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21/12/2015 07:55 CET | Aktualisiert 21/12/2016 06:12 CET

Mehr als nur Party: Wie ich als Expat meine Community unterstütze

riccardo salis

Expats haben nicht immer einen guten Ruf. Wir werden oft als Workaholics angesehen, die den Großteil ihrer Zeit im Büro verbringen, oder Partymenschen, die sich die Nächte in Clubs um die Ohren schlagen, ohne auch nur einen Hauch an Interesse an dem Land zu zeigen, in dem wir leben. So wie alle Klischees mag dies auf manche durchaus zutreffen, aber es geht auch anders:

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Direkt nach meinem Umzug von Italien nach München bin ich InterNations, der weltweit größten Community für Leute, die im Ausland leben und arbeiten, beigetreten. Ich habe an vielen Events und Freizeitaktivitäten teilgenommen, die InterNations regelmäßig für seine Mitglieder organisiert, hatte viel Spaß und fand schnell neue Freunde. Auch in den verschiedenen Gruppen, die es für alle möglichen Interessen und Hobbies gibt, fand ich schnell Anschluss. Eine davon war die InterNations Volunteer Group.

Eines Tages fragten mich einige Freunde, die diese Gruppe in München leiten, ob ich mir nicht vorstellen könnte, sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Von Mensch zu Mensch: Expats helfen Flüchtlingen


Das InterNations Volunteer Program ist eine weltweite Initiative, die durch das Engagement von mehr als 23.000 Mitgliedern in 32 Städten getragen wird. Die freiwilligen Helfer unterstützen Non-Profit Organisationen vor Ort und organisieren Ausflüge und Fundraising-Aktivitäten oder sammeln Sachspenden. Für mich war das eine Möglichkeit, meine Energie und meinen Enthusiasmus einer sinnstiftenden Sache zu widmen, die nicht nur das Leben anderer, sondern auch mein eigenes Leben bereichern würde.

Allein in München engagieren sich rund 2.000 InterNations Mitglieder in der Flüchtlingshilfe. Neben anderen Aktivitäten treffen sich die Freiwilligen einmal im Monat, um Spenden zu sammeln. So sind allein in diesem Jahr mehr als 1.500 Kleidungsartikel, Hygieneprodukte und andere Dinge, die die Flüchtlinge dringend brauchen, zusammengekommen. Viele der freiwilligen Helfer unterstützen außerdem Flüchtlingskinder beim Hausaufgaben machen und helfen ihnen mit Lernspielen erste Sprachkenntnisse zu erlangen.

Es gibt also viel zu tun. Als das Volunteer Team auf mich zukam und mir vorschlug, mich nicht nur als Mitglied, sondern auch als Organisator zu engagieren, ergriff ich die Chance sofort.

Menschen glücklich machen


Wir stellen viele unterschiedliche Aktionen auf die Beine. Dabei kann es um Integration, Bildung, Freizeit oder ganz allgemein tatkräftige Unterstützung der Geflüchteten gehen. Das Wichtigste für mich ist aber immer, die Menschen um mich herum glücklicher zu machen.

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Einmal im Monat organisiere ich zusammen mit anderen Organisatoren (wir nennen uns Consuls) die sogenannte Social Impact Night. Das ist eine Veranstaltung für Freiwillige, die jeden Monat unter einem anderen Motto über unsere Ziele informiert oder das Bewusstsein für soziale Probleme schärft. Hier fand auch eines meiner schönsten und spannendsten Erlebnisse als Consul statt. Ich habe alle Teilnehmer in Gruppen eingeteilt und ihnen die Aufgabe gegeben, ein Spielzeug zu basteln. Jedes Spielzeug musste eines dieser Kriterien erfüllen:

a) ein Kind zum Lächeln bringen

b) ein Kind zum Spielen bringen

c) es dazu bringen, einer Geschichte zuzuhören.

Bald waren die Aufregung und Freude im ganzen Raum zu spüren und ich konnte die Besucher kaum zum Aufhören bewegen, als die Zeit um war. Am Ende wurde die beste Bastelarbeit mit einem symbolischen Preis ausgezeichnet. Diese Aktion hat fast hundert Menschen zum Lächeln gebracht und ich bin an diesem Abend stolz und glücklich nach Hause gegangen.

Organisation ist alles: Das Leben eines Consuls


Die Rolle des Consuls hat ihre ganz eigenen - vor allem organisatorischen - Herausforderungen. Zum Glück ist die Münchner Volunteer Group wie eine riesige Familie, in der sich alle gegenseitig unterstützen. Da ich die Gruppe als Teil eines großartigen Organisationsteams leite, stimme ich mich regelmäßig mit meinen Kollegen ab, um sicherzustellen, dass wir alle an einem Strang ziehen. Außerdem betreue ich die Profilseite der Münchner Volunteer Group und bin als einer der Hauptansprechpartner ständig mit unseren Gruppenmitgliedern in Kontakt.

Aber es gibt noch viel mehr zu tun: Ich stehe mit unseren Kontaktpersonen der lokalen Flüchtlings- Erstaufnahmeeinrichtung Caritas Alveni in Verbindung und koordiniere gemeinsam mit ihnen unsere Hilfsaktionen.

Insbesondere die Unterstützung der Mitglieder und freiwilligen Helfer, ohne die unsere Aktivitäten nicht möglich wären, zu organisieren nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn ich aber den Enthusiasmus und die Freude sehe, mit dem unsere Freiwilligen an die Sache herangehen, und die tolle Arbeit, die sie leisten, dann weiß ich, dass es die Sache wert ist.

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Falls ihr euch auch in der InterNations Volunteer Group als Ehrenamtliche für Flüchtlinge in München engagieren möchtet, könnt ihr euch auf https://www.internations.org registrieren und mich über mein Mitgliederprofil persönlich kontaktieren.

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