BLOG
11/12/2015 08:48 CET | Aktualisiert 11/12/2016 06:12 CET

Ist Kritik an Kindesmissbrauch eine Straftat?

Justin Paget/Fuse via Getty Images

In Köln wurde gestern ein Platz nach dem umstrittenen Autor Felix Rexhausen benannt. Seit Monaten hat der Publizist David Berger in vielen Artikeln auf die Verherrlichung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Werk Rexhausens hingewiesen. Deshalb hat ihn nun die Linkspartei angezeigt. Text: Steffen Leskovar

Nachdem die Linkspartei in der Sonntagsfrage immer schlechter abschneidet, zunehmend sogar die 5%-Hürde zur Gefahr für ihre Weiterexistenz wird, machen sich die tiefroten Genossen nun offensichtlich auf die Suche nach neuen Wählergruppen.

Besonders niedrig ist der Zuspruch für die Linkspartei in Nordrhein Westfalen. Und gerade hier zeigt die Partei regelmäßig ihr radikales Gesicht.

Antisemitismus und Homophobie bei den LINKEN

So waren etwa bei den im Sommer 2014 auf von der Parteijugend organisierten Demos Rufe wie „Juden ins Gas" zu hören. Als einer der Hauptredner durfte Bilal Wilpert von der Migrantenpartei „BIG" sprechen, die ganz bewusst mit homofeindlichen Plakaten und Flyern, die eine erneute Kriminalisierung homosexueller Handlungen in Deutschland fordert, um Wähler wirbt.

Berger, der auch gerne Aussagen überspitzt dazu: „Selbstbewusste Homosexuelle und Juden sind also ganz offensichtlich bei den Linken ebenso passend aufgehoben wie bei der NPD, um sie zu als neue Wähler zu werben, kein Erflog versprechendes Unternehmen."

Nun hat die Partei gestern mit einer Pressemitteilung aufgewartet, die zunächst keiner so richtig verstehen konnte.

Darin gab sie bekannt, dass die queere Arbeitsgemeinschaft der Partei Strafanzeige gegen den Publizisten David Berger gestellt habe. Anlass war die gestern erfolgte feierliche Umbenennung eines Kölner Platzes nach Felix Rexhausen.

Berger habe sich des Rufmords an dem bereits verstorbenen Rexhausen schuldig gemacht. Außerdem sei Berger unerträglich, da nun auch die rechtspopulistische Vereinigung Pro Köln ähnliche Thesen zu Rexhausen vertrete, wie das Berger tut.

Seit vergangenem Mai hat Berger sich in zahlreichen Publikationen (publiziert u.a. bei „The European" und der „Huffingtonpost") mit der Person und dem Werk Felix Rexhausens beschäftigt. Über ganze Kapitel hinweg zitiert er Passagen aus einem autobiographischen Werk Rexhausens.

Dabei zum Beispiel eine Seite, wo Rexhausen stolz erzählt, wie er einem pädosexuellen Freund regelmäßig seine Privatwohnung zur Verfügung stellen konnte, damit dieser sich dort an kleinen Jungs „ohne Schamhaaren" vergehen konnte.

Ein von Homosexuellen durchgesetzter Rexhausen-Platz in Köln: Was Besseres hätte den Bildungsplangegnern nicht passieren können

Im Eigeninteresse von Schwulen und Lesben in Deutschland, deren Journalistenband die Platzbenennung angeregt hatte, rief Berger schon im letzten April dazu auf, diese zu stoppen. Einige Homo-Kritiker, aber auch die Bildungsplangegner argumentierten immer wieder mit einer besonderen Nähe Homosexueller zu Pädophilen.

Indirekt gebe man ihnen nun mit einer solchen Ehrung recht und schade damit der Akzeptanz und Integration homosexueller Menschen ganz enorm: „Wer möchte das vollständige Adoptionsrecht für eine Gruppe durchsetzen, die - zusammen mit einer Partei, die üble Kindesmissbrauchsflecken auf dem Geburtskleid trägt - einen Verharmloser von Pädo- und Ephebophilie als Schutzpatron dieser Gruppe feiert?" (Facebookeintrag Bergers vom Mai 2015).

Anfänglich zeigte sich der zuständige Grünen-Politiker einsichtig und cancelte die feierliche Umbenennung. Ohne dass sich an der Situation etwas verändert hätte (Rexhausen schon lange tot, konnte ja nichts mehr revidieren), kam dann im Sommer von eben jenem Grünen die Ankündigung, die Veranstaltung im Dezember doch durchzuziehen.

Bei den anderen Politikern in Köln gab es kein wirkliches Interesse, sich in die heikle Sache einzumischen. Die neue Oberbürgermeisterin der Stadt gab gar bekannt, dass sie damit nichts zu tun habe. Berger solle sich an den zuständigen Bezirksbügermeister wenden.

Aber was hat die LINKE mit all dem zu tun?

Mehr als man vielleicht heute denkt. Berger schreib schon in seinem ersten Beitrag zu pädophilen Strömungen, die bis heute forleben: „In den 80er-Jahren durfte man durchaus, wenn man links genug war, auch seinen pädophilen Neigungen nachgehen, denn sie dienten ja letztlich der Revolution der Gesellschaft. Sex mit Kindern und Jugendlichen diente angeblich deren Befreiung. Man verklärte dies als Förderung einer Gegen-Kultur, die die heteronormativ geprägte Welt umstürzen sollte. Als etwa der RAF-Sympathisant und erklärte Anarchist Peter Schult 1982 erneut wegen Sex mit unter 14-Jährigen verurteilt wurde, stellte sich die linksintellektuelle Prominenz von Volker Schlöndorff bis Margarethe von Trotta demonstrativ hinter ihn."

"Die versuchte juristische Intervention für Rexhausen als Säulenheiligen steht also ganz in der Tradition linker 'Fürsorge' für Kinder und Jugendliche"

Wenn man allerdings genauer hinsehe, so Berger, könne man schnell bemerken, dass man die jetzt erfolgende Aktion wohl auch nicht der ganzen Partei zur Last legen kann. Sie gehe v.a. von der für die Gesamtpartei völlig unbedeutenden Arbeitsgruppe „Queer" aus.

Diese sei im antisemtischen Sommer der Partei in NRW mehr oder weniger zerbrochen, als einige schwule und lesbische Mitglieder es gewagt hätten, die antisemtischen Ausschreitungen auf der bereits genannten Demonstration in Essen zu kritisieren. Sie seien übel persönlich bedroht worden und wenige Wochen später ihre Posten losgewesen. Jetzt scheine man dort wieder auf NRW-Parteilinie getrimmt zu sein.

Leute, die Demagogie an erste Stelle setzen und ihre Facebook-Fans zu solchen Aussagen motivieren wie sie etwa ein Richard Polle kurz nach Bekanntwerden der Anzeigenaktion an die Wall der „David-Berger-Seite" von Facebook schrieb: „Du hast ja heute deinem Puddingarsch hervorragend hingehalten als wandernde Argumentationshilfe für den Nazis von Pro Köln. Sei stolz drauf, du nutzloses Stück Gammelfleisch!"

"Platzbenennung ist eine schwere Niederlage für die Akzeptanz Homosexueller und eine Beleidigung für die Opfer sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen"

Das Schwulenmagazin „Männer", das Berger noch bis Anfang dieses Jahres als Chefredakteur geleitet hatte, triumphiert nun:

„In Köln wird heute der Felix-Rexhausen-Platz eingeweiht. Nach seinem Rauswurf als „Männer"-Chefredakteur Anfang des Jahres ist dies die nächste große Niederlage für David Berger, der die Ehrung des Journalisten, Schriftstellers und Aktivisten nur aufschieben, aber nicht verhindern konnte."

„Schön wäre es", sagt Berger, „wenn es nur für eine unbedeutende Einzelperson eine Niederlage wäre". Wer nur in der rosa Blase lebe und schreibe, glaube das vielleicht. Aber die Platzbenennung sei zuallererst ein schlimme Niederlage für die Akzeptanz homosexueller Menschen in Deutschland und ein unsensibler Anschlag auf alle Opfer von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Auch diese hätten sich energisch gegen eine solche Ehrung Rexhausens ausgesprochen. Wie schon in der Zeit als sie Kinder waren, habe man allerdings ihre Bedürfnisse und Wünsche, ohne mit der Wimper zu zucken, vollständig ignoriert.

Missbrauchsmentalität zeige sich eben nicht nur in der Freude an unbehaarten Geschlechtsteilen von Kindern, so Berger mit einem resignierten Lächeln.

Auch auf Huffington Post

Ein Schulbusfahrer tut einer 9-Jährigen Unaussprechliches an. Hier redet sie darüber

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite