BLOG
10/04/2016 10:39 CEST | Aktualisiert 11/04/2017 07:12 CEST

Wie der Staat uns alle wie Kleinkinder behandelt

Tatiana Belova via Getty Images

Die Farce vom selbstbestimmten Bürger

Wer nicht so ist, wie er sein soll, der wird passend gemacht oder fällt durch die Maschen unseres gesellschaftlichen Systems. Dabei gibt es natürlich Situationen, in denen die Betroffenen offensichtlich keine eigene Schuld trifft. In vielen anderen Situationen ist das nicht so offensichtlich und es wird einem erklärt, dass man sich auch mal was sagen lassen muss. Wer will, der schafft es auch und wer es nicht schafft, der will halt nicht. Man ist des eigenen Glückes Schmied. Oder: Man kann doch an der eigenen Persönlichkeit arbeiten, um endlich etwas anderes zu werden, als man selber ist. Dann ist man so, wie man sein soll. Dass man vielleicht ganz andere Vorstellungen vom Leben hat, interessiert dabei keinen. Wie genau ist das denn jetzt mit dem freien, mündigen und selbstbestimmten Bürger, wenn dieser nicht über sich selber entscheiden kann und nicht sein darf, was er ist? Und sollte er es dennoch wagen, der Norm nicht zu entsprechen, dann fällt er durch die gesellschaftlichen Maschen, bis er es wieder einsieht, was anderes als er selber sein zu müssen. Dass diese „Unbelehrbaren" im Leben an den künstlich aufgebauten Problemen scheitern, gehört hierbei zum Programm, damit sie es dann irgendwann doch noch „begreifen", was gut und richtig ist. Gemeint ist nicht, dass der Mensch um die 20 immerhin noch seinen Weg finden muss. Es hört auch nicht auf, wenn man 30 ist. Und hierbei geht es nicht darum, dass man im Laden nicht stiehlt oder im Straßenverkehr die Straßenverkehrsordnung beachtet. Hier geht es darum, beim bürgerlichen Leistungswahn nicht mit zu machen, sich die Rauschmittel nicht vorgeben zu lassen, eine eigene Sexualität auszuprägen, in der Wohnung einen anderen Lebensweg bestreiten zu wollen oder einfach nur der Norm nicht zu entsprechen. In diesem Artikel sind die anmaßenden Forderungen an den Menschen in seinen persönlichen Belangen zu betrachten und nicht, dass man außerhalb der eigenen Wohnung eine lockere gesellschaftliche Ordnung braucht. 2016-04-07-1460046178-2586687-IMG_1472hma.jpeg

Erwachsene lang machen, um Kinder zu erziehen

Den erwachsenen Bürger eine Kleinkinderziehung bis ins Rentenalter zu unterziehen, ist eines. Aber dieses im Bereich der Cannabisverbote, die selbst den Patienten den Zugang zur besseren Medizin maßgeblich erschwert, mit der „richtigen Signalwirkung" zu begründen, ist mehr als fatal. Es müssen erwachsene Menschen im Knast brummen, damit irgendwelche Grundschüler später mal kein Cannabis rauchen? Dann kann man mit dem Finger zeigen und sagen, wie schlimm Cannabis ist. Aber warum sitzen denn erwachsene Menschen im Knast? Wegen dem Cannabis oder wegen der Cannabisverbote? Was ist denn jetzt schlimm und was ist schlimmer? Wie kann es denn in unserer aufgeklärten Welt sein, dass Kiffer im Knast schmoren, damit irgendwelche Elten mit Bierkrug in der Hand ihren Kinder erzieherisch sagen können: „Da sieh, wo dich das hin bringt." Diese Gesellschaft ist derart krank und krank gemacht, dass sie den Irrsinn dieser maßgeblichen Verblödung nicht mehr begreift, begreifen kann oder begreifen will. Kommt man den Leuten in ihrer heilen Welt mit diesen Wahrheiten, dann wird man weg geblockt, da das nicht sein kann, was nicht sein darf. 2016-04-07-1460046378-1306719-IMG_9605hma.jpeg

Kleinkinderziehung bis ins Rentenalter gibt es nicht?

Es sind nicht alle Menschen gleich. Wer in der Sonne steht, weiß nicht, wie es sich im Regen anfühlt. Die derzeit noch erfolgreichen können deswegen die Situation vieler anderer Bürger nicht nachvollziehen. Diese versuchen, materiell und psychisch irgendwie über die Runden zu kommen. Steht das Inkasso vor der Tür, kommt das Anwaltsschreiben oder muss man sich „einvernehmlich in Behandlung" begeben, weil die künstlich schwer gemachte Last des Lebens einen erdrückt, dann wird man verstehen, was mit der Kleinkinderziehung bis ins Rentenalter gemeint ist. Überall gibt es zu viele Regeln sowie Verbote. Es gibt überall Leute, die es besser wissen und einem den Weg weisen oder sogar über einen hinweg entscheiden. So wie Eltern es für ihre Kleinkinder machen, geht es bei vielen bis ins Rentenalter oder eher bis in den Sarg am Stück weiter. Hierbei fängt es bei den meisten aber erst irgendwann später im Leben an, wenn sich Probleme auftun. Ob Gesundheit, materieller Status oder die Gesetze: Man hat immer schön alles abzunicken und kann allerhöchstens ein paar Kompromisse aushandeln. Das hat mit dem freien, mündigen und selbstbestimmten Bürger wirklich gar nichts mehr zu tun, wenn man auf freiwilliger Basis das eine macht, damit das andere nicht passiert. Damit sind jetzt nicht selbstverschuldete Ratenzahlungskäufe gemeint, die man abstottern muss. Hier geht es wirklich um Dinge wie Harz IV Sanktionen, kaschierte Zwangstherapie oder aber die Bevormundung innerhalb der Privatsphäre, in der man doch bitte zu jemand anderem werden soll, der gesellschaftlich besser ins Bild passt. Das ist die Welt, in der Millionen Menschen in Deutschland leben und sich bereits darüber freuen, wenn diese Kleinkinderziehung bis ins Rentenalter mal wieder ein paar Monate pausiert. Wer das für sich anders sieht, hat im derzeitigen System gute Chancen, es im Rentenalter doch noch erleben zu müssen, wenn es dann die Angehörigen oder das Pflegepersonal für einen besser wissen, was gut und richtig ist.
Ihr habt auch ein spannendes Thema? Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.
Auch auf HuffPost:

Video: "Konsum legal - Besitz verboten": Warum das Cannabis-Gesetz absolut absurd ist

Lesenswert: