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20/04/2016 11:52 CEST | Aktualisiert 21/04/2017 07:12 CEST

Jedes Team ist eine Band und jede Band ist ein Team

Aleksander Rubtsov via Getty Images

Warum wir den Dicken, die Dünne, den Lauten, die Leise, den Vielseitigen, die Schrille brauchen.

Betrachten Sie Ihre Mitarbeiter oder Ihr Team einmal mit den Augen eines Bandleaders. Wahrscheinlich werden Ihnen als erstes die Starallüren des ein oder anderen auffallen, aber um die geht's erstmal nicht. Der Fokus ist auf die Persönlichkeiten und Funktionen gerichtet.

Was haben eine Band und ein Team gemeinsam?

In beiden Fällen handelt es sich um einen Haufen von Individualisten, die mit dem guten Vorsatz zusammenkommen, in der Gruppe etwas zu bewegen.

Diese Individualität der einzelnen Player erscheint mitunter als Fluch oder Segen für das erreichen der angestrebten Ziele.

Musiker wie Teams stehen oft vor der Frage:

  • Muss sich der Laute derart aufblasen?
  • Hat die Leise wirklich nichts zu sagen?
  • Muss der Dicke sich immer so breit machen?
  • Hat die Schrille noch was anderes zu tun als zu nerven?
  • Gibt der Antreiber denn nie Ruhe?
  • Hat der Vielseitige wirklich zu allem eine Meinung?
  • Brauchen wir die Harmonie, bei der auch im tiefsten Grau alles schön und wunderbar ist?

Ja, genau die braucht's!

Warum denn? Wir wollen doch in Ruhe unseren Job machen und erfolgreich werden, da stören die alle nur..

Aha, schön nebeneinander herschweigen, nicht anecken, nicht auffallen? Stellen sie sich das mal musikalisch vor! Wer bitte will eine Band hören, in der alles linear verläuft. Keine Höhepunkte, keine lauten, oder leisen Stellen, null Dynamik im Spiel, der Performance, kein falscher Ton.

Alleine schon die Vorstellung des Bühnenbildes lässt einen erschaudern. Tristesse pur. Null Inspiration, Null Motivation, Null Emotion, keine ansprechenden Songs und dauerhaft garantiert Null Zuschauer, Fans, geschweige denn Groupies.

Wir brauchen jeden dieser mitunter andersartigen Zeitgenossen für unseren Erfolg:

Den Dicken, den Bass

Er erscheint uns manchmal ein wenig zu bodenständig oder behäbig in seiner Art, macht sich gerne sehr breit und verteilt sich im ganzen Raum. Genau das ist seine Funktion:

Er bildet die Basis mit seinem soliden Sound, vermittelt Sicherheit und Souveränität. Meistens fällt er erst dann auf, wenn er nicht da ist, weil auf einmal die Grundsubstanz, der gewisse Gemütlichkeits-/Wohlfühlfaktor, fehlt.

Den Antreiber, den Drummer:

Die Band muss inhaltlich zusammengehalten werden. Dazu braucht's das perfekte Timing.

Ihm stehen verschiedenste Hilfsmittel zur Etablierung seiner Mission zu Verfügung.

Souverän antreibende Bassdrums, einpeitschende Metallkessel, akzentsetzende Becken. In der Koordination dieser Sounds mit dem Ziel, einen soliden Groove zu finden damit der Rest der Band perfekt zusammenspielt, liegt die grosse Kunst des Drummers.

Eine kleine Unpräzision und alle Mitspieler leiden darunter, arbeiten unter Umständen sogar gegeneinander. Einzelne Bandmitglieder können aus dem Rhythmus kommen und die Performance wird zum Desaster.

Die Harmonie, den Keyboarder/Pianisten:

Unabdinglich für ein nachhaltig schönes Klangerlebnis und nicht mit Langeweile und Friedefreude gleichzusetzen.

Jeder Akkord seines Spiels bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, gespielt zu werden. Neben den diesen bildenden drei Standardtönen, können an den verschiedensten Positionen befreundete, aber auch manchmal Reibung erzeugende Töne hinzugefügt werden. Dadurch entsteht Spannung, wird den Mitspielern Raum für Kreativität geboten, neue Wege eröffnet, ohne die Komposition in ihrem Grundgedanken zu verändern.

Der dies umsetzende Keyboarder nimmt eine entscheidende Führungsposition ein und verfügt über ein großes Machpotential. Eine Menge an Erfahrung und Kenntnisse über das komplex miteinander verwobene Harmoniesystem, der Harmonielehre, sind nötig, um diese kreative, motivierende, zu jedem Zeitpunkt zielführende Führungsposition auszuüben.

Durch seinen Zugriff auf einen gigantischen Soundfundus, verfügt er über das Potential des Multiinstrumentalisten. Auch hier zählt die Erfahrung und das Wissen über die Handhabung und Einsatzmöglichkeiten dieser, damit alle Möglichkeiten perfekt zu Einsatz gebracht werden können.

Fällt, aus welchem Grund auch immer, der Rest der Band mal aus, so kann der Keyboarder über eine lange Strecke hinweg das Konzert, die Performance mir seinen Fähigkeiten fortführen, ohne dass der Zuhörer etwas merkt.

Den Vielseitigen, den Gitarristen:

Er bringt Dynamik ins Spiel, agiert auf der einen Seite einfühlsam, auf der anderen sorgt er mit seinem lauten, mitunter verzerrten Sound, für Aufsehen.

Die Fans hören ihm akustisch, in kleiner Runde am Lagerfeuer sitzend, genauso gerne zu wie auf der großen Bühne, wo er seine Verstärker brettlaut aufreißen kann, um zu zeigen, was er drauf hat.

Ohne Zweifel, ist er der „Poser" in der Band, liebt sich und seine Bewegungen. Diese Selbstverliebtheit birgt jedoch auch ein ziemliches Risiko:

Er kommt mitunter dem Leadsänger in die Quere. Und/oder übertreibt er es mit seiner Lautstärke, so macht er die komplette Band platt. Keiner ist mehr zu hören, nur noch die dröhnende Gitarre. Das kann extrem nerven und zu Konflikten führen!

Geht es darum ein Solo zu spielen, ist er am Start. Das kann gut sein, muss es aber nicht.

Ein Solo auf Egotripbasis degradiert ihn schnell zum Aussenseiter und Spielverderber, bringt den Rest der Band gegen ihn auf, oder alle ziehen sich zurück, bis das Drama vorbei ist.

Zumindest an die Harmonien und den Songablauf sollte sich der Solist halten, um nicht den kompletten Bandzorn auf sich zu ziehen.

Der virtuose Solist dagegen kreiert im Sinne von Santana, Clapton, Slash etc. mit seinem Alleingang einen Song im Song. Ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Gesamtkunstwerkes, das immer wieder und wieder gehört werden will.

Hier erkennt man das wahre Talent des Gitarristen. Der individuelle Sound, den man aus Tausenden heraushört, den andere nachzumachen versuchen, der aber immer irgendwie unerreichbar ist, zeichnen zudem den wirklich guten und erfolgreichen Gitarristen aus.

Diese charakterliche und funktionelle Zuordnung lässt sich auf viele Positionen und Teamfunktionen nebst dazugehörigen Instrumenten anwenden.

Und, wie klingt Ihre Band? Wer braucht ein wenig Support, wer sollte mal wieder üben, oder zumindest sein Instrument auf die richtige Stimmung hin überprüfen?

Sehr spannend und zielführend ist es auch innerhalb des Teams die einzelnen Player zu benennen, bzw. in der klassischen Eigen-/Fremdwahrnehmung zu erforschen welches Instrument ein jeder sich selbst und natürlich dem anderen zuordnet...

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