BLOG
01/06/2015 06:36 CEST | Aktualisiert 01/06/2016 07:12 CEST

Das einzige Gay-Pride im Nahen Osten setzt ein Zeichen gegen Homophobie

2015-05-31-1433065137-9566252-tapride2.JPG

Rund 180.000 Teilnehmer erwartet Tel Aviv zum einzigen Gay Pride im Nahen Osten am 12. Juni. Die Veranstaltung ist nicht nur eine große, ausgelassene Feier, sondern auch ein klares Zeichen an die extrem homofeindlichen Nachbarländer. Text: Sebastian Tromm

Die Tel Aviver Stadtverwaltung rechnet in diesem Jahr mit einer Rekordteilnehmerzahl von 180.000 aktiven Teilnehmer*Innen an der Parade zum Pride, die am 12. Juni stattfinden wird.

Im letzten Jahr nahmen bereits rund 130.000 Menschen teil. Dabei kann Tel Aviv stolz darauf sein, dass es nicht nur den größten Pride im Mittelmeerraum, sondern auch den einzigen im gesamten Nahen Osten veranstaltet.

In diesem Jahr wird Chonchita Wurst als Ehrengast auf dem Pride erwartet. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv teilte mit, dass sie am 12. Juni bei den Feierlichkeiten auftreten wird.

Israel ist weltweit ganz vorne mit dabei, wenn es um die Gleichberechtigung Homosexueller geht

Für viele LGBTs aus dem Ausland - vor allem aus Europa - sind Israel und insbesondere Tel Aviv und seine Parade ein regelrechter Magnet - nicht nur wegen des mediterranen Klimas, der orientalischen Stimmung und der Vielfalt der jüdischen Küche.

Sondern auch, weil Israel seit Jahrzehnten Vorreiter in der Gleichstellung von Homo-, Bi- und Transsexuellen ist. Sei es im Adoptionsrecht, im Steuer- oder Versorgungsrecht.

Gleichgeschlechtliche Paare sind in Israel nicht nur "anerkannt", sie sind den heterosexuellen Ehen auch völlig gleichgestellt und das schon seit Jahren.

In den Nachbarländern: Albtraumhafte Zustände für Schwule

Israel ist damit das einzige Land im Nahen Osten, das Homo-, Bi- und Transsexuelle nicht verfolgt. Wird der Fokus auf die Nachbarregionen Israels gelenkt, fällt auf, dass z.B. in Gaza immer wieder Jagdszenen auf Homosexuelle beobachtet werden.

So gibt es regelmäßig Berichte z.B. aus der Westbank und dem Gazastreifen, dass vermeintlich Homosexuelle oder als solche politisch diffamierte Palästinenser von ihren Familienangehörigen in aufgestapelte Autoreifen gesteckt und angezündet werden.

Der IS entledigt sich seiner „Homosexuellen" durch Abstürze von Hochhäusern und Klippen - der Iran lässt hängen, Saudi Arabien in den Zellen verrotten, manche werden zwangsverheiratet, entführt oder einfach erschossen.

Die Rettung verfolgter Homosexueller hat nichts mit Pinkwashing zu tun

Dennoch steht viel häufiger die Tatsache in der Kritik, dass israelische Organisationen versuchen, die Verfolgten so oft wie möglich aus den betroffenen Regionen zu evakuieren, ihnen in Israel die Möglichkeit einer sicheren Heimstätte zu gewähren und eine Zukunft in sexueller wie auch geschlechtlicher Freiheit zu garantieren.

Da auch die israelische Staatsangehörigkeit erworben werden kann, sieht sich Israel durch seine Hilfe häufig - gerade auch von politisch linker Seite - dem Vorwurf des „Pinkwashing" ausgesetzt. Sinngemäß beinhalten die Vorwürfe gegenüber Israel, dass dieses über die offiziell offene LGBT-Politik seinen Status und sein Ansehen in der Welt zu verbessern versuche.

Die Frage muss dann aber zum Abschluss erlaubt sein: Wann und wo findet der nächste Pride im Nahen Osten außerhalb Israels statt?

Zum Autor: Sebastian Tromm lebt in Köln und ist Mitglied im Vorstand des Vereins QueerDenken.

(c) Foto: Screenshot youtube

Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Gaystream.info.

Video: Schockierendes Video: Wie Sie nicht reagieren sollten, wenn Ihr Kind Ihnen sagt, dass es schwul ist

Photo galleryPromis, die zu ihrer Bisexualität stehen See Gallery


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.


Hier geht es zurück zur Startseite