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05/11/2015 05:34 CET | Aktualisiert 05/11/2016 06:12 CET

Kreditkartenbetrug: So will man sich jetzt auch in den USA davor schützen

Image Source via Getty Images

Kreditkarten mit Magnetstreifen sind ein Sicherheitsrisiko, da sie sich mit einfachen Mitteln fälschen lassen. Eingebaute Chips und PIN-Codes sollen Kreditkartenbetrug in den USA eindämmen. In Europa hat man das längst hinter sich, Betrug gibt es trotzdem noch.

Kreditkartenbetrug ist ein Dauerbrenner: Schon vor rund 20 Jahren machten sich die größten Zahlungskarten-Anbieter Europay International, MasterCard und VISA (EMV) daran, einen übergreifenden Sicherheits-Standard zu schaffen, um den Betrug mit Kreditkarten einzudämmen.

Ab Oktober 2015 springen endlich auch die USA auf den EMV-Zug auf. EMV war aber auch schon vor 20 Jahren keine Neuheit mehr.

Die Macher von EMV haben sich vor allem von Erfahrungen aus Frankreich in den 80er Jahren inspirieren lassen. Schon 1984 haben französische Banken damit angefangen, Bezahlkarten mit Chip auszugeben, die man nur zusammen mit der richtigen PIN nutzen konnte.

Das Ziel war es, den Betrug mit manipulierten und gestohlenen Karten zu bekämpfen. Frankreich hat sich damit aber auch einen eigenen proprietären Sicherheitsstandard geschaffen. Der funktionierte zwar im Inland gut, im Ausland jedoch war er wertlos.

So eine große Erfolgsgeschichte ist der EMV-Standard jedoch nicht: 1996 wurde die Spezifikation zum ersten Mal veröffentlicht, aber erst zwölf Jahre später ging es mit EMV 4.2 in Europa auf breiter Front los. Auch bei EMV setzt man auf einen eingebauten Chip in der Kreditkarte, dazu gibt es eine vierstellige PIN. Sieht man sich die Entwicklung der Betrugsrate an, dann zeigte sich 2008 sofort die positive Wirkung von EMV.

Die Betrugsrate sank in den Folgejahren kontinuierlich weiter. Seit 2011 geht es mit Kartenbetrug aber wieder nach oben, und mittlerweile hat man sogar den vorherigen Höchststand von 2008 übertroffen.

EMV ist nicht nutzlos

Eine berechtigte Frage vor der EMV-Einführung in den USA ist also, ob Chip und PIN überhaupt einen Nutzen bringen, wenn doch die Betrugsrate in Europa trotz EMV-Technik stetig steigt. Richtig ist, dass der Betrug mit Kreditkarten in Europa durch EMV nicht verschwunden ist.

Vielmehr gibt es eine Verschiebung unter den Betrugsarten: Betrug an Geldautomat und Kasse gehen zurück, während der sogenannten Card-not-Present-Betrug (CNP-Betrug) steigt. CNP bedeutet schlicht und einfach, dass man zwar mit Kreditkarte bezahlt, die eigentliche Karte aber nicht zum Einsatz kommt. Bestes Beispiel sind Kreditkartenzahlungen im Internet: Dort reicht es aus, die Kreditkartendaten einzugeben.

Betrüger weichen aus

EMV zeigt also durchaus Wirkung. Der positive Nutzen wird noch klarer, wenn man genauer auf die Betrugszahlen sieht. Im SEPA-Raum sind 92 Prozent der Kreditkartentransaktionen rein inländische Angelegenheiten. Doch nur 49 Prozent des Kreditkartenbetrugs entfällt auf inländische Transaktionen.

Auch hier greift EMV als Schutzmechanismus. Betrüger setzen zum Beispiel darauf, dass bei grenzüberschreitenden Transaktionen niedrigere Sicherheitsstandards eingesetzt werden, etwa eben noch nicht EMV, sondern die klassische Magnetstreifen-Technologie.

Damit hat man zwar als Kunde faktisch einen Chip in der Kreditkarte, man kann ihn aber nicht nutzen, weil die Akzeptanz auf der Gegenseite nicht vorhanden ist.

Fazit: EMV ist kein Allheilmittel

EMV ist ein wirksames Mittel gegen einige Arten von Kreditkartenbetrug, aber kein Allheilmittel. Mit steigender Verbreitung von Chip und PIN für Kreditkarten sollten in den USA die hohen Betrugsraten an Geldautomaten und Kassen sinken.

Gleichzeitig dürften die Betrugszahlen bei CNP-Transaktionen steigen. Hier bringt EMV keine Verbesserungen und es müssen andere Maßnahmen greifen, etwa eine verbesserte Authentifizierung der Nutzer.

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