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10/03/2016 07:20 CET | Aktualisiert 11/03/2017 06:12 CET

Psychische Erkrankungen: Was uns unsere Leistungsgesellschaft kostet

Caiaimage/Sam Edwards via Getty Images

Die moderne Leistungsgesellschaft

fordert Millionen Euro

7.569,6 Millionen Euro betrugen die geschätzten Kosten des schwarzen Lochs jährlich für Unternehmen in der BRD. Noch schlimmer: diese Kosten haben sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt.

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Setzt sich der Trend unverändert fort, dann sind es im Jahr 2025 bis zu 15.139,2 Millionen €. Stoppen kann diese Entwicklung nur eine wirklich wirksame Intervention. Leider bleibt die Trendwende noch aus.

Uns steht ein Desaster bevor

Worum geht es? Die DAK meldet für das Jahr 2014 die Zahl von 6,3 Millionen Krankentagen wegen psychischer Erkrankungen wie Depression, Anpassungsstörung, Burn-out etc.

Andere Krankenkassen berichten vergleichbare Zahlen.

Legt man diese Zahlen auf die gesamten berufstätigen Versicherten in Deutschland um, so ergibt sich eine Hochrechnung von mindestens 66,4 Millionen Krankentagen in 2014.

Dabei liegt die durchschnittliche Krankheitsdauer bei ca. 42 Tagen, also im Bereich der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Bei einem jährlichen Durchschnittsgehalt von 32.000€ in 2014 zzgl Lohnnebenkosten von ca. 30 %, kostet ein Arbeitstag ein Unternehmen rein rechnerisch 114 Euro. Mit der Anzahl der Krankheitstage von 66,4 Millionen multipliziert, ergibt sich diese gigantische Zahl von 7.569,6 Millionen Euro.

Nicht eingeplante Millionenlöcher

Diese riesigen Summen werden alleine durch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bei psychischen Erkrankungen in 2014 in der BRD verursacht. Immerhin sind psychische Erkrankungen inzwischen auf Platz zwei der Krankschreibungen angekommen.

Lohn- und Gehaltskosten werden sicherlich geplant. Aber wird berechnet, wie groß die Verluste für die Unternehmen wirklich sind, wenn sie die eingekaufte Gegenleistung in Form von Arbeit nicht erhalten? Aus der Sicht vieler Manager entstehen zunächst einmal vermeintlich keine zusätzlichen Kosten.

Unsichtbare Kosten

Sichtbare Kosten sind für Unternehmen: Lohnfortzahlung, Widereingliederung, Kündigung und Einstellungskosten wie Bewerbungsverfahren etc.

Unsichtbare Kosten entstehen durch: die Leistung des Betroffenen (immerhin oft ehemaligen Leistungsträgers) sinkt im Vorfeld der psychischen Erkrankung, Kollegen müssen den Ausfall auffangen und geraten in Gefahr, ebenfalls überlastet zu werden, neue Kollegen müssen eingearbeitet werden, erhalten Schulungen und brauchen Arbeitszeit für den Wissenserwerb, bis sie das Leistungs- und Ergebnisniveau ihres Vorgängers erreichen.

Das oben genannte Zahlenspiel zeigt also eigentlich nur die Spitze des Eisberges, die tatsächlichen Kosten sind wesentlich höher.

Schutzmaßnahmen für die Unternehmen

Besser budgetieren und solche Effekte einplanen? Rückstellungen bilden? Nein, lieber nicht. Am besten schaffen sie Bedingungen, die eine leistungserhaltende Arbeit ermöglichen:

Arbeitsbedingungen, die der Entstehung von Überforderung, Burn-out und Depressionen entgegenwirken und die Stärkung der Ressourcen des Einzelnen, damit er belastbarer wird und effizientere Bewältigungsstrategien erlernt.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Mitarbeiter herausfordern, aber nicht überfordern,
  • ermutigen und ermöglichen, die notwendigen Mittel und Freiheiten zur Verfügung stellen, um die geforderte Arbeit zu machen,
  • angemessen vergüten, anerkennen und Erfolge feiern und
  • werteorientierte Führung und fähige Führungskräfte.
  • Vernünftiger Umgang mit Arbeitszeiten und keine 24/7 Verfügbarkeit sondern eher 8/5. So erholen sich die Mitarbeiter, gewinnen Abstand zum Arbeitstag und können mit frisch
aufgetankten Kräften wieder durchstarten.

Reinula Böcker

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