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18/04/2016 11:20 CEST | Aktualisiert 19/04/2017 07:12 CEST

Demografischer Wandel als passiver Widerstand

Maskot via Getty Images

Wer sich den demografischen Wandel Deutschlands ansieht, wird sich freuen: Gab es über 1,3 Millionen Bürger pro Geburtsjahr um 1965 herum, so waren es 2010 nur noch rund 650.000.

Es gibt um 1965 einen sichtbaren Schwung von 1,3 Millionen auf unter eine Million innerhalb von fünf Jahren, vermutlich als der einstigen Geburtenzahl vor dieser geburtenreichen Jahre.

Viele Bürger dieser geburtenreichen Jahrgänge gehen vermutlich auch auf Fremdarbeiter und Einwanderer zurück. Damit wäre dann also alles wieder normal gewesen? Bis ca. 1990 hält sich das Level und sinkt dann kontinuierlich ab.

Das bedeutet, dass die Weichen für diese Entwicklung nicht wir als die ausgedünnte Generation gestellt haben. Diese wurden bereits vor 1965 oder eben vor 1990 gestellt und das kann möglicherweise auf das Deutsche Wirtschaftswunder zurückgeführt werden.

Irgendetwas Gutes muss es als Kehrseite zur Wegwerfgesellschaft im Konsumwahn samt krank machendem Leistungsdruck und Umweltverschmutzung immerhin gehabt haben.

Wir sind auf einem guten Weg, uns endlich loszuwerden

Gregor Gysi als bekannte politische Persönlichkeit versucht im Bundestag oder bei Veranstaltungen immer zu erklären, dass unser gesellschaftliches oder wirtschaftliches System familienfeindlich ist, da Kinder eine Karrierebremse für Frauen darstellen, sie auf Jahre binden und finanziell belasten.

Deswegen müsse man Frauen nicht nur wie Männer bezahlen, sondern viele Unterstützungen für die Kindererziehung und Familienbildung geben, damit Frauen dadurch nicht benachteiligt werden.

Allerdings scheint das heutige gesellschaftliche oder wirtschaftliche System doch eher im allgemeinen menschenfeindlicher zu werden und in Anbetracht der Geburtenrückgänge wird noch schnell Fracking durchgewunken, um verbrannte Erde zurück zu lassen.

Wir sind auf einem guten Weg, uns endlich loszuwerden: Deutsche haben keinen Bock auf Deutsche und verschanzen sich Millionenfach in ihren Singlewohnungen, setzen keine Kinder in die Welt und sitzen es aus.

Noch drei weitere Generationen und wir haben es hinter uns. Das sind doch zur Abwechslung mal gute Nachrichten in der Medienlandschaft.

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Warum haben Deutsche keinen Bock auf Deutsche?

Innerhalb von Deutschland wird sich kaum einer die Frage stellen, warum Deutsche keinen Bock auf Deutsche haben. Diese gepflegten Spießer gehen heute weniger in die Kirche, rennen aber laufend zum Anwalt.

Sie rotten sich zusammen, um als die demokratische Masse im Recht zu sein und lassen Parolen wie diese verlauten: „Wer will, der kann auch was aus sich machen", „In Deutschland geht es uns noch gut", „pünktlich und fleißig", „mit Recht und Ordnung" und alles geht in die Richtung, dass der Deutsche eine Vorbildfunktion für den Rest der Welt hätte und was Besseres ist.

Man baut sich eine hübsche Kulisse auf, um nach Außen zu wirken und dahinter macht man einander das Leben schwer und gönnt sich das bischen Glück nicht.

Gerade Slogans wie „mit Recht und Ordnung" hören sich etwas braun an. Und wenn sie dann angelaufen kommen, um jeden in die Schublade des „guten Deutschen" zu zwingen, dann haben sie die Weisheit gepachtet.

Die schauen einem nur vor den Kopf und wissen was gut und richtig für einen ist. Schlimmer noch ist die Erwartung, dass man das dann alles so zu machen habe und zu sein hat.

Ansonsten will man halt nicht und wird deswegen auf der Strecke bleiben. Damit das hinterher auch stimmt, wird natürlich ordentlich nachgeholfen.

Der Deutsche meint es natürlich gut. Mit sich selber. Wenn er denn andere Menschen in ihrem Privatleben bevormundet, dann dafür, dass diese so werden, wie er es will, um ihm damit besser ins Weltbild zu passen.

Das ist alles andere als die freie und selbstbestimmte Entwicklung eines Individuums. Das ist pure Anmaßung, mit der man wirklich nicht mehr Deutsch sein will.

Ob Christen oder Faschisten, ich kann verzichten

In Deutschland ist der Deutsche nicht frei. Neben den wirtschaftlichen Zwängen unterliegt er den gesellschaftlichen und hat zu sein, wie er sein soll.

Und wer nicht so ist, wie er soll, nimmt dennoch eine wichtige Funktion ein: Diese anderen und somit schlechteren Bürger im Land kann man als verfehlt darstellen.

Die wollen halt nicht und sind selber Schuld, wenn sie sich nicht vor den Kopf schauen und dann den Weg weisen lassen. Man kann sich als Rotte ihnen gegenüber als etwas Besseres sehen und hat Leute zum Ausgrenzen und Schlechtmachen.

Dass diese anderen Personen auch dadurch im Leben weniger erfolgreich und weniger glücklich sind, passt gut ins Konzept, weil man das vorab bereits wusste.

Wir leben in einem Schwachmatensystem, welches „Feindbilder" oder die „Schlechteren" braucht, damit jeder Witz sich in der Masse ganz groß fühlen kann. Da kann man dann auch mal mit Recht und Ordnung die persönlichen Freiheiten anderer Bürger maßgeblich einschränken.

Immerhin gibt es als Verfolgerorgane doch eigens das Gesundheitswesen und das Strafwesen, an die man ausliefern kann, in denen man selber präsent ist und ein Einkommen hat.

Beispiel am War on Drugs

Als 1937 Marihuana in den USA quasi total verboten wurde und als Richard Nixon um 1972 den War on Drugs ausrief und prägte, ging es niemals um den Jugendschutz oder die körperliche und geistige Gesundheit der Bürger.

Es ging 1937 darum, Rassenhass auszuleben und wirtschaftliche Interessen durch zu setzen. 1972 ging es ebenfalls um Rassenhass und um die Kriegsgegner innerhalb der USA zerschlagen zu können.

Würde Cannabis nicht zugleich oder sogar vor allem ein nachwachsender Universalrohstoff sein, wäre er nicht verboten worden.

Der War on Drugs ist ein War on Humans. In der Schweiz stellte man vor geraumer Zeit bereits statistisch fest, dass mit mehr Repression auch mehr Menschen an Drogen sterben. Im repressiven Bayern gibt es die meisten Drogentoten.

Dabei ist ebenfalls statistisch erwiesen, dass der Repressionsgrad keinerlei Einfluss darauf hat, wie viele Leute wie intensiv Drogen nehmen.

Wenn Cannabis selbst den austherapierten Patienten kaum zugänglich ist, weil es vielleicht gefährlich ist, was ist dann mit alle den anderen Medikamenten, die vorab bereits verabreicht wurden und wo man weiß, dass sie gefährlich sind?

Meint man es an dieser Stelle gut mit uns Bürgern oder mit sich selber, wenn man den Hanf verbietet? Erste Hanfpatienten erwägen bereits die Inanspruchnahme der Sterbehilfe wohingegen andere schon von alleine gestorben sind und noch leben könnten.

Deutsche wollen nicht mal mehr einander

Dem demografischen Wandel ist abzulesen, dass mit jedem Jahrzehnt weniger Kinder gezeugt werden. Das liegt nicht an der guten Verfügbarkeit von Kondomen oder vielen gleichgeschlechtlichen Neigungen.

Es liegt allein daran, dass der Deutsche auf den Deutschen keinen Bock mehr hat oder ansonsten keine Kinder in diese deutsche Welt setzen möchte. Viele sind einfach nicht so gemein zum noch ungezeugten Leben!

Man möchte sich nicht grundlegend miteinander befassen oder auseinander setzen. Man möchte nur konsumieren und genießen, aber sich nicht auf andere Menschen wirklich einlassen. Häufig aus gutem Grund.

Alles ist sehr oberflächlich und distanziert. Und geht es um Sex, dann am besten im persönlichen Egowahn irgendwo abstürzen und am nächsten Tag gehen, ohne vorher die Nummern auszutauschen.

Es ist nicht so, dass der Deutsche nicht Lust auf Sex hätte. Aber bevor er sich dafür auf andere Deutsche wirklich einlassen muss, lässt er es dann doch sein oder greift auf das Dienstleistungsgewerbe zurück.

Das sollte einem im positiven Sinn zu denken geben. Es liegt nicht an einem selber, in vielen der genannten Punkten auf der Strecke zu bleiben, es liegt an der Gesellschaft und trifft Millionen Bürger.

Man ist damit also ganz normal, keinen Bock mehr auf Deutsche zu haben und sollte all das nicht allein auf sich selber reflektieren: Wir sterben jetzt aus und damit ist es vorbei.

Das sollten wir in unseren Singlebuden mit oberflächlichen Kontakten doch locker aussitzen, wenn wir die letzten Jahre auch irgendwie überstanden haben!

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