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06/01/2016 11:11 CET | Aktualisiert 06/01/2017 06:12 CET

CDU Münster gegen das Recht auf Selbstbestimmtheit

Hubert Wimber unter Feuer von Josef Rickfelder

Lassen wir das „christliche" Mittelalter und das Dritte Reich mal beiseite, um die CDU zu schmähen, mit der es in den ersten Jahren der BRD immerhin noch illegal war, homosexuell zu sein.

Vermutlich war das eine ganz gefährlich ansteckende Seuche und man tauschte in dem Verfolgungssystem das Strafwesen gegen das Gesundheitswesen aus und sperrte die Homosexuellen nicht mehr in den Knast, sondern in die Psychiatrie. Heute hingegen gehört es zum guten Ton, Schwul zu sein, könnte man meinen.

Man meinte es jedoch immer nur gut mit den Menschen und wollte ihnen auf den „rechten" Weg helfen, um sich in der Mitte der Gesellschaft zu befinden. Bei dem, was diese Gesellschaft damit leider ist: Wer will das schon? Aber mit all diesen so „ehrbaren" Absichten konnte sich das Recht auf Selbstbestimmtheit für die eigenen persönlichen Belangen für Homosexuelle komplett aushebeln lassen.

So wie heute beim Cannabis. Auch heute ist die CDU noch gegen den freien und mündigen Bürger und wird gewiss weiterhin auf den gläsernen Menschen zusteuern.

Vor Wochen fand sich ein Artikel (leider nicht wiederauffindbar) einer Jungen Union (Jugendverband der CDU) und hier erklärte man sinngemäß Folgendes: „Zum Wohle des einzelnen Bürgers und damit der Gesellschaft wäre es gerechtfertigt, diesen seiner Selbstbestimmtheit zu berauben und über ihn hinweg zu seinem „Wohle" zu entscheiden."

Wer im Einzelfall über einen hinweg entscheidet, entscheidet gewiss zu seinem eigenen Wohle und man ist ihm schlussendlich völlig egal solange man sich in das gewünschte Weltbild formt.

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Inzwischen sind Kiffer bereits krank und nicht mehr kriminell. Hurra!

Am 29.12.2015 werden Statements auf der Website CDU Münster von Josef Rickfelder und eben der CDU Münster on gestellt, die sich gegen diese Selbstbestimmtheit der einzelnen Bürger in ihren privaten Belangen wenden.

Selbst erwachsene Bürger sollen nicht einfach legal Cannabis zu Genusszwecken verwenden dürfen, weil dieses ganz gefährlich für die Jugenderziehung wäre. Wenn das Kiffen für Erwachsene gebilligt wird, könnten sie meinen, dass es gar nicht gefährlich ist und selber das Kiffen anfangen.

Damit „doofe Rotzgören" die richtige Signalwirkung vorgemacht bekommen, kann der erwachsene Bürger sich wie blöd bevormunden und sich in seiner Existenz vernichten lassen! Wir sitzen im Knast, damit Spießer ihre Kinder besser erziehen können! Sind wir dann endlich die Penner, die wir sein sollen, dient auch das der richtigen Signalwirkung: So schlimm wird einem das Kiffen gemacht, deswegen lasst es sein! Jetzt weiß man noch immer nicht, ob das Kiffen an sich wirklich so schlimm ist oder nicht.

Aber darum geht es immerhin auch nicht!

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Selbstbestimmtheit für die richtige Signalwirkung über Board werfen?

Der selbstbestimmte Mensch existiert bei der CDU dann, wenn er ohnehin alles so macht, wie er es soll. Ansonsten muss man ihn halt ins Förmchen pressen, bis das Rückrad bricht und man einen weiteren gescheiterten aber bequemen Menschen hat.

Damit unsere Jugend auch gut ins Förmchen passt, ist die richtige Signalwirkung ganz wichtig. Aber was bedeutet denn das Cannabisverbot für Jugendliche? Sie haben einen weit besseren Zugang zu Cannabis als zu Alkohol, da Cannabis auf dem Schwarzmarkt verfügbar ist.

Warum wird auf dem Schwarzmarkt nicht Alkohol in großen Mengen an Jugendliche verkauft? Weil der legale Alkoholverkauf zumindest besser als ein Verbot für den Jugendschutz funktioniert! Natürlich wird es ältere Freunde geben, die an jüngere verteilen aber wenn die Abgabe an Jugendliche verboten ist, kann man gegen diese auch weiterhin vorgehen.

Das bedeutet, dass Jugendliche über den Schwarzmarkt derzeit einen sehr guten Zugang nicht nur zu Cannabis haben. Würde man den Cannabismarkt regulieren, würde der Schwarzmarkt viel überschaubarer werden und man könnte sehr gut gegen die letzten Dealer vorgehen.

Das bedeutet, dass die Relegalisierung von Cannabis bei der richtigen Umsetzung einen weit besseren Jugendschutz ermöglichen würde. Wieso klappt das denn beim Alkohol und beim Tabak wenigstens etwas? Weil es reguliert wird!

Herr Wimber hat mit Aussagen, dass eben für den Jugendschutz ein geregelter Cannabismarkt sinnvoll ist, demnach völlig recht. Aber weiterhin ist es definitiv nicht zu rechtfertigen, die Selbstbestimmtheit der Bürger in ihren privaten Belangen zur „Jugenderziehung" maßgeblich einzuschränken und Existenzen zu vernichten.

Herr Wimber und andere gründeten im Jahr 2015 den deutschen Ableger von LEAP, Law Envorcement Against Prohibition.

Herr Rickfelder greift nicht nur Herrn Wimber, sondern auch Bündnis 90 - Die Grünen aus Münster an. Diese haben zusammen mit SPD und FDP die Linke, die Piraten, die ÖDP und einigen Parteilosen gegen die Stimmen von CDU und AFD ein Cannabis Modellprojekt in Münster auf den Weg gebracht, welches noch genau definiert und dann beantragt werden muss.

Die CDU war zwar dagegen, es tauen jedoch erste Mitglieder der schwarzen Riege auf. Dieser Gedanke geht im Übrigen auf die DHV Ortsgruppe Hanffreunde MS zurück.

Die Aussagen von Herrn Josef Rickfelder, CDU Kreisvorsitzender Münster, zum Sinn des Cannabisverbots sind deswegen bei genauerer Betrachtung unhaltbar:

„Der Verein (LEAP) blendet die gesundheitlichen Risiken von Cannabis gerade für junge Menschen völlig aus."

„Bei jungen Menschen lähmt Cannabis die Kreativität und mindert die Intelligenz. Eine Legalisierung (für Erwachsene Menschen) wäre völlig falsch."

„Immer wenn es um Gesundheit und Leben geht, sollten wir besonders vorsichtig sein und Risiken und Chancen genau abwägen."

Zum letzten Zitat: Was ist denn dann mit Kernkraft, Fracking, TTIP, Braunkohle, Gentechnik, Rüstungsexporten und all den anderen Konzerngeschenken? Da sterben Menschen, vom Kiffen nicht.

Kann man das nicht alles einfach verbieten? Nein, da geht es um Arbeitsplätze! Beim Kiffen übrigens auch: Strafwesen und Gesundheitswesen sind neben der Pharma und anderen Industriezweigen Nutznießer. Als nächstes erklärt die CDU Münster noch, es gehe ihr ums Prinzip, wenn sie gegen die Selbstbestimmtheit der Bürger wettert aber die Selbstbestimmtheit der Konzerne kaum antastet.

Frei und selbstbestimmt ist in Deutschland nur derjenige, der auf Linie mitschwimmt. Andere sind das nicht! Nicht nur die CDU Münster sollte vielleicht mal über ihre eigenen Aussagen nachdenken: Nicht alle Bürger haben sich das selbstständige Denken abgewöhnen lassen! Wo genau kommen wir dann wieder hin, wenn dem erwachsenen Mensch sein Recht auf persönliche Selbstbestimmtheit nicht zugestanden wird!

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