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15/04/2016 05:06 CEST | Aktualisiert 16/04/2017 07:12 CEST

Feiern Sie Ihre Midlife-Crisis

monkeybusinessimages via Getty Images

»So geht's nicht weiter - ich will was Neues machen!«

Also weg mit der Familienkutsche, her mit dem Sportwagen und rein in die alte Lederjacke. Die Frau gegen eine Jüngere eintauschen und das Grau in den Haaren überfärben - und sich dann insgeheim Gedanken darüber machen, wo es im Leben überhaupt noch hingehen soll. Da haben Sie sie, Ihre Midlife-Crisis.

Aber keine Sorge, ich will nicht dagegen wettern. Ganz im Gegenteil: Feiern Sie sie! Sie ist das Beste, was Ihnen passieren kann.

Es gibt noch was zu erreichen

Die meisten Leute haben mit vierzig, fünfzig einen harten Überlebenskampf hinter sich. Aber der Kampf ist nun vorüber. Eigenheim, zwei Autos, Boot - es ist alles da, die Kinder sind aus dem Haus und beruflich gibt es auch keine größeren Herausforderungen mehr. Sie haben einfach alles erreicht, doch wo können sie jetzt noch Spuren auf der Welt hinterlassen? Sie haben viel zu viel Energie, um sich jetzt tot zu golfen oder abzusegeln. Sie wollen nochmal so richtig etwas reißen, etwas erleben! Die Frage ist nur, was.

Was kommt nach dem Überlebenskampf?

So geht es auch einem meiner Klienten. »Was ist denn bloß los mit mir? Ich fühle mich irgendwie nutzlos.«, fragt er sich. Bis jetzt hatte die Firma ihn als Führungskraft gebraucht und die Familie brauchte ihn als Vater und Ernährer. Jetzt nutzt er die Firma als Rückzug, damit er noch eine Beschäftigung hat, engagiert sich im Tennisclub und ist viel mit seinem Boot unterwegs. »Bin wieder auf Törn«, wie er sagt. Das ist ja schon mal ganz nett, aber es fühlt sich auch irgendwie ein bisschen leer an. Er beschäftigt sich, ist aber nicht erschaffend. Wie langweilig! »Es ist doch schon völlig egal, was ich tue. Das ist alles so belanglos!«, ruft er verzweifelt.

Diese Verzweiflung, die Nutzlos-Krise, geht bis zu körperlichen Beschwerden wie Rückenproblemen, Migräne und Magengeschwüren. Das frühere Leben ist unwiederbringlich vorbei und das wollen die meisten ja auch gar nicht mehr haben. Sie sind froh, dass sie aus dem Überlebenskampf raus sind. Gedanklich können Sie sich aber nicht davon lösen.

Was also tun? Wie bringen Sie wieder mehr Spaß in Ihr Leben, wie können Sie sich und andere wieder begeistern? Wo können Sie noch Spuren hinterlassen?

Da geht noch viel mehr!

Machen Sie sich bewusst: Das einzige, was Sie beeinflussen können, ist die Zukunft. Also akzeptieren Sie, dass Sie nicht mehr gebraucht werden wie bisher. Nein, mehr noch: Feiern Sie, dass Sie nicht mehr gebraucht werden. Jetzt können Sie der Welt das geben, was Sie ihr schon immer geben wollten und Sie können sich dabei das geben, was Sie schon immer gebraucht haben.

Das Verrückte ist ja, dass diese ganze Midlife-Crisis gar nicht schlimm ist - sie dient als Augenöffner: Sie sind frei und können tun und lassen, was Sie wollen. Es sollte eben nur etwas sein, was Sie auch befriedigt und erfüllt. Das kann für einen gestandenen, erwachsenen Menschen natürlich nicht nur Freizeit-Verwöhn-Programm sein. Nein, da muss schon mehr bei 'rum kommen.

Wenn Sie also mit dem Gebrauchtwerden abgeschlossen haben, dann gehen Sie mal in sich und fragen Sie sich, was Sie wirklich im Leben haben wollen, wie Sie sich fühlen wollen und was das für Projekte sind, bei denen für Sie diese Gefühle entstehen. Nur so werden Sie auch zu einem erfüllten und wirklich glücklichen Leben finden.

Gut also, wenn Sie durch diese Krise gehen. Sie führt Sie zu einem Leben, in dem Sie endlich anfangen, Ihre Freiräume zu nutzen. Machen Sie also eine Flasche Champagner auf und feiern Sie Ihre Krise. Wohl bekomm's!

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