BLOG
06/08/2015 09:37 CEST | Aktualisiert 06/08/2016 07:12 CEST

12 Dinge, die du nicht zu einem Menschen mit Depressionen sagen solltest

evgenyatamanenko via Getty Images

Wer Menschen, die unter Depressionen leiden, kennt und liebt, will meistens nichts anderes tun, als helfen. Als ich damals unter Depressionen litt, hatten jedoch oft sogar die Bemühungen mit den besten Absichten die gegenteilige Wirkung.

Während die meisten Dinge, die Leute zu mir sagten, als ich depressiv war, in ihrem Mitgefühl begründet waren, so waren sie gleichzeitig in der falschen Annahme begründet, sie könnten meine Depressionen behandeln.

Schlussendlich hätte mich nichts, das jemand hätte sagen können, geheilt. Es war wahrscheinlich die Kombination aus Zeit und Medikamenten, die mich von einem häufig depressiven Jugendlichen in einen gelegentlich depressiven Erwachsenen verwandelt hat.

Anzunehmen, dass man jemandes Depression heilen kann, verharmlost die Ernsthaftigkeit seines Zustands, ebenso wie das Einwerfen von Ratschlägen, die demjenigen höchstwahrscheinlich auch selbst schon gekommen sind.

Hier sind einige Aussagen und Fragen, die man vermeiden sollte, wenn man die Umstände für eine Person, die sich ohnehin schon schlecht fühlt, nicht noch schlimmer machen möchte:

1. Hast du schon versucht, besser zu essen/weniger zu schlafen/mehr Sport zu treiben/mehr Sonnenlicht zu bekommen? Wenn Depressionen so leicht geheilt werden könnten, hätte niemand welche. Die meisten Menschen mit Depressionen haben schon alles, was in den Büchern steht und mehr, ausprobiert.

2. Es gibt doch nichts, worüber du traurig sein müsstest. Es gibt tatsächlich sehr vieles in der Welt, das einen traurig machen kann. Menschen mit Depressionen verbringen nur mehr Zeit damit, sich dessen bewusst zu sein.

3. Es bringt nichts, sich in Sachen reinzusteigern. Du hast Recht. Depressionen bringen nichts, genauso wie Krebs nichts bringt, dennoch stehen wir nun alle hier.

4. Alles wird gut. Dieser Fakt ist uns nichts entgangen, aber trotzdem fühlt sich gerade alles ziemlich beschissen an.

5. Warum bist du denn traurig? Depressionen sind nicht wirklich "wegen" irgendetwas, außer eines chemischen Ungleichgewichts. Depressive Menschen fühlen sich wegen vielerlei Dinge schlecht, aber diese Dinge sind nicht für die Depression verantwortlich.

6. Du solltest mal rausgehen und etwas Lustiges machen. OK, ich werde mir dann sofort einen Ast lachen, wenn ich erstmal die Energie aufgebracht habe, meine Schuhe anzuziehen.

7. Du solltest froh sein, dass du einen gesunden Körper hast. Ich würde mich liebend gerne über meine körperlichen Fähigkeiten freuen - oder buchstäblich über irgendetwas - aber leider kann ich meine Stimmung nicht an- und ausschalten wie mit einem Schalter. Und nebenbei bemerkt ist es beleidigend für Menschen mit Behinderungen, anderen zu erklären, sie sollten glücklich sein, nicht sie zu sein.

8. Du würdest dich besser fühlen, wenn du mehr lächeln würdest. Was ich mit meinem Gesicht mache, geht niemanden etwas an und nochmal, wenn Depressionen so leicht zu überwinden wären, dann wäre niemand depressiv.

9. Weine nicht. Ausgenommen von Schauspielern, die eine Rolle spielen, weinen die meisten Menschen - depressiv oder nicht - nicht absichtlich. Wenn du jemanden weinen siehst, dann siehst du wahrscheinlich Tränen, die derjenige versucht hat, zurückzuhalten. Mach nicht, dass sie sich noch schlechter fühlen, weil sie sie rausgelassen haben.

10. Es gibt Menschen mit viel größeren Problemen als deine. Das ist sehr wahr, aber zu wissen, dass jemand Verbrennungen dritten Grades hat, macht Verbrennungen ersten Grades nicht weniger schmerzhaft.

11. Dir geht es nicht wirklich besser, wenn du dich nur auf Medikamente verlässt. Es wäre toll jeden Tag aus dem Bett zu hüpfen, zur Arbeit zu gehen und an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, ohne psychische Unterstützung. Aber jede Nacht eine Pille einzuwerfen ist immer noch sehr viel besser, als alles zu verpassen, was das Leben zu bieten hat.

12. Munter dich einfach auf. Man würde niemals zu jemanden mit einer Erkältung sagen, er solle einfach aufhören, zu husten. Depressionen sind eine physische Krankheit, die nicht unserer Kontrolle obliegt. Das Problem ist nur in unseren Gehirnen, statt Hälsen.

Wenn man diese Dinge also nicht sagen kann, was sagt man dann? Ich würde vorschlagen, geliebte Menschen mit Depressionen zu fragen, ob man irgendetwas für sie tun kann.

So wissen Sie, was sie wollen, statt rumzuraten und möglicherweise etwas falsch zu verstehen. Und wenn ihre Antwort ist, dass es nichts gibt, was Sie für sie tun können, dann ist das OK.

Sie mögen sich vielleicht unnütz vorkommen, aber wie der andere sich fühlt, ist wichtiger. Und selbst wenn Sie nicht helfen können, ist es für den anderen schön zu wissen, dass Sie es gerne würden.

Dieser Blog, geschrieben von Suzannah Weiss, erschien zuerst bei Ravishly und anschließend bei der Huffington Post USA. er wurde von Nina Damsch aus dem Englischen übersetzt.

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.