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02/02/2016 12:21 CET | Aktualisiert 02/02/2017 06:12 CET

Wenn das Hobby in den Tod führt

Westend61 via Getty Images

Helm auf, Protektoren an, Brille gerade rücken und los geht's. Der Fahrtwind weht Ihnen ums Gesicht, Sie nehmen die Kurve auf den geschliffenen Kanten Ihrer Carving-Ski, Geschwindigkeitsrausch macht sich in Ihnen breit - da stürzen Sie. Beine verdreht, Kopf knallt auf den Boden, Licht aus.

Entschuldigen Sie das Horrorszenarium, aber der Wintersport hat uns diese Saison eben schon viele, teils dramatische Stürzen beschert. Nun gut, die Sportler haben glücklicherweise alle Helme auf, da kann ihnen nicht viel passieren. Denkt die Öffentlichkeit jedenfalls - und sie selbst wahrscheinlich auch. Aber von wegen! Erst letzte Woche sind zwei Skifahrer auf einer Anfängerpiste ums Leben gekommen, als sie ineinander gefahren sind - trotz Helmen.


Sicherheit an allen Ecken und Enden

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Ja, in Deutschland herrscht ein verqueres Sicherheitsdenken: Der Helm ist für Motorradfahrer beispielsweise Pflicht, um sie zu schützen. Macht auch irgendwie Sinn. Kommt es zum Sturz, ist der Fahrer in den meisten Fällen bestimmt besser dran als ohne. Aber weil sich die Sportler und Biker dann so wahnsinnig sicher fühlen, fahren sie noch waghalsiger durch die Gegend - kann ja nichts passieren.

Oder nehmen Sie die neue Generation von Autos: Die tun ja fast alles von selbst - eine bestimmte Geschwindigkeit halten, einparken, Licht einschalten, bei zu geringem Abstand abbremsen, das Auto in der Spur halten, etc. Der Mensch muss da gar nicht mehr viel tun. Risikovermeidung nennt sich das dann. Und macht Autofahren so viel sicherer.

Einerseits ist es natürlich toll, dass bei Unfällen weniger Menschen ums Leben kommen. Andererseits frage ich mich aber, ob es nicht weniger Unfälle geben würde, würden sich die Menschen in Ihren Autos nicht so verdammt sicher fühlen.


Sicherheit ist gefährlich

Wenn Sie sich das Leben nämlich mal genauer anschauen, werden Sie feststellen: Sicherheit gibt es nicht wirklich! Punkt. Wenn Sie in ein Flugzeug steigen, ist es nicht sicher, dass Sie wohlbehalten landen werden. Es ist nicht sicher, dass Ihr Partner oder Ihre Partnerin für immer bei Ihnen bleiben wird. Es ist nicht sicher, dass die von Experten als „sicher" propagierte Investition Sie nicht Ihr Vermögen kosten wird. Kurz: Beziehungen, Gesundheit, Job, Leben - nichts davon ist sicher.

Wenn Menschen diese Risiken aber ausblenden, wird es erst recht gefährlich, denn das macht sie leichtsinnig. Und wenn dann doch was passiert, schauen sie verdutzt aus der Wäsche.

Anstatt sich also in vermeintlicher Sicherheit zu wiegen, machen Sie sich doch lieber mal das Risiko bewusst, das Sie bei all Ihren Tätigkeiten eingehen.

Dann können Sie im Vorfeld entscheiden, ob Sie mit den möglichen negativen Konsequenzen leben können, anstatt davon überrascht zu werden. Die Frage ist nämlich: Begeistert Sie Ihr Vorhaben so sehr, dass Sie das Risiko trotzdem eingehen wollen? Wenn ja, können Sie voller Begeisterung auf Ihr Ziel zugehen und mit Spannung erwarten, wie bzw. wie gut Sie es erreichen werden.


Risiko schafft Freiheit

Das Beste daran ist: Wenn Sie dazu bereit sind, bewusst ein Risiko einzugehen und alle möglichen Folgen zu akzeptieren, treffen Sie eine freie Entscheidung. Und das führt dazu, dass Sie das Leben viel bewusster wahrnehmen und es begeistert bestreiten.

Wie ich das meine? Überlegen Sie doch mal: Worauf sind Sie eher stolz? Wenn Sie eine sichere Sache tatsächlich gemeistert haben, oder wenn Sie ein Risiko eingegangen sind und es trotzdem geschafft haben? Eben.

Darum lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster und sage: Sicher ist langweilig, das kann jeder! Im bewussten Risiko liegt das Leben. Was natürlich nicht heißen soll, dass Sie todesmutig mit angerissenem Bungeeseil von einer langen Brücke springen sollen ...

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