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21/01/2017 11:02 CET | Aktualisiert 22/01/2018 06:12 CET

Digitalisieren wie die Großen

from2015 via Getty Images

Die digitale Transformation setzt eine IT-Landschaft voraus, die sich agil an neue Anwendungsfälle anpasst. Schließlich müssen Unternehmen ihr Geschäft signifikant erweitern. Wie IT-basierte disruptive Geschäftsmodelle Nachfrage und Angebot zügig zusammenbringen, machen die großen Internet-Player Uber, Airbnb, Skype oder Amazon vor.

Welche Rückschlüsse können andere Branchen daraus ziehen, um digital erfolgreich zu sein? Darüber habe ich mit Dr. Bernhard Kirchmair, Chief Digital Officer (CDO) bei Vinci Energies, gesprochen. Im Gespräch regt der IT- und Digitalexperte zudem an, wie die Industrie das Internet of Things gewinnbringend einsetzen kann.

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Alle reden über Digitalisierung. Was sagen Sie als CDO: Wohin soll die Reise gehen in dem fundamentalen Wandel, den wir gerade erleben?

Digitalisierung ist kein Selbstzweck oder Selbstfindungsprozess, auch stellt sie nicht bloß ein Technikprojekt dar. Der Unternehmenskunde, der Nutzen und der Business Impact stehen im Mittelpunkt einer jeden digital Roadmap. Die Digitalisierung eröffnet eine Reihe von neuen Perspektiven.

So lassen sich z.B. die Beziehung zum Kunden neu gestalten und der Alltag der Mitarbeiter einfacher und effizienter machen. Die Digitalisierung hilft, das eigene Geschäft, die Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsprozesse zu optimieren. Dabei steht die Erweiterung des eigenen Geschäftsmodells im Vordergrund.

Sopra Steria Consulting fand in ihrer Studie „Digitale Überforderung im Arbeitsalltag" heraus, dass oft die Führungsebene die digitale Transformation bremst. Teilen Sie diesen Befund?

Der Druck der Digitalisierung ist im Mittelstand angekommen. Die konkrete Umsetzung aber überfordert viele Unternehmen. Gerade die Möglichkeiten beim Internet of Things gehen ins Unendliche, was zunächst abschreckt. Wir erleben aber auch häufig, dass ein CEO eines mittelständischen Unternehmens einen Digitalverantwortlichen benennt.

Der bekommt eine halbe Million, soll die Firma digitalisieren - und schnell Ergebnisse liefern. Das funktioniert nicht so ohne Weiteres. Stellen Sie sich z.B. einen Waschanlagenhersteller vor, der sein Geschäftsmodell ändern will. Seine Kunden sind vor allem Tankstellen, für die eine Waschanlage eine große Investition darstellt.

Deshalb soll der Digitalverantwortliche die IT so umbauen, dass der Hersteller Leasing und Pay-per-Use für seine Maschinen anbieten kann. Das setzt Konnektivität und Modernisierung von Storage, Backend und Systemen voraus. Damit das Unternehmen die gewünschte Internet-of-Thing-Lösung aufbauen kann, benötigt es eine versierte IT-Beratung.

Die Expertise holt sich eine Firma in der Regel dann von außen an Bord. Wie gehen IT-Berater vor, damit der digitale Wandel klappt?

Eine Digital-Beratung zielt heute auf ein rasches Prototyping ab. Es geht darum, mit der Firma einen Use Case zu entwickeln, schnell in einen Prototyp zu transformieren und zum Abschluss zu bringen. Hat sich ein Lösungsansatz in diesem ersten Schritt bewährt, kann man ihn schnell implementieren, skalieren - und in echtes Geschäft überführen.

Sie haben IoT, das Internet of Things, erwähnt. Welche Rolle spielt dieser Trend für Sie?

Das Internet of Things ist ein Wachstumsmarkt, in dem viel passiert. Das Spannende liegt daran, aus Big Data Analytics, Cloud und Anwendungsentwicklung Smart Services zu entwickeln. Beispielsweise kann eine komplette IoT-Infrastrukturlösung Container und ihre Laufwege auf einem Betriebsgelände steuern.

Zurück zur digitalen Transformation. Gibt es ein Erfolgsrezept, das Sie Unternehmen empfehlen würden?

Die Digitalisierung führt nur mit einer modernen IT-Infrastruktur und den passendenden technologischen Komponenten zum Erfolg. Diese befähigt Unternehmen, Routineaufgaben zu automatisieren, um die Servicequalität zu steigern. Schaut man sich wichtige Internet-Player an, kann man sich inspirieren lassen.

So besitzt Uber, der weltgrößte Taxikonzern, kein einziges Taxi. Skype verfügt über keinerlei eigene Infrastruktur für Telekommunikation. Aber sie bringen Angebot und Nachfrage auf einer Plattform zusammen. Das Plattformmodell wird auch das Bereitstellen und Nutzen von IT-Services verändern, wobei sich auch hier künftig Features von Amazon & Co. aus dem Online-Handel etablieren.

Was können Unternehmen sich von diesen Online-Shops abschauen?

Sie haben den Bedarf der Kunden erkannt, ihr Angebotsportfolio entsprechend ausgerichtet und warten darüber hinaus mit passenden Handlungsempfehlungen auf. Wer beispielsweise eine Digitalkamera kauft, erhält den Tipp, doch gleich die passende SD-Karte mit in den Warenkorb zu packen.

Dieses Konzept ist auch auf den IT-Bereich übertragbar: Wenn eine Anwenderfirma eine virtuelle Maschine in die Cloud verlagern will, sollte sie sofort den Managed Service dazu buchen können. Der IT-Dienstleister würde für sie von Anfang an die virtuellen Maschinen betreuen.

Ob das alle IT-Abteilungen in den Unternehmen begeistert?

Wieso nicht. In der Praxis sehen wir, dass die interne IT oft teuer und langsam ist. Ihr IT-Servicekatalog ist nicht marktkonform, schnell, agil, flexibel und kostengünstig genug. Ideal ist deshalb, wenn ein Unternehmen seinen Servicekatalog mit dem eines Brokers verheiraten kann.

Beide gehen eine Symbiose auf einer Plattform ein, die so auch Cloud-Dienste von verschiedenen Providern zu Infrastructure-as-a-Service, Software-as-a-Service und Plattform-as-a-Service abdeckt. Normalerweise nutzen Firmen Cloud-Services von mehreren Providern. Weil intern verschiedene Akteure aus den Fachabteilungen die georderten Anwendungen mit Kreditkarte bezahlen, hat keiner mehr die Kontrolle.

Anders ist es, wenn eine Anwenderfirma eine Plattform einsetzt, die ihr nicht nur den IT-Service flexibel und schnell bereitstellt, sondern Transparenz im Backend liefert. Dort sehen IT-Administratoren, was alles an IT-Service von welchem Anbieter bei ihnen läuft. Auf die Art lässt sich schnell und flexibel auf Marktanforderungen reagieren - ohne Budgetgrenzen aus dem Blick zu verlieren.

Liefert ein plattformbasiertes Geschäftsmodell das Herzstück für eine digitale DNA im Unternehmen?

Die Digitalisierung funktioniert nur, wenn ein Unternehmen die entsprechende Infrastruktur und die technologischen Komponenten darunter liegen hat. Das bedeutet zum Beispiel auch, das Customer Relationship Management in die Cloud zu bringen um es mobil zu machen. Das hilft Unternehmen, ihre Leistung zu erbringen.

Die Servicequalität lässt sich über das Automatisieren von Routineaufgaben steigern. An einer digitalen DNA zu arbeiten verlangt jedoch zusätzlich nach Ansätzen, die sich darauf fokussieren, Prozesse agil zu machen. In Frage kommen hier Projektmethoden wie Scrum und Design Thinking, die jedoch nur zum Erfolg führen, wenn ein Unternehmen seine Organisationstruktur anpasst.

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