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08/04/2016 13:09 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

Woher kommt nur dieser Hass auf Flüchtlinge?

Jens Schlueter via Getty Images

222-mal wurden im vergangenen Jahr Flüchtlingsheime in Deutschland attackiert. In Österreich keimt die Gewalt im fruchtbaren Boden der Angst.

Es scheint fast ein bisschen so, als würden manche die Schließung der Grenzen mit einer Erlaubnis gleichstellen. Einer Erlaubnis, Flüchtlingen und Asylwerbern nun offen feindselig entgegenzutreten. Selbst in einer Kleinstadt wie Fürstenfeld merkt man seit der Kehrtwende in der Grenzpolitik eine Veränderung.

Private Helfer erzählen von Flüchtlingen, die nun viel öfter angepöbelt werden. Sie würden in Lokalen als Terroristen beschimpft und man sage ihnen, sie sollen verschwinden. Manch einer erträgt die Beleidigungen und Anfeindungen nicht mehr.

Vergangenes Jahr ist ein extrovertierter Syrer, der in seiner Heimatstadt Damaskus als Barkeeper und Fitnesstrainer tätig war und dessen Gesichtszüge stark an die von George Clooney erinnern, noch gerne unter Leuten gewesen. Heute aber traut er sich kaum mehr aus dem Haus der Familie, die ihn aufgenommen hat.

Der Enthusiasmus ist verflogen

Auch bei den freiwilligen Helfern hat es eine starke Veränderung gegeben. Sind im Vorjahr noch mehrere hundert Interessierte zu Informationsabenden erschienen, so waren es dieses Jahr nur noch etwas mehr als ein Dutzend. Die Last der notwendigen Arbeiten  -  Deutschunterricht, Unterstützung bei Behördenfahrten und Ähnlichem  - wird nun auf eine Handvoll ausgelaugter freiwilliger Helfer aufgeteilt.

Der Enthusiasmus, der 2015 noch in der Bevölkerung zu spüren war, ist verflogen. Als Grund dafür kann man nicht nur diese eine Silvesternacht in Köln nennen, denn sonst hätten andere Nächte wie beispielsweise die am 18. Februar in Clausnitz wiederum zu einem Umdenken führen müssen.

Die Angst bei den Menschen aber steckt zu tief, um wirklich neutral an diese Thematik heranzugehen. Es gibt wohl kaum jemanden, der noch nicht darüber nachgedacht hat, ob sich unter diesen Flüchtlingen nicht doch der eine oder andere Anhänger des IS befindet.

Solche Ängste sind natürlich begründet, aber sich von ihnen leiten zu lassen und alles Fremde als Bedrohung wahrzunehmen, anstatt von Mensch zu Mensch zu differenzieren, ist ungerechtfertigt.

Integrieren, nicht ausgrenzen

Unabhängig davon, welcher politischen Ideologie man sich zuordnet und ob man die Schließung der Grenzen nun befürwortet oder nicht: Die Menschen, die jetzt hier sind, werden von keinem Zaun mehr aufgehalten werden, und es ist an der Zeit, sie als Mitglieder unserer Gesellschaft zu akzeptieren und sie bei der Integration zu unterstützen.

Niemand kann wollen, dass sie ausgegrenzt werden und so zwangsweise eine Parallelgesellschaft entsteht. Oder, in anderen Worten: Aus geschlagenen Kindern werden schlagende Eltern.

Dieser Beitrag ist bereits auf medium.com erschien. Hier findet ihr Phillipp Annerer auf Twitter undFacebook.

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