kriminell und kriminelle Inhalte könne man nicht dulden." So in etwa die Begründung. Was genau waren für Inhalte auf der Website eingestellt? Inhalte, wie man sie mit Zeitschriften oder Büchern auch hätte erhalten können. Hanf als solches ist im Übrigen nichts Verbotenes. Nutzhanfprodukte sind z.B. in Teebeutel, Zigarettenpapier, PKWs, historischen Büchern, Baustoffen, Verbundstoffen, Textilien und anderen Produkten. Der Anbau von Hanf ist genehmigungspflichtig und damit nicht verboten. Nutzhanfprodukte können ganz normal importiert werden und stehen teils auch in den Supermärkten herum. Es sollte jedoch allen klar sein, dass bislang der potente Hanf in Deutschland allerhöchstens zu Forschungszwecken genehmigt wird. Laut der persönlichen Kontakte scheint das seit einigen Jahren häufiger zu passieren, als es die Öffentlichkeit vermutet.

Zwischenanmerkung:

Dem einstigen Websitebetreiber oder anderen Akteuren ist der Hanf vermutlich ziemlich egal. Es geht ihnen darum, zum Gewinnerclub zu gehören. Immer schön der auserkorenen Zielgruppe eins rein drücken, das gibt Zusammenhalt und Geschäftskontakte fruchten. Man kann aber auch so schön Leuten eins rein geben, mit denen gerade ein kleiner Konflikt geklärt werden muss, wenn diese Leute zu den „gemachten Bösen" gehören. Das Hanfverbot ist deswegen ganz offensichtlich für sehende Menschen nicht nur eine Freiheitsberaubung, es ist zugleich todbringender und auch ansonsten gesellschaftsschädigender Faschismus. Oder womit werden in Krisenregionen Waffen gekauft? Mit Drogengeldern. Warum geht das? Wegen der Drogenverbote. Also todbringend. Als gleichschaltende sowie benachteiligende Ausgrenzung ist das zugleich faschistisch. Wer das unterstützt, sollte sich schämen, nicht ehrliche Hanfunternehmer oder Hanffreunde.

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Kauft nicht bei Juden?

Nach dieser einstigen Website fand eine Vernetzung mit vielen Aktivisten und Unternehmern aus der Hanfszene statt. Dass PayPal das Konto sperrt, der Amazon Account platt ist, Bankkonten gekündigt werden usw usw, das ist mir seit Jahren bekannt. Dieses Hanfpassion Crowdfunding ist dann noch mal ein Glanzbeispiel für die „Kauft nicht bei Juden" Politik der Prohibition: Die vorab besprochene und genehmigte Facebook Kampagne wird 5 Minuten vor dem Start Off abgesagt, womit das ganze Projekt leider wirklich dahin siecht und sich vielleicht nicht mehr retten lässt.

Wenn ihr Leser etwas Gutes für den Hanf tun wollt, dann spendet doch etwas Geld für ein schickes Präsent. Nur bei Zustandekommen vom Hanfpassion Crowdfunding geht das Präsent in den Versand, sonst wird das Geld zurück gebucht. Noch ist ordentlich Luft, bis die Fundingschwelle erreicht wird. Auch dann ist noch ordentlich Luft vorhanden, bis das Fundingziel erreicht wird. Ob Hanfpassion letztendlich so erfolgreich wird, wie sich die Macher das versprechen, wird vielleicht in einem Folgeartikel berichtet.

https://s-i.huffpost.com/gen/1469627/images/s-HOLOCAUST-small.jpg