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19/03/2016 05:26 CET | Aktualisiert 20/03/2017 06:12 CET

Darum schaden Cannabisverbote

Paul Bradbury via Getty Images

Ihr seid nicht frei sondern lebt innerhalb wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Zwänge

Wer sich innerhalb der Legalize - Szene bewegt, kennt viele Menschen, die mit Opiaten oder Alkohol Probleme hatten und dank dem Cannabis Abstand halten können. Schwerstabhängige Menschen sind vielfach nicht mehr zu einem abstinenten Leben fähig, sondern laufen wie ferngesteuert oder angestellt zur nächsten Bezugsquelle.

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Wenn diese Personengruppe jedoch kiffen kann, kann sie diesen krankhaften Suchttrieb zur Problemdroge häufig komplett überwinden. Oder warum wird Junks das Methadonprogramm geboten, wobei Methadon doch eigentlich noch schlimmer ist als Heroin? Weil diese Leute nicht mehr ohne Suchtmittel können, aber man ihnen wenigstens noch den bösen Rausch nimmt.

Macht es aus diesem Blickwinkel Sinn, wenn Schwerstabhängige, die sich gefangen haben, wegen ein paar Gramm Cannabis vom Richter zurück in den Sumpf getreten werden? Denn immer dann, wenn die Betroffenen mit dem Gesetz in Konflikt geraten, erfolgt der Rückfall praktisch automatisch.

Genau das animierte den härtesten Deutschen Jugendrichter Andreas Müller, der seinen Bruder vermutlich nur wegen dem Drogenkrieg verlor, zu seinem Werk „Kiffen und Kriminalität - Der Jugendrichter zieht Bilanz". Er ist seit Monaten auf Lesungen unterwegs und setzt sich aktiv für die Legalisierung ein.

Rauschgesellschaft


Weiterhin sollten wir uns alle darüber bewusst sein, dass wir eine Gesellschaft im Rausch sind. Dazu gehören auch Computerspiele, Glücksspiel, Sport, Sexsucht und einfach alles, was das Belohnugnszentrum im Gehirn aktivieren kann, jeder reagiert dabei auf etwas anderes. Aber wir können irgendwann nicht noch mehr konsumieren.

Und viele von uns oder sogar wir alle haben bereits diesen Punkt erreicht, an dem wir nicht noch mehr, sondern nur anders konsumieren können. Wäre es deswegen nicht sinnvoll, den Zugang zu weniger bedenklichen Rauschmitteln zu vereinfachen, damit man diese und nicht die gefährlicheren nimmt? Ist das Cannabisverbot aus diesem Blickwinkel nicht einfach nur schädlich?

Schützen Verbote problematische Jugendliche?


Jugendliche müssen sich finden, um später eigenständig leben und funktionieren zu können. Dabei rebellieren viele gegen ihre Eltern, gegen die Schule und gegen das System. Hier finden sich unzählige problematische Jugendliche.

Damit man derart rebellisch und kontraproduktiv wird, muss man schon was hinter sich haben, z.B. das eigene Elternhaus, gesellschaftliche Zwänge oder auch mobbende Mitschüler.

Wenn Cannabis verboten ist, werden diese Jugendlichen ihn dann nicht erst recht konsumieren, um damit zu rebellieren? Oder ist der Hanf verboten, damit diese Jugendlichen nicht aus Protest direkt Heroin spritzen?

Würde es vielleicht etwas bringen, wenn wir Kaugummi Kauen mit der Herleitung verbieten, dass es unschön ist, diese hinterher überall kleben zu haben? Erste Länder haben hier bereits Erfahrungswerte, da sie den Kaugummi verboten haben und können berichten, ob damit der Einstieg in den Drogenkonsum zurück ging.

Fehler in der Suchtbekämpfung


Die meisten Bürger denken mit zwei Schubladen: Alkohol in der einen Schubladen, alle verbotenen Rauschmittel in der anderen. Hanf landet mit Heroin, Crystal Meth oder Koks in einer Schublade und die ersten Kiffer, die eine stationäre Drogentherapie machen, lernen dabei viele Schwerstabhängige kennen.

Diese begrüßen die Kiffer oder andere „Softdrogen- Suchtis" in etwa so: „Mit Cannabis rein, mit Heroin raus" und dieses wird bei einigen der „therapiewilligen" Kiffer auch so gewesen sein.

Macht es Sinn, alle Drogensubstanzen in eine Schublade zu werfen oder ist das nicht das dümmste, was man machen kann? Warum therapiert man die ganzen Drogis nicht mit den ganzen Spritköppen in einer Abteilung zusammen? Damit sie nicht untereinander Brücken zu anderen Suchtmitteln bauen!

Hier sieht man den Unterschied, da der Alk immerhin legal ist, die Drogen jedoch verboten. Ist das die Grundlage, anhand der man Wirkstoffe in der Suchtbekämpfung betrachtet? Für was haben diese „Böcke" studiert, wenn sie selbst das nicht verstehen?

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Es fallen immer welche durch die Maschen


Egal, wie eine Gesellschaft sich organisiert: Es werden immer Menschen durch die Maschen fallen. Hier kann also nur die Schadenminimierung als Konzept funktionieren, bei dem das in Kauf genommen wird.

Aber man plant und spannt sein „Netz" so, dass weniger Menschen durch fallen oder dabei im Schnitt weniger Schaden nehmen. Derzeitige Cannabisverbote mögen wenigen Einzelpersonen vielleicht wirklich schützen.

Aber für jede dieser Personen werden doch wenigstens 5 andere durch diese Cannabisverbote beträchtlichen Schaden nehmen. Zum Beispiel jene, die sonst keine gefährlichen Medikamente oder Alkohol sondern Cannabis nehmen würden. Das als Erfolg verkaufen zu wollen, um daran festzuhalten, zeugt doch von Bosheit oder Dummheit!

Eine Gesellschaft kann ein „Sicherungsnetz" aufspannen, um die Bürger aufzufangen. Es werden dennoch immer einige durch die Maschen fallen und man kann es sich nicht aussuchen, wen es im einzelnen treffen wird.

Man kann natürlich Tendenzen setzen und Homosexualität, Cannabiskonsum oder rote Haare unter Strafe stellen. Schon werden diese Gruppen maßgeblich durch die Maschen fallen. Damit würde die Gesellschaft sich jedoch erheblichen Schaden zufügen, da es doch darum geht, jedem und somit auch sich selber einen annehmbaren Lebensraum zu bieten.

Das geht nicht, wenn man den einzelnen Menschen in seinem persönlichem Leben nicht respektiert und sogar mit Verboten ahndet. Deswegen haben all diese ideologisch betonten Verbote, wie wir sie auch aus Religionen oder dem Faschismus kennen, in der Kosten - Nutzenrechnung alle keinen positiven Bilanzwert. Außerdem kann man all das nicht verbieten und alles, was man gar nicht verbieten kann, sollte man regulieren, auch den Hanf.

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