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21/11/2015 08:16 CET | Aktualisiert 21/11/2016 06:12 CET

Warum wir weniger analysieren und mehr wünschen sollten

Morsa Images via Getty Images

»Guido Westerwelle bei Günther Jauch: Ein berührender Auftritt«. Titelt jedenfalls der Stern. Auch auf meinem lokalen Radiosender haben sie geschwärmt - und dann sogar die Hörer gebeten, doch ihre Meinung dazu kundzutun.

Ja muss denn jeder zu allem seinen Senf dazugeben?

Dieses ständige Rumgesülze und Rumgejammer geht mir gewaltig auf die Nerven. Es ist doch völlig irrelevant, was irgendein Hörer in Süddeutschland von Westerwelles Auftritt hält. Was ein Spitzenjournalist darüber denkt, ist übrigens gleichermaßen unwichtig.

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Alles, was sie dazu zu sagen haben, ist ihre persönliche Interpretation einer Sache, die sowieso schon längst Vergangenheit ist. Warum sich also damit aufhalten?

Leider scheint das aber ein allgemeines Problem zu sein: Dass Menschen bei ihren Interpretationen hängen bleiben und sich in Ihrem Denken nicht von der Vergangenheit verabschieden können. Dabei gibt es noch weitere Ebenen des Denkens.

So gibt es die Definitionsebene, auf der Dinge und Situationen benannt und definiert werden. Cannabis ist beispielsweise eine Pflanze. Dann kommt die Interpretationsebene, auf der die Dinge bewertet werden.

Hier reicht Cannabis von der ersten Heilpflanze der Welt bis hin zur verbotenen Einstiegsdroge - je nachdem, ob Sie mit einem Mediziner, Soziologie-Studenten oder konservativen Politiker sprechen.

Wir orientieren uns zu sehr an der Vergangenheit

An dieser Stelle hören die meisten auf. Deshalb finden Sie in Zeitschriften, Tageszeitungen, Online-Magazinen und Radio- und Fernsehsendung einen Kommentar nach dem anderen. Hier noch ein Leserbrief, da noch ein Wort zum Sonntag.

Aber gemeinschaftlich bewegt wird dadurch nichts - weil sich die Kommentatoren und auch die Leser an der Vergangenheit orientieren, die sie gerade bewerten.

Das ist nicht nur zwecklos, weil sich an der Vergangenheit so oder so nichts ändern wird, sondern auch noch zusätzlich unsinnig, weil sich diese Interpretation abrupt ändern kann, sobald ein wenig Zeit vergeht und neue Gedanken hinzukommen.

Niederlagen als Erfolge bewerten

In meinen Seminaren mache ich beispielsweise eine Übung, bei der die Teilnehmer ihre größten Misserfolge und dann ihre Erfolge aufschreiben sollen. Interessanterweise brauchen sie viel länger, die Misserfolge zu erinnern, weil sie die ursprünglichen Niederlagen im Laufe der Zeit doch als Erfolg werten.

Schließlich haben sie sie überlebt und daraus gelernt. Soll bedeuten: Das Vergangenheitsdenken und Interpretieren irgendwelcher Zustände und Ereignisse können Sie sich sparen. Es ist nichts als Zeitverschwendung.

Die nächste, absolut vernachlässigte Ebene ist bei weitem wichtiger. Sie ist die Ebene des Wünschens und Wollens. Hier stellen Sie sich die Frage, was Sie denn mit Ihrer Definition und Interpretation nun anfangen wollen.

Wenn Sie beispielsweise auf der zweiten Ebene feststellen, dass Ihr Leben doof ist, können Sie auf die dritte Ebene gehen und kommen dann aus Ihrem Tief wieder heraus - weil Sie sich über Ihre Wünsche klarwerden, sich eine Vorstellung von der Zukunft machen und dann eine Strategie entwickeln können, wie Sie aus Ihrem doofen Leben ein tolles machen. Das ist doch mal sinnvoll!

Was ich Ihnen damit sagen will:

Das Leben mag schmerzlich und schwierig sein. Und wenn Sie immer auf der zweiten Ebene verharren und den Status Quo bejammern, bleiben Sie im Schmerz. Am Ende haben Sie aber die Wahl, was Sie tun wollen und wie Ihr Leben sein soll.

Also hören Sie auf zu analysieren und fangen Sie an zu wünschen - und noch viel wichtiger: zu gestalten!

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