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08/02/2016 09:26 CET | Aktualisiert 08/02/2017 06:12 CET

"Ich hätte nie gedacht, wie einfach Inklusion sein kann"

Ich bin die Mama von Levi, der vor 6 Jahren mit Trisomie 21 auf die Welt kam. Die Diagnose war ein Schock und ich brauchte lange um das zu verarbeiten.

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Ich hatte zum Glück tolle Menschen an meiner Seite, wie zum Beispiel Levis Physiotherapeut, der eine Frau mit einem Trisomie Kind geheiratet hatte und mir viel darüber erzählen konnte. Ich holte die Frühforderung ins Haus, da war Levi knapp sechs Monate alt. Zweimal die Woche kam sie und gab mir gute Tipps. Levi bekam zusätzlich zweimal die Woche Krankengymnastik nach Voyta.

Ich hatte zum Glück tolle Menschen an meiner Seite

Mit zwei Jahren besuchte er eine integrative Krippe und mit drei Jahren wechselte er in einen heilpädagogischen Kindergarten. Die Kita lag mitten im Wald mit eigenem Schwimmbad und überzeugte mich mit der kleinen Gruppenanzahl und der hohen Mitarbeiteranzahl.

Viel zu spät stellte ich fest, dass für Levi dort, aufgrund der anderen Kinder, die einen hohen Pflegeaufwand benötigten, und der hohen Krankheitsrate in der Kita, Levis Förderung, die mir so am Herzen lag, auf der Strecke blieb. Therapien wie Logo und Ergo fanden außerhalb der Kita statt und der engen Zusammenarbeit der Therapeuten untereinander und mit mir ist es dann wohl zu verdanken, dass ich aufgrund der Positiven Entwicklung von Levi dann ein Jahr an Zeit investierte, um die geeignete Schule für Levi zu finden.

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Ich besuchte verschiedene Schulen und setze mich mit in den Unterricht. Ich sprach mit Lehrern Eltern und der jeweiligen Schulleiter und stellte fest das die Inklusion in den Kinderschuhen steckte und man mir eher davon ab als zu riet. Wie oft ich den Satz hörte natürlich haben wir eine 1. Klasse aber wir sind für so was nicht ausgebildet haben zu wenig Räume zu wenig Personal und wäre ich betroffene Mutter oder Vater würde ich diese Schulform nicht wählen.

Nun das machte wenig Mut und ganz viel Angst, und nachdem ich mir auch eine G-Schule angesehen hatte war ich wütend, denn ich konnte mir beim besten willen nicht vorstellen, dass Levi hier gut aufgehoben sei. Der Witz war, die Schulleitung der G-Schule könnte sich Levi an Ihrer Schule auch nicht vorstellen, dafür sei er zu gut gefördert, hieß es.

Ich hätte nie geglaubt, wie einfach Inklusion sein kann

An der Schule meines Sohnes Jaylin bin ich Elternsprecherin und sitze mit im Elternrat. Die Schule ist super aber für Levi bei der Klassengröße undenkbar. Ich erzählte der Schulleitung von meinem Problem und sie versprach sich mit auf die Suche zu machen, um eine geeignete Schule für Levi zu finden. Nach einer Woche kam der Anruf.

Es gebe da eine musikalische Grundschule mit 15 Kindern und 1 Kind mit Handicap und das wäre dann die erste Klasse zum Sommer. Ich bin am selben Tag mit Levi zur Schule gefahren und war sofort ganz angetan.

Schnell war klar: das ist es. Schulbegleitung war auch kein Problem aber viel Papierkrieg. Eine Ergotherapeutin macht nach der Schule 3-mal die Woche mit Levi Ergo. Levi geht nun von 8 bis 12 Uhr zur Schule und schafft es, 3.Std konzentriert im Unterricht zu sitzen. Er beteiligt sich aktiv im Unterricht und die Kinder und Eltern mögen ihn. Gestern war der erste Elternabend und ich stellte mich vor und erzählte von Levi. Die Resonanz war ganz überwältigend.

Die Eltern sagten, er sei so süß so fröhlich und er hätte laut Lehrer immer eine Pulk von Kindern um sich herum. In den Pausen sagte sein Lehrer scherzhaft, er löse bei den Mädels wohl Muttergefühle aus. Ich hätte nie geglaubt, wie einfach Inklusion sein kann wenn wir aufeinander zu gehen es ist übrigens eine musikalische Grundschule und es wird dort viel über Gesang erlernt.

Ein Gastbeitrag in der Reihe „Mein Besonderes Kind" von Marisol Gindorf

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