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11/12/2016 10:28 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Wir brauchen kein Burka-Verbot, wir brauchen Brücken!

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Heute hat die Christlich Demokratisch Union Angela Merkel zum wiederholten Mal zu ihrer neuen Parteivorsitzenden gewählt. In ihrer Rede auf dem CDU-Parteitag sprach sie neben Punkten wie mehr Solidarität der EU-Länder bezüglich der Flüchtlingspolitik, Steuerpolitik und Co. auch die Debatte um die Vollverschleierung an. Merkel bezieht zum ersten mal klar Position: „Vollverschleierung muss verboten werden, wo immer das rechtlich möglich ist."

Ob das zu mehr Sicherheit und Toleranz führen wird, ist die Frage.

Bereits im September hatte sich die Bundeskanzlerin zur Burka-Debatte geäußert: Die Burka würde die Integration erschweren.

Neben der Kanzlerin bekennt sich den Umfragen nach, aber auch ein großer Teil der Bevölkerung für ein Burka-Verbot. An dieser Stelle muss geklärt werden, dass umgangssprachlich die Burka mit dem Niqab gleichgesetzt wird, welcher nur die Augen sichtbar werden lässt. Eine Burka wäre eine Vollverschleierung mit einem Gitternetz vor den Augen.

Bei vielen Talkshow Gesprächen oder auch Gesprächen im privaten Umfeld wird sehr schnell klar, dass die Burka als Unterdrückungsinstrument der Männer gesehen wird. So leitet sich der allgemein verbreitete Glaube ab: Jede Frau die eine Burka trägt wird von ihrem Mann unterdrückt.

Das heißt sie ist unmündig und braucht Hilfe, um von diesem Kleidungsstück befreit zu werden. Da es zu aller erst keine qualitativen Studien in Deutschland zu diesem Sachverhalt gibt, kann deshalb auch nicht pauschal über die Motive bzw. Gründe geurteilt werden. Einzelfälle die von Unterdrückung berichten werden herausgepickt und als Vorzeigebeispiel für die Befürwortung eines Verbotes benutzt.

Frauen, die aber nun behaupten sie würden die Burka freiwillig und frei von Zwängen tragen, werden trotzdem nicht ernst genommen. Diese Frauen wären trivial gesagt, „gehirngewaschen" und gefährlich. Denn sie würden angeblich radikale Strömungen im Islam unterstützen. So lautet die Folgerung zwingend aus beiden Fällen: Ein Burka-Verbot.

Schlüssige Parolen, komplexe Sachverhalte mundgerecht zugeschnitten und eindeutige Botschaften, so scheinen populistische Strömungen heutzutage immer mehr Zuspruch zu erhalten.

Schockierend ist das nicht, das gab es schon zu der Zeit des dritten Reiches. Bedenklich wird es wenn Parteien, die sich in der politischen Mitte einordnen, Wahlpolitik mit inkohärenten Themen betreiben. Was ist denn der Zweck dahinter mit einem Thema Stimmung zu machen, das von 80 Millionen Menschen vielleicht höchstens 50 Frauen in Deutschland betrifft.

Kann ich denn etwas verbieten nur weil nicht meinem Bild der Ästhetik entspricht? Wie werde ich in meinen persönlichen Rechten eingeschränkt oder angegriffen, wenn eine andere Frau sich nicht zeigen möchte? Wenn es dabei um Mitleid geht, um Hilfeleistung, dann ist das nicht der richtige Weg mit Verboten zu arbeiten. Diese Frauen fühlen sich nicht mehr akzeptiert, wenn die Gesellschaft und der Staat sie zwangsmäßig entkleiden möchte.

Aufklärung im Islam erforderlich

Es Bedarf eine Aufklärung im Islam für solche Männer, die ihre Frauen unterdrücken! Die Unterdrückung der Frau wird nicht in geringster Weise im Islam geduldet.

Im Gegenteil, der Prophet Muhammed (Frieden und Segen seien auf Ihm) hat gesagt, dass derjenige der seine Frau am Besten behandelt der Beste unter den Muslimen sei. Jedoch hat seine Frau Hadhrat Aisha ra auch freiwillig ein Niqab (Gesichtsschleier) getragen. Das ist es ein freiwilliges Gebot im Islam.

Besonders Frauen, die neu zum Islam konvertiert sind, haben manchmal das Bedürfnis sich besonders deutlich zum Islam zu bekennen. Oft wird die Vollverschleierung aber nach einer Zeit selbst abgelegt.

Emanzipation im Islam

Viele behaupten auch, dass eine Vollverschleierung für die westlichen Frauen ein Schlag ins Gesicht wäre, die sich hier in Europa ihre Rechte hart erkämpft haben. Aber ist es denn nicht genau das Gegenteil? Ist das schöne an den erkämpften Rechten nicht, dass die Frau selbst die Entscheidung hat zu bestimmen wie sie leben möchte, wie sie sich anziehen möchte, wie viel sie von ihrem Körper zeigen möchte? Seit wann hat denn die dritte Person das Recht zu sagen, sie möchte so und so viel sehen? Nur weil etwas anders und fremd erscheint, muss es nicht unbedingt verboten werden.

Ängste und Bedenken sind verständlich, jedoch muss doch auch auf die Rechte der Betroffenen geachtet werden.

In Zuge der Französischen Revolution traten Frauen erstmalig auch in Deutschland für ihre Rechte ein. Sie forderten das Recht auf eine Erwerbstätigkeit, auf Bildung und Studium.

Das mussten muslimische Frauen nicht, denn schon 600 nach Christus sagte der Prophet Muhammad (Frieden und Segen seien auf Ihm): "Wer eine Tochter gut aufzieht und ihr eine gute Bildung und Erziehung angedeihen lässt, erwirbt dadurch das Paradies." (Tirmidhi).

Rechte die Frauen im Westen hart erkämpfen mussten, wurden durch den Koran schon Jahrhunderte vorher den Frauen garantiert.

Der Mann muss für Ernährung, Bekleidung, Unterkunft und Taschengeld der Frau aufkommen, während sie ihren Verdienst, falls sie arbeiten geht, für sich alleine behalten darf.

Verlorene christliche Werte

Es wird immer wieder betont, Deutschland sei ein christliches Abendland. Aber was sind denn christliche Werte? Werden diese überhaupt noch gelebt? Nächstenliebe und Barmherzigkeit, das ist was jeder mit dem Christentum verbindet.

Maria, die Mutter Jesus (Friede sei auf ihm) gilt als Leitfigur der katholischen Kirche. Sie war die Verkörperung von dem Wert Keuschheit, das auch im Christentum sehr großgeschrieben ist. Leider werden solche Werte in der heutigen Zeit einfach nicht mehr anerkannt.

"Gedenke, wie die Engel sprachen: O Maria, Allah hat dich erwählt und dich gereinigt und dich erkoren aus den Frauen der Völker." (3:43)

Im Koran wird Maria als Vorbild für muslimische Frauen gesetzt. Und auch für Nonnen ist sie eine inspirierende Leitfigur. Das sieht man an der Art wie muslimische Frauen und Nonnen sich bedecken.

Alles in einem helfen Verbote nicht um den gesellschaftlichen Frieden zu erreichen. In Frankreich gibt es seit mehr als vier Jahren ein Burka Verbot. Kam es da zum Zusammenwachsen der Gesellschaft und mehr Sicherheit? Nein, im Gegenteil.

Das Burka-Verbot führt dazu, dass Muslime sich immer weniger akzeptiert fühlen. Integration ist nicht gleich Assimilation. Es ist die falsche Herangehensweise an die Integrationsdebatte. Möchte man diese Frauen als Teil der bestehenden Gesellschaft gewinnen, dann muss man auch ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit schenken.

Liebe zum eigenen Land ist ein Teil des Islam

Was bringt uns das ständig zu betonen, dass ein Teil der Bevölkerung gar nicht hierher gehört? Wir haben nach dem Grundgesetz alle das Recht uns in Deutschland aufzuhalten, unsere Religion zu leben und auch unsere Werte zu verkörpern. Natürlich haben wir damit auch Pflichten.

Die Liebe zum eigenen Land ist, ein Teil des Glaubens im Islam. Das ist nicht dieses Land, aus dem man geflüchtet ist, sondern Deutschland. Das Land, dem eine Millionen Flüchtlinge unendlich dankbar sind. Und bestimmt sind da auch schwarze Schafe dabei, genauso wie es die auch schon davor gab. Aber genau das ist unsere Aufgabe in dieser schwierigen Zeit. Zusammenzuhalten und uns gegenseitig respektieren. So liebe Frau Merkel, wie auch Platon schon sagte:

„Die schlimmste Art der Ungerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit."

Platon

Bestehende Ängste in der Bevölkerung müssen abgebaut werden, der Interreligiöse Dialog muss gefördert werden und es müssen Brücken geschaffen werden! Soziale Ungleichheit, Parallelgesellschaften und fehlende Bildung müssen eliminiert werden. Eine Aufklärung innerhalb des Islam, der die Muslime auf ihre eigene Lehre hinweist, muss erfolgen.

Die Kerngedanken im Islam sind längst verloren gegangen, dabei haben sich kulturelle Aspekte in die Religion gemischt. Es wird zu mehr Sicherheit in Deutschland kommen, indem radikale islamische Strömungen an ihren Wurzeln gepackt und herausgerissen werden können. Und das geht nur durch Aufklärung und Dialog.

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