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01/11/2015 05:15 CET | Aktualisiert 01/11/2016 06:12 CET

Liebe Politiker, bitte denken Sie über Alternativen nach

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"Wir verhandeln nicht mit Terroristen." oder "Die Macht des Terrorismus ist Angst. Diese werden wir nicht in unser Land lassen." sind nur einige der Parolen, die Politiker westlicher Länder wie ein Abendgebet wiederholen, sobald von Terrorismus die Rede ist. Doch das bloße Reden hilft nicht viel. Wie sieht der Alltag aus?

Mitte Oktober hat der Bundestag die Einführung der Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Zur Sicherheit. Zum Schutz vor Terroristen. Eine Maßnahme, die nebenbei die komplette Bevölkerung unter Generalverdacht stellt, mit Bombengürtel unter der Jacke durch die Innenstadt Berlins zu laufen.

Hier mag der gutwillige Bürger sagen: "Ich habe doch nichts zu verbergen. Lest ruhig meine Mails, speichert meine Anrufe und verfolgt mein Bewegungsprofil." Dieses Argument kann einerseits nachvollzogen werden, aber bei genauer Betrachtung ist es Quatsch.

Jeder hat etwas zu verbergen: Die WhatsApp Nachrichten, die mit seinen besten Kumpels oder der Freundin geschrieben werden, die E-Mail vom Urologen zur Bestätigung eines Termins, um sein Sperma auf Tauglichkeit testen zu lassen oder schlicht und einfach die Geburtstagsgrüße, die per Post oder Mail eingehen. Das alles ist Privatleben. Privat bedeutet nun mal nicht öffentlich und nur für Personen zugänglich, denen der Besitzer es erlaubt.

Genau darauf dürfen die meisten Bürger aus westlichen Ländern bald ganz offiziell verzichten. Dabei ist Deutschland nicht die USA, die sich die Welt zum Feind gemacht hat. Die wirklichen Terroristen, die Deutschland bedrohen, stehen montags vor der Dresdner Semperoper und halten Galgen in die Luft.

1:0 Für die Terroristen.

Millionen von Menschen fliehen aus Ländern wie Afghanistan, Eritrea und vor allem Syrien in Richtung Europa. Diese Menschen haben jeden Grund, um ihr Leben zu fürchten. Terroristische Organisationen wie Al Quaida oder der Islamische Staat (IS) ziehen mit ihrer fanatischen Weltanschauung mordend durch die Länder und hinterlassen nichts als zerstörte Welterben und traumatisierte Flüchtlinge.

Diese Flüchtlinge, erzeugt durch unfähige Staatsoberhäupter und extremistische Banden, bringen den Friedensnobelpreisträger von 2012 dazu, seine "rohe Fratze der Wahrheit" zu entblößen. Die europäische Union ist am Ende, wie der Europaexperte Günter Verheugen bereits gegenüber tagesschau.de feststellte.

"Nicht unmöglich, dass sich die EU auflöst" wird er dort zitiert. Denn so uneins war sich das vereinte Europa in seiner über 50 jährigen Geschichte noch nie. Bereits offene Grenzen werden wieder dicht gemacht. Probleme werden auf Länder wie Griechenland, Ungarn oder Rumänien abgewälzt. Die ohnehin schon ärmsten Mitglieder der EU stehen alleine da, wenn es um Grenzschutz und Krisenbewältigung geht. Länder weiter in der Mitte Europas scheinen froh über ihre geographische Lage - Großbritannien ganz vorne mit dabei.

Diese Zwietracht, die Ungerechtigkeit und der unwürdige Umgang mit Menschen nimmt dem Friedensnobelpreis jegliche Bedeutung.

2:0 für die Terroristen.

Vor neun Jahren war die Welt in Deutschland noch "zu Gast bei Freunden". Das Land und die Bevölkerung zeigte sich so, wie man es als Deutscher gar nicht kannte: offen, witzig und freundlich. Fotos mit Fans aus aller Welt waren selbstverständlich. Zurück in der Gegenwart hat der Alltag wieder aufgeholt. Weltmeister im Fußball, ja. Aber bitte nicht wieder der Herzen.

Herzlos, kühl und allzeit besorgt, so präsentiert sich der deutsche Bürger gern. Besonders im Osten der Republik mehrt sich Hass gegenüber jedem nicht blond-blauäugigen Nachbarn. Terrorismus, Politik und Tristesse haben es geschafft, aus einem Deutschland und einem Europa, das man gerne nach außen hin vertreten hat, Gebilde zu errichten, für die nur noch Scham empfunden werden kann.

Sie haben es geschafft. Die Angst ist vollkommen in der westlichen Welt angekommen. Ein Verhandeln gab es nie, denn die Terroristen konnten ihr Spiel immer weiter drehen.

3:0 Für die Terroristen

Es sollte an der Zeit sein, über Verhandlungen nachzudenken. Damit ist nicht gemeint, Terroristen frei Handeln und unbestraft Morden zu lassen. Aber die unzähligen Jahre des "Krieg gegen den Terrorismus" sollten gezeigt haben, dass sich Feuer nicht mit Feuer bekämpfen lässt. Nur weil in Kabul ein McDonalds aufmacht, ist die Welt nicht friedlicher geworden.

Liebe Politiker, lieber Herr Obama: Bitte legen Sie Ihre Waffen für eine gewisse Zeit nieder und überlegen wirklich angestrengt, was es für Alternativen gibt. Denn die bisher gewählte Taktik, sie geht nicht auf.

Lassen Sie die Terroristen nicht noch das 4:0 holen.

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