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17/10/2015 12:45 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Was die Flüchtlingskrise mit der eigenen Familie zu tun hat

Jessica Peterson via Getty Images

Eine ganze Weile war ich jetzt stiller Beobachter bezüglich der Flüchtlingskrise. Allerdings gibt es mittlerweile kaum noch einen Ort, der uns von diesem Thema fern hält. Und ich glaube, dass wir alle mit Gefühlen konfrontiert werden, die sich auf einer Messlatte zwischen Angst und Mitgefühl bewegen.

Wir sind im Außen mit einer Situation konfrontiert, für die wir weder eine Lösung haben, noch wissen wir, wie wir damit umgehen sollen. Unsicherheit ist an allen Ecken zu spüren. Gefühlsbewegungen, die manchmal einer Achterbahn gleichen. Wir werden nicht mehr gefragt, ob wir es mögen, Achterbahn zu fahren. Ob wir wollen oder nicht - wir sind der Gefühlsachterbahn ausgeliefert, die sich mitten in uns selbst befindet.

Ein anderer Blickwinkel

Würden wir den Blickwinkel einmal für einen kurzen Moment von den Flüchtlingen und deren Schicksal abwenden, könnten wir wahrnehmen, was in uns selbst los ist. Wir würden spüren wie viel Angst bei uns hochkommt, wenn wir nur daran denken, dass immer mehr Flüchtlinge zu uns kommen. Da wir jedoch in der Vergangenheit gute Strategien entwickelt haben, unsere Angst zu verdrängen, werden wir jetzt um so heftiger von ihr überrollt. Wir können sie nicht länger ignorieren.

Auch wenn im Außen der Krisenfall eingetreten ist, gilt es nun, einen Blick in unser Inneres zu wagen. Denn die Flüchtlingskrise hat sehr viel mit uns selbst, mit unserer eigenen Familie zu tun. Die äußere Situation ist nur ein Abbild unserer inneren Wirklichkeit. Wie außen so innen und wie innen so außen.

Kennst du das Gefühl, von einer Welle überrollt zu werden und nichts tun zu können?

An der aktuellen Situation in unserem Land können wir sehen, wie schwer es uns fällt, uns selbst wahrzunehmen und Grenzen zu ziehen. Aber warum ist das so? Wir haben nie gelernt, wie es geht, klare Grenzen zu ziehen, für uns selbst einzustehen und das es vollkommen in Ordnung ist, uns auch schützen zu dürfen.

Ganz oft wird man als selbstlos und egoistisch hingestellt, sobald man gut für sich selbst sorgt. Doch schon Jesus hat uns vor 2000 Jahren vermittelt: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." Nur wenn es uns selbst gut geht, können wir auch gut für andere sorgen.

Wir dürfen uns als Frau, als Mann, als Familie, ja genau so wie unser Land mit seiner Kultur schützen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Dazu brauchen wir Kraft, eine gehörige Portion Mut und vor allem Selbstvertrauen. Mich macht es traurig zu sehen, wie unzählige Familien zerrüttet sind, auseinander brechen und fassungslos vor einem Trümmerhaufen stehen.

Bestimmt ist es unmöglich, alle Familien zu retten, darum geht es mir auch nicht, mir geht es viel mehr darum, den Wert einer Familie wieder zu erkennen und dafür kompromisslos einzustehen. Dieser Mann, diese Frau, diese Kinder haben sich doch alle einmal geliebt. Wo ist diese Liebe geblieben?

Was braucht es, um die Liebe am Leben zu erhalten?

Unsere Familien brauchen Stabilität und Zuverlässigkeit, damit sich die einzelnen Mitglieder sicher und geborgen fühlen können. Sicherheit, Zuverlässigkeit, Geborgenheit, Vertrauen, Stabilität - all diese Eigenschaften können sich nur in einem klar abgegrenzten Raum entfalten. Eine Familie ist so ein Raum, nur gibt es keine klaren Grenzen, an die sich alle Familienmitglieder halten. Darüber wird nicht gesprochen, wo es doch so wichtig wäre.

Ich glaube, wenn jedes Elternpaar, zuerst alleine und später wenn Kinder dazu kommen mit den Kinder gemeinsam, festlegen würde, was für Werte sie leben wollen und wie sie diese auch in schwierigen Lebenssituationen bewahren können, hätten wir friedlichere Familien. Gerade wenn es schwierig wird brauchen wir klare Grenzen, in denen wir uns bewegen können, ohne Gefahr zu laufen, dass jemand wegrennt oder jemand von außen den vermeintlichen „Frieden" stört.

Lade die Liebe in dein Leben und in deine Familie ein, jeden Tag NEU.

Wir alle wissen, bei einem Fußballspiel gibt es ein klar abgestecktes Spielfeld, zwei Mannschaften und eine Menge Spielregeln. Was glaubst du, würde passieren, wenn es diese klaren Regeln und Grenzen nicht gäbe? Würden die Spieler sowie die Zuschauer Spaß an solch einem Spiel haben? Bestimmt nicht, denn es würde im Chaos enden.

Genau so wie in diesem Beispiel endet jede Beziehung, jede Familie, jede Organisation und jedes Land im Chaos, wenn keine klaren Regeln und Grenzen vereinbart wurden, die auch eingehalten werden. Jede Regel, jede Grenze ist aber nur sinnvoll, wenn auch klare Konsequenzen getroffen sind für die Nichteinhaltung der Regeln und Grenzen. Ich bin kein Freund von Strafen und möchte hier auch nicht zu Strafen animieren, und doch finde ich wichtig vor Augen zu haben, was auf mich zukommt wenn ich gesteckte Grenzen überschreite.

Was meine ich mit Regeln, Grenzen und Konsequenzen in einer Familie?

Ein Mann, der in einer glücklichen Familien lebt, erzählte mir einmal, wie sie es in ihrer Familie handhaben. Da gibt es die Eltern und drei Kinder, die zusammen ein System bilden, indem sich alle geborgen und wohl fühlen wollen. Die klare Grenze war, dass diese fünf Personen zur Familie gehörten und alle Familienthemen wurden untereinander besprochen.

Die Regeln wurden ermittelt durch die Werte, die sie leben wollten. Eheprobleme gehörten zu den Eltern und sonst zu niemandem. In dieser Familie wusste jeder genau, woran er ist. Das gab allen Sicherheit, die wiederum dazu führte, die Grenzen und Regeln je nach Bedarf zu erweitern.

Grenzen und Regeln müssen nicht für immer in Stein gemeißelt sein.

Vorteile klarer Grenzen in einer Familie:

- Die Kinder können sich frei entwickeln, es herrscht Vertrauen

- Steht ein Problem an wird es in der Familie besprochen und nach Lösungen gesucht.

- Eltern erfahren die Sorgen und Nöte ihrer Kinder.

- Die Kinder wissen, dass sie sich auf die Eltern verlassen können.

- Eltern vermitteln ihren Kindern, dass sie zusammen bleiben, weil sie es wollen.

- Jeder einzelne hat Unmengen von Freiraum, um sich selbst zu entfalten.

- Alle zusammen entdecken Möglichkeiten, die einer allein nie kennen kann.

- Jede/r einzelne fühlt sich gesehen und angenommen mit seinen Bedürfnissen.

Dieser Mann erzählte mir auch, wie sehr er den respektvollen und achtsamen Umgang aller Familienmitglieder miteinander wertschätzt und genießt. Möglich ist dies allerdings nur, weil sie so klare Grenzen haben. Ich fragte ihn, ob ihm noch nie eine andere Frau begegnet sei, bei der er hätte schwach werden können.

Seine Antwort: „Klar sind mir Frauen begegnet, die mich gereizt haben, aber ich wusste immer, was mir meine Frau und meine Familie wert ist. Meine Frau würde mich sofort verlassen, wenn ich etwas mit einer andern Frau hätte." Er kennt ganz klar die Konsequenz, was er als Vorteil bezeichnet.

Mein Fazit:

Indem wir Selbstvertrauen aufbauen, uns erlauben, klare Grenzen zu ziehen, um unsere Werte zu schützen, geben wir uns selbst, unseren Familien und unserm Land Stabilität. Aus dieser Stabilität heraus können Grenzen erweitert werden, wenn nötig und erwünscht. Allerdings immer im Hinblick auf die Werte und Regeln, die das System halten.

Klar kannst du jetzt sagen: „Aber in Krisensituationen ist alles anders und momentan befinden wir uns in einer Krise." Dann sage ich dir: „Gerade in Krisensituationen ist es wichtig, sich an den eigenen Werten und Regelsystem zu orientieren, um so einen klaren Kopf zu bewahren."

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