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04/10/2015 12:16 CEST | Aktualisiert 04/10/2016 07:12 CEST

Die deutsche Einheit existiert nicht

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Der frühere US-Präsident Ronald Reagan hatte 1987 - ca. 881 Tage vor dem Mauerfall - folgenden Satz an die damalige UDSSR gerichtet:

„Mr. Gorbatschow, tear down this wall!"

Woraufhin die „Prawda" (die KPdSU Parteizeitung) noch giftig titelte: „Daraus wird nichts! Der antifaschistische Schutzwall bleibt!"

2 Jahre später, am 19. Januar 1989, in Berlin, wurde wohl eines der berühmtesten Zitate im Kontext zur damaligen DDR (Deutsche Demokratische Republik) bzw. zur BRD gesprochen. Der „Pate des Ostens", Erich Honecker sagte an diesem Tag:

„Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind."

Wenn ich heute, 25 Jahre nach der deutschen Einheit, in die Köpfe vieler Deutscher schaue, so erkenne ich in Bezug auf Honeckers Argument, immer noch und teilweise auch wieder, eben jene Mauer die ein einheitliches Volk voneinander trennt.

Die Aussage der Prawda „Der antifaschistische Schutzwall bleibt!" hat heute leider eine erneute Bedeutung. Vielleicht nicht in Form einer Mauer aus Steinen, Stacheldraht und Selbstschussanlagen - jedoch mehr und mehr in Form einer mentalen Abgrenzung der denkenden und menschlichen Masse Deutschlands, zum Rest der Republik.

Jener Rest der heute auf den Straßen Parolen brüllt, sich „Realist", „besorgter" und/oder „Wutbürger" nennt und voller Innbrunst die Rückerkehr zu rein deutschen Städten und Gemeinden fordert. Jener Rest der deutschen Bevölkerung, der mit stupiden Idiotien auf unsere Regierung schimpft, sich leidenschaftlich der AfD anschließt und letztlich einen radikalisierten Teil bildet, der vor Flüchtlingsunterkünften steht und diese in Flammen der deutschen „Reinheit" aufgehen lässt.

25 Jahre DEUTSCHE EINHEIT! Das wäre eine wundervolle Zahl an Jahren, wenn die DEUTSCHE EINHEIT denn wirklich existent wäre. Wir sind zwar ein einheitliches Volk aber wir sind dennoch keine Einheit.

Vielleicht noch eine kleine Erinnerung an die „Wutbürger" in Leipzig und anderen großen Städten im Osten Deutschlands gerichtet. An jene „besorgten Bürger" die heute gegen Flüchtlinge, Asylsuchende - ja, gegen hilfesuchende Menschen demonstrieren:

„Ab dem 4. September 1989 in Leipzig und kurz darauf auch in anderen ostdeutschen Städten, standen regelmäßig mehrere Tausend Bürger auf der Straße, die friedlich gegen das System protestierten. Den Höhepunkt erreichten die Protestmärsche am 23. Oktober 1989 in Leipzig, als 300.000 Menschen auf die Straße gingen.

WIR SIND DAS VOLK" Dieser Satz sollte auch heute für Hoffnung auf Freiheit, Sicherheit und Frieden stehen und eben auch für jene Flüchtlinge die Hoffnung, Freiheit und Sicherheit für sich und ihre Familien suchen!"

Ranndy Frahm, Köln, 3. Oktober 2015

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